Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1901,

Berlin, Verlag Mittler & Sohn, Ganzleineneinband, 1354 Seiten, Gebrauchter Zustand
452744
70,00

Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1901,

Die Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1901 stellt ein bedeutendes militärhistorisches Quellenwerk dar, das die Organisationsstruktur und Personalbesetzung der deutschen Streitkräfte am Beginn des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Diese im renommierten Verlag Mittler & Sohn in Berlin erschienene Publikation gehört zu einer Reihe jährlich erscheinender offizieller Ranglisten, die für die militärgeschichtliche Forschung von unschätzbarem Wert sind.

Der Verlag Ernst Siegfried Mittler & Sohn, gegründet 1789, hatte sich als führender Militärverlag des Deutschen Kaiserreichs etabliert und war quasi der Hausverlag der preußischen und später der deutschen Armee. Die von diesem Verlag herausgegebenen Ranglisten galten als offizielle Nachschlagewerke und wurden sowohl für militärische als auch für administrative Zwecke verwendet. Der Umfang von 1354 Seiten dieser Ausgabe von 1901 verdeutlicht die Komplexität und Größe der deutschen Militärorganisation zu dieser Zeit.

Das Jahr 1901 markiert eine bedeutende Phase in der deutschen Militärgeschichte. Das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II., der seit 1888 regierte, befand sich in einer Periode intensiver militärischer Aufrüstung und Modernisierung. Die preußische Armee bildete das Rückgrat der deutschen Streitkräfte und umfasste den Großteil der Kontingente des Deutschen Reiches. Das XIII. Armeekorps, das württembergische Kontingent, repräsentierte die föderale Struktur des deutschen Militärwesens, in der die süddeutschen Königreiche eine gewisse militärische Eigenständigkeit bewahrten.

Die Ranglisten dieser Epoche enthielten detaillierte Informationen über die Gliederung aller Truppenteile, von den Garderegimentern bis zu den Provinzialeinheiten. Sie verzeichneten die Namen und Dienstgrade sämtlicher Offiziere, ihre Regimentszugehörigkeiten, Beförderungsdaten und häufig auch Auszeichnungen. Für Genealogen und Familienhistoriker sind diese Werke daher heute von besonderem Interesse, da sie präzise Karrierewege nachvollziehbar machen.

Die Struktur der Königlich Preußischen Armee um 1901 war das Ergebnis der Heeresreformen des 19. Jahrhunderts, insbesondere der Reorganisation nach den Befreiungskriegen und der Modernisierung nach 1871. Das Heer war in Armeekorps gegliedert, die jeweils bestimmten Militärbezirken zugeordnet waren. Jedes Armeekorps bestand typischerweise aus zwei Infanteriedivisionen sowie Kavallerie-, Artillerie- und Pioniereinheiten.

Das württembergische Kontingent hatte eine besondere Stellung innerhalb der deutschen Streitkräfte. Württemberg hatte sich bei der Reichsgründung 1871 gewisse militärische Reservatrechte vorbehalten, darunter eine eigene Heeresverwaltung in Friedenszeiten. Das XIII. Armeekorps mit Sitz in Stuttgart umfasste die württembergischen Truppen und unterstand direkt dem württembergischen Kriegsministerium, wenngleich der deutsche Kaiser als oberster Kriegsherr die Kommandogewalt innehatte.

Der Ganzleineneinband war für amtliche Publikationen dieser Art typisch und sollte eine dauerhafte Nutzung gewährleisten. Diese Ranglisten wurden nicht nur in Kasernen und Verwaltungsstellen verwendet, sondern auch von Offizieren privat erworben, um sich über die Zusammensetzung und Organisation des Heeres zu informieren. Sie dienten auch gesellschaftlichen Zwecken, da der Offiziersstand eine privilegierte soziale Klasse darstellte.

Die militärische Situation um 1901 war geprägt von zunehmenden internationalen Spannungen. Deutschland verfolgte unter Wilhelm II. eine aggressive Weltpolitik und expandierte seine Marine erheblich, was zu wachsenden Spannungen mit Großbritannien führte. Die Armee blieb jedoch das Kernstück der deutschen Militärmacht. Die in der Rangliste verzeichneten Offiziere und Einheiten würden dreizehn Jahre später in den Ersten Weltkrieg ziehen.

Für die moderne Forschung sind diese Ranglisten unverzichtbare Quellen. Sie ermöglichen die Rekonstruktion von Militärkarrieren, die Analyse der sozialen Zusammensetzung des Offizierskorps und das Verständnis der organisatorischen Entwicklung der Streitkräfte. Militärhistoriker nutzen sie zur Erforschung der preußisch-deutschen Militärgeschichte, während Prosopographen sie für biografische Studien heranziehen.

Der gebrauchte Zustand des vorliegenden Exemplars deutet darauf hin, dass es tatsächlich als Arbeitsexemplar verwendet wurde. Viele dieser Bände wurden intensiv genutzt und weisen entsprechende Gebrauchsspuren auf. Überlebende Exemplare sind heute gesuchte Sammlerstücke und wichtige Bestandteile militärhistorischer Bibliotheken und Archive.