SS Porzellanmanufaktur Allach - Tafelleuchter für 3 Kerzen

3-Kerzig, Nr. 87, grüne Allach Marke unter Glasur, C. Diebitsch. Unbeschädigt, Zustand 2+.
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SS Porzellanmanufaktur Allach - Tafelleuchter für 3 Kerzen

Dieser dreiarmige Tafelleuchter Modell Nr. 87 stammt aus der Porzellan-Manufaktur Allach, einer Produktionsstätte, die im Januar 1936 von Franz Nagy, Theodor Kärner, Karl Diebitsch und Bruno Galke gegründet wurde. Die Manufaktur entstand auf einem Gelände, das Nagy bereits seit 1925 besaß. Noch im selben Gründungsjahr 1936 wurde das Unternehmen von der SS übernommen, wobei das persönliche Büro Heinrich Himmlers 45.000 Reichsmark investierte und 45 Prozent der Produktion kontrollierte.

Die Manufaktur war Teil von Himmlers umfassendem Kulturprojekt zur Herstellung von Objekten, die “germanische Kultur” repräsentieren und die nationalsozialistische Ideologie unterstützen sollten. Mit der Expansion der Produktion wurde 1937 eine zweite Produktionsstätte in der Nähe des Konzentrationslagers Dachau eingerichtet, wohin der Großteil der Porzellanproduktion verlagert wurde. Ab 1940 arbeiteten dort durchgehend etwa 25 bis 30 Zivilisten und konstant circa 50 Häftlinge aus Dachau an der Herstellung der Porzellanobjekte. Bis Oktober 1943 stieg die Zahl der eingesetzten KZ-Häftlinge auf 93.

Der Entwurf dieses Leuchters stammt von Karl Diebitsch (1899–1985), einem SS-Obersturmbannführer und Himmlers persönlichem Referenten für Kunstfragen. Diebitsch entwarf nicht nur SS-Uniformen, Dolche und andere SS-Insignien, sondern fungierte ab 1936 auch als künstlerischer Leiter von Allach. 1939 verlieh ihm Hitler den Ehrentitel eines Professors. Seine Entwürfe für die Manufaktur folgten dem “neuen deutschen Baustil” im Gegensatz zu den barocken Entwürfen von Franz Nagy. Diese stilistische Ausrichtung zeigt sich deutlich in seinen verschiedenen Kerzenhalter-Modellen, zu denen neben dem hier vorliegenden Modell Nr. 87 auch das berühmte Modell Nr. 89 (Geburtsleuchter) und das Modell Nr. 119 (ein weiterer dreiarmiger Leuchter mit einer Höhe von 10 cm) gehören.

Das vorliegende Exemplar ist aus weißem glasiertem Porzellan gefertigt und hat eine Höhe von 12,7 cm. Die Rückseite trägt die charakteristische grüne Allach-Marke unter Glasur, die zwischen 1936 und 1945 verwendet wurde. Diese Marke besteht aus geprägten SS-Runen in einem Oktagon mit der Bezeichnung “Allach”, ergänzt durch die Künstlersignatur “C. Diebitsch” und die Modellnummer 87. Die Mehrzahl der Kerzenhalter wurde in weißem glasiertem Porzellan hergestellt; vergoldete Versionen existierten bis zum Krieg, wurden dann jedoch durch ockerfarbene Varianten ersetzt.

Kerzenhalter gehörten zu den am häufigsten produzierten Allach-Artikeln mit überdurchschnittlichen Produktionszahlen. Diese Haushaltsgegenstände wurden für traditionelle Zwecke in der Esskultur und als Wohndekoration in deutschen Haushalten während des Dritten Reiches verwendet. Die verschiedenen Stilrichtungen und niedrigen Kosten – ermöglicht durch die Zwangsarbeit – erlaubten es Deutschen jeder Gesellschaftsschicht, sie zu besitzen. Der Vertrieb erfolgte über SS-Ausstellungsräume in Berlin, Posen, Warschau und Lemberg statt über traditionelle Einzelhandelskanäle. Zwei Drittel der Produktion gingen an SS, Polizei und Wehrmacht, wobei SS-Mitglieder erhebliche Preisnachlässe erhielten.

Insgesamt stellte die Manufaktur über 240 keramische Modelle her. Die Produktion endete 1945 mit der Befreiung durch alliierte Streitkräfte. Das Konzentrationslager Dachau wurde am 29. April 1945 von US-Truppen befreit, und die Allach-Fabriken wurden geschlossen. Nach dem Krieg kam es zu begrenzter Aktivität: Franz Nagy könnte eine eingeschränkte Produktion wieder aufgenommen haben, da einige Nachkriegs-Steinzeugobjekte eine Allach-Marke mit dem Buchstaben “N” für Nagy anstelle der SS-Runen tragen. Theodor Kärner verwendete einige Allach-Formen während seiner Tätigkeit bei Eschenbach in der US-kontrollierten Zone Deutschlands. Oscar Schaller & Co. Nachfolger in Windischeschenbach wurde erlaubt, normale (nicht nationalsozialistische) Allach-Formen für Zierteller und Geschirr nach 1945 zu verwenden.

Heute wird Allach-Porzellan als historisches Artefakt gesammelt, wobei der Handel mit Gegenständen mit NS-Symbolen in Deutschland strengen rechtlichen Beschränkungen unterliegt und nur für Bildungs-, Forschungs- oder historische Zwecke gestattet ist. Die ethischen Dimensionen des Sammelns von Objekten, die durch KZ-Zwangsarbeit hergestellt wurden, bleiben kontrovers.

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