SS-Porzellanmanufaktur Allach - Münchner Kindl

Weiß glasiert, Th. Kärner Nr. 81, auf der Unterseite mit grüner Allach Marke. Unbeschädigt. Zustand 2+.
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SS-Porzellanmanufaktur Allach - Münchner Kindl

Die Münchner Kindl Porzellanfigur stellt eines der charakteristischen Produkte der Porzellan Manufaktur Allach dar, einer Keramikmanufaktur, die eng mit der SS und dem nationalsozialistischen Kulturprogramm verbunden war. Dieses Modell Nr. 81, entworfen von Professor Theodor Kärner, verkörpert das heraldische Symbol Münchens in idealisierter Form und steht beispielhaft für die Instrumentalisierung regionaler Kultur durch das NS-Regime.

Die Porzellan Manufaktur Allach wurde 1935 in Allach, einem Vorort Münchens, von Franz Nagy und Karl Diebitsch als privates Unternehmen gegründet. Bereits 1936 übernahm die SS unter Heinrich Himmler die Kontrolle über die Manufaktur. Himmler, der von arischer Mystik und germanischer Kultur besessen war, machte die Fabrik zu einem seiner bevorzugten Projekte. Die Manufaktur sollte dekorative Keramiken produzieren, die eine idealisierte germanische und bayerische Kultur repräsentierten. Ab 1937 wurde die Hauptproduktion in Anlagen verlegt, die an das SS-Schulungs- und Erziehungslager neben dem Konzentrationslager Dachau angrenzten. Ab 1940 wurden Zwangsarbeiter aus Dachau, darunter jüdische Häftlinge, in der Produktion eingesetzt.

Theodor Kärner wurde als künstlerischer Direktor bei Allach angestellt und bekleidete diese Position bis 1945. Er wurde zum Ehrenrang eines SS-Hauptsturmführers erhoben und am 20. April 1938 zum Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München ernannt. Seine Schöpfung, das Modell Nr. 81, zeigt das Münchner Kindl als Kindermönch in traditioneller Gewandung, mit einem Buch in der gesenkten linken Hand und einer erhobenen rechten Hand auf einem Sockelfuß stehend. Die Figur ist etwa 17 cm hoch und wurde in weiß glasiertem Porzellan ausgeführt. Auf der Unterseite trägt sie die grüne Herstellermarke “SS-Allach” oder “Allach” in einem Achteck, die Künstlersignatur “T. Kärner” oder “Th. Kärner” sowie die Modellnummer 81.

Das Münchner Kindl selbst ist das traditionelle Symbol Münchens, ursprünglich seit dem 13. Jahrhundert als Mönch im Stadtwappen dargestellt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Figur zu einer kindlichen Darstellung, bekannt als “Münchner Kindl” im bayerischen Dialekt. Das Symbol repräsentiert München, dessen Name “München” “von den Mönchen” bedeutet.

Die Münchner Kindl-Figuren von Allach erfüllten mehrere Zwecke: als dekoratives Porzellan, das Münchner Bürgerstolz und germanische Kultur repräsentierte, als offizielle Geschenke und Preise sowie als Sammlerstücke zum Verkauf. Dokumentierte Beispiele zeigen ihre Verwendung als Preise für den Blumenschmuck-Wettbewerb München 1940. Die Produkte der Manufaktur sollten nationalsozialistische Ideologie durch idealisierte Darstellungen deutscher Kultur fördern. Heinrich Himmler kontrollierte 45 Prozent der Fabrikproduktion und schenkte häufig Allach-Figuren an SS-Beamte und Freunde. Allach-Porzellan war für die nationalsozialistische Kulturerziehung bestimmt, nicht für rein kommerzielle Zwecke.

Die Manufaktur produzierte zwischen 1935 und 1945 über 240 verschiedene Keramik- und Porzellanmodelle. Die Fabrik beschäftigte etwa 25 bis 30 zivile Facharbeiter und bis zu 93 Häftlinge während der Kriegsjahre. Einige Produktionsaufzeichnungen zeigen, dass die höchste Produktionszahl für Julleuchter-Kerzenhalter erreicht wurde, mit etwa 52.635 Einheiten im Jahr 1939. Offizielle Produktionslisten sind nach 1939 nicht mehr verfügbar. Manche Exemplare wurden auf speziellen Sockeln mit Widmungen produziert oder manchmal in originalen schwarzen Präsentationskästen mit dem Münchner Wappen und der Inschrift “München Hauptstadt der Bewegung” präsentiert.

Mit dem Fall Nazi-Deutschlands im Jahr 1945 stellte Allach-Porzellan die Produktion ein. Die Fabrik wurde verlassen, Formen wurden von alliierten Streitkräften zerstört oder konfisziert. Theodor Kärner wurde als Teil der Entnazifizierung von 1945 bis 1947 im Lager Moosbach interniert. Nach seiner Entlassung war Kärner von 1947 bis 1953 Leiter der Kunstabteilung der Eduard-Porzellanfabrik. Er starb am 6. September 1966 in München im Alter von 82 Jahren. Heute sind Allach-Stücke selten und umstritten, von Sammlern und Historikern hinsichtlich ihrer ethischen Implikationen diskutiert. Museen und Sammler behandeln Allach-Artefakte als historische Beweise für nationalsozialistische Kulturprogramme und Zwangsarbeit, nicht als verherrlichende Memorabilien.

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