III. Reich - Der Deutsche Automobil-Club ( DDAC ) - Rundschreiben an die Mitglieder die an der DDAC-Reichskriegsopferfahrt am 20.4.1939 teilgenommen haben
Der Deutsche Automobil-Club (DDAC) war während der Zeit des Nationalsozialismus die offizielle Automobilorganisation des Dritten Reiches. Nach der Machtübernahme 1933 wurde der DDAC gleichgeschaltet und in die nationalsozialistische Organisationsstruktur eingegliedert. Der Club entwickelte sich zu einem wichtigen Instrument der NS-Propaganda und Mitgliedermobilisierung.
Das vorliegende Dokument dokumentiert eine spezielle Veranstaltung, die DDAC-Reichskriegsopferfahrt vom 20. April 1939. Dieses Datum ist von besonderer Bedeutung, da es sich um Adolf Hitlers 50. Geburtstag handelte, einen der wichtigsten Feiertage im nationalsozialistischen Kalender. Solche Veranstaltungen wurden gezielt auf symbolträchtige Daten gelegt, um die Verbindung zwischen dem Regime und seinen Organisationen zu demonstrieren.
Die Reichskriegsopferfahrt war eine propagandistische Veranstaltung, die mehrere Zwecke erfüllte. Erstens sollte sie die Verbundenheit des DDAC mit den Kriegsopfern des Ersten Weltkrieges demonstrieren und gleichzeitig die militärische Tradition pflegen. Zweitens diente sie der Mobilisierung der Mitglieder und ihrer ideologischen Ausrichtung. Im Frühjahr 1939, nur wenige Monate vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, gewannen solche Veranstaltungen zusätzliche Bedeutung im Rahmen der psychologischen Kriegsvorbereitung.
Der beiliegende vierseitige Informationsbericht “Was leistet der DDAC im Krieg für seine Mitglieder?” ist besonders aufschlussreich. Bereits im April 1939, also mehrere Monate vor Kriegsbeginn im September, bereitete der DDAC seine Mitglieder auf den kommenden Konflikt vor. Dieses Dokument zeigt die Kriegsvorbereitungen auf organisatorischer Ebene und verdeutlicht, dass die NS-Führung den Krieg längst geplant hatte.
Der DDAC spielte während des Krieges eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung von Fahrzeugen und Fahrern für militärische Zwecke. Die Organisation war zuständig für die Erfassung privater Kraftfahrzeuge, die im Kriegsfall requiriert werden konnten, sowie für die Ausbildung und Bereitstellung von Fahrpersonal. Das Informationsblatt erläuterte vermutlich die Unterstützungsleistungen, die der Club seinen Mitglieder im Kriegsfall bieten würde, möglicherweise einschließlich rechtlicher Beratung, Versicherungsfragen und technischer Unterstützung.
Die Struktur und Funktion des DDAC spiegelte die totalitäre Organisation der NS-Gesellschaft wider. Nach der Eingliederung in die NS-Kraftfahrkorps (NSKK) wurde der Club zu einem Instrument der Kriegsvorbereitung. Mitglieder wurden nicht nur als Autofahrer, sondern als Teil der nationalen Verteidigungsstruktur betrachtet.
Solche Rundschreiben und Informationsmaterialien sind heute wichtige historische Quellen. Sie dokumentieren die umfassende Durchdringung des Alltagslebens durch nationalsozialistische Organisationen und zeigen, wie selbst scheinbar unpolitische Vereine wie Automobilclubs für ideologische und militärische Zwecke instrumentalisiert wurden. Der gebrauchte Zustand des Dokuments bezeugt seine authentische Verwendung und macht es zu einem materiellen Zeugnis dieser Epoche.
Die Erhaltung solcher Dokumente ist für die historische Forschung von unschätzbarem Wert, da sie Einblicke in die Organisationsstruktur, Kommunikationsmethoden und Mobilisierungsstrategien des NS-Regimes gewähren. Sie ergänzen das Bild, das wir aus offiziellen Regierungsdokumenten gewinnen, durch die Perspektive der zivilen Organisationen und ihrer Mitglieder.