Wehrmacht Einzel Tasche für Gewehrgranaten

graues Leinen, mit schwarzer Ledeberiemung, einteilig, die zweite Tasche wurden abgeschnitten, Zustand 2-
211044
€ 150,00

Wehrmacht Einzel Tasche für Gewehrgranaten

Die Wehrmacht Einzeltasche für Gewehrgranaten stellt ein charakteristisches Ausrüstungsstück der deutschen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese spezielle Tragetasche wurde entwickelt, um Gewehrgranaten sicher und griffbereit am Koppel des Soldaten zu transportieren, eine Innovation, die der zunehmenden Bedeutung von Gewehrgranaten in der Infanterietaktik der 1930er und 1940er Jahre Rechnung trug.

Historischer Kontext und Entwicklung

Die Verwendung von Gewehrgranaten in der deutschen Armee hatte bereits im Ersten Weltkrieg begonnen, doch erst in der Zwischenkriegszeit und besonders nach der Wiederbewaffnung ab 1935 wurde ihre taktische Rolle systematisch ausgebaut. Die Wehrmacht erkannte früh die Notwendigkeit, der Infanterie zusätzliche Feuerkraft auf Zugebene zu verleihen, ohne schwere Waffen mitführen zu müssen. Gewehrgranaten, die mit speziellen Schießbechern (Schiessbecher) vom Karabiner 98k abgefeuert wurden, boten eine effektive Lösung für Entfernungen zwischen Handgranaten und leichten Mörsern.

Die Heeresverwaltung standardisierte in den späten 1930er Jahren die Ausrüstung für Gewehrgranaten, was zur Entwicklung spezialisierter Tragetaschen führte. Diese Taschen waren ursprünglich als Doppeltaschen konzipiert, die zwei Gewehrgranaten aufnehmen konnten. Jede Tasche hatte ihre eigene Kammer, um die empfindlichen Granaten vor Stößen und Feuchtigkeit zu schützen.

Materialbeschaffenheit und Konstruktion

Die hier beschriebene Tasche aus grauem Leinen entspricht den typischen Materialien, die während des Krieges verwendet wurden. Leinen war robust, relativ wetterbeständig und in großen Mengen verfügbar. Die schwarze Lederriemung diente zur Befestigung am Koppel und gewährleistete einen sicheren Halt auch unter Gefechtsbedingungen. Das Leder wurde meist mit Metallschnallen oder -haken versehen, die nach den Vorschriften der Heeresdienstvorschrift (H.Dv.) standardisiert waren.

Die Tatsache, dass diese Tasche einteilig ist und die zweite Tasche abgeschnitten wurde, ist ein interessantes Detail, das verschiedene Interpretationen zulässt. Solche Modifikationen waren im Feld nicht ungewöhnlich. Soldaten passten ihre Ausrüstung häufig den persönlichen Bedürfnissen oder taktischen Anforderungen an. Eine einzelne Tasche war leichter und weniger sperrig, was besonders bei bereits überlasteten Infanteristen geschätzt wurde. Zudem könnte die Modifikation aus Materialmangel erfolgt sein, um beschädigte Teile für andere Zwecke weiterzuverwenden.

Taktische Verwendung

Gewehrgranaten wurden in verschiedenen Varianten eingesetzt. Die Gewehr-Panzergranate diente der Panzerabwehr auf kurze Distanz, während die Gewehr-Sprenggranate gegen Infanterieziele und Feldstellungen eingesetzt wurde. Auch Propaganda- und Leuchtgranaten konnten vom Gewehr abgefeuert werden. Die Reichweite lag typischerweise zwischen 50 und 200 Metern, abhängig vom Granatentyp und der verwendeten Treibladung.

Soldaten, die mit Gewehrgranaten ausgerüstet waren, trugen üblicherweise zwei bis vier Granaten bei sich. Die Taschen wurden am Koppel oder am Sturmgepäck befestigt, oft in Kombination mit anderen Taschen für Munition, Gasmaske und persönliche Ausrüstung. Die Positionierung musste so gewählt werden, dass ein schneller Zugriff möglich war, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken.

Produktion und Varianten

Die Herstellung dieser Taschen erfolgte durch zahlreiche zivile Zulieferbetriebe im gesamten Deutschen Reich und in besetzten Gebieten. Mit fortschreitendem Krieg und zunehmendem Materialmangel wurden Vereinfachungen in der Produktion notwendig. Leder wurde teilweise durch Kunstleder oder verstärktes Gewebe ersetzt, und die Verarbeitung wurde weniger aufwendig. Die Farbgebung variierte von feldgrau über verschiedene Grautöne bis hin zu einem grünlichen Feldgrau, abhängig von Produktionsjahr und Hersteller.

Sammlerwert und Erhaltung

Heute sind solche Ausrüstungsgegenstände begehrte Sammlerstücke, die Einblick in die materielle Kultur der Wehrmacht geben. Der angegebene Zustand 2- deutet auf eine gut erhaltene Tasche mit leichten Gebrauchsspuren hin, was für ein über 75 Jahre altes Stoffobjekt bemerkenswert ist. Die Modifikation durch das Abschneiden der zweiten Tasche macht dieses Exemplar zu einem authentischen Zeugnis der Feldanpassungen und praktischen Verwendung.

Solche Objekte sind wichtige Studienobjekte für Militärhistoriker und Museen, da sie die Evolution der Infanterieausrüstung und die materiellen Bedingungen des Krieges dokumentieren. Sie ergänzen das Verständnis, das aus schriftlichen Quellen und Fotografien gewonnen wird, durch die physische Realität der verwendeten Gegenstände.