Königreich Italien, Bandelier mit Kartuschkasten für einen Offizier der Artillerie
Anbei ein Karton, der Karton ist beschädigt, Zustand 3.
Das vorliegende Objekt stellt ein Bandelier mit Kartuschkasten eines Offiziers der Artillerie aus dem Königreich Italien dar, wie es während der Herrschaft des Hauses Savoyen getragen wurde. Solche Ausrüstungsgegenstände waren wesentliche Bestandteile der Offiziersuniform und dienten sowohl praktischen als auch repräsentativen Zwecken.
Das Bandelier, eine über die Schulter getragene Schärpe, entwickelte sich aus den militärischen Traditionen des 16. und 17. Jahrhunderts. Ursprünglich dienten Bandeliere dazu, Patronen oder andere Munitionsbehälter zu tragen. Im 19. Jahrhundert, als Feuerwaffen und Munitionssysteme sich weiterentwickelten, behielten Offiziere das Bandelier primär als zeremonielles und distinktives Uniformelement bei, während die praktische Funktion in den Hintergrund trat.
Das Königreich Italien wurde 1861 unter der Führung des Hauses Savoyen gegründet, nachdem die italienische Einigungsbewegung, das Risorgimento, erfolgreich verschiedene italienische Staaten vereint hatte. Viktor Emanuel II. von Savoyen wurde der erste König des geeinten Italiens. Die königliche Armee übernahm viele militärische Traditionen aus dem Königreich Sardinien-Piemont, das die treibende Kraft hinter der Einigung gewesen war.
Die Verwendung von schwarzem Seidentuch mit Goldtressen entsprach den militärischen Vorschriften für Offiziersausrüstungen dieser Epoche. Schwarz und Gold waren traditionelle Farben, die Autorität und Rang symbolisierten. Die kunstvolle Verarbeitung mit Goldtressen zeugte vom Status des Trägers und unterschied Offiziere deutlich von niederen Rängen.
Besonders bemerkenswert sind die symbolischen Elemente: Der Kopf der Medusa war ein klassisches Motiv, das in der italienischen Militärikonographie verwendet wurde und auf die antike römische Tradition verwies. Die Medusa galt als Schutzsymbol und sollte Feinde abschrecken. Der italienische Adler mit Krone und dem Schild der Savoyen repräsentierte die königliche Macht und die dynastische Legitimität. Das Wappen der Savoyen mit dem charakteristischen weißen Kreuz auf rotem Grund war das zentrale Symbol der herrschenden Dynastie.
Der Kartuschkasten, auch Patronentasche genannt, war ursprünglich ein praktischer Behälter für Patronen oder Kartuschen. Bei Offizieren, insbesondere der Artillerie, entwickelte sich dieser zu einem stark verzierten Ausrüstungsgegenstand. Die vergoldeten Beschläge und das aufgelegte Zeichen der Artillerie kennzeichneten die Waffengattung des Trägers eindeutig. Die italienische Artillerie spielte eine wichtige Rolle in den Einigungskriegen und den späteren militärischen Unternehmungen des Königreichs.
Das Artilleriezeichen bestand typischerweise aus gekreuzten Kanonen oder anderen artilleriespezifischen Symbolen. Die Artillerie galt als technisch anspruchsvolle Waffengattung, die besondere Ausbildung erforderte, und ihre Offiziere genossen hohes Ansehen.
Das Gehänge für den Degen mit blauen Durchzügen vervollständigte die Offiziersausstattung. Der Degen war das traditionelle Seitengewehr der Offiziere und symbolisierte ihren Rang und ihre Ehre. Die blauen Elemente könnten auf spezifische Regimentsfarben oder auf Vorschriften für bestimmte Uniformkombinationen hinweisen. In der italienischen Armee hatten verschiedene Waffengattungen unterschiedliche Farbkennzeichnungen in ihrer Uniform.
Solche Ausrüstungsgegenstände wurden nach präzisen Uniformvorschriften gefertigt, die im Königreich Italien mehrfach aktualisiert wurden. Bedeutende Reformen erfolgten unter anderem 1871, 1883 und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Vorschriften regelten detailliert Material, Farben, Abzeichen und Trageweise der verschiedenen Uniformteile.
Die Herstellung solcher hochwertiger Offiziersausrüstungen erfolgte durch spezialisierte Handwerksbetriebe und Hoflieferanten. Offiziere mussten ihre Uniformen und Ausrüstung selbst beschaffen, was erhebliche finanzielle Mittel erforderte. Dies trug zum elitären Charakter des Offizierskorps bei.
Das Königreich Italien bestand bis 1946, als nach dem Zweiten Weltkrieg und einem Referendum die Monarchie abgeschafft und die Republik ausgerufen wurde. Die militärischen Traditionen und Symbole aus der Königszeit prägten jedoch die italienische Militärgeschichte nachhaltig.
Solche Objekte sind heute wichtige Zeugnisse der italienischen Militärgeschichte und der Uniformkunde. Sie dokumentieren nicht nur handwerkliches Können und künstlerische Gestaltung, sondern auch soziale Strukturen, militärische Organisation und nationale Symbolik einer bedeutenden Epoche der italienischen Geschichte.