Knötel Uniformtafel "vom Füsilier-Bat- v. Schenke und Füsilier-Bat.v. Renouard" 1792,

Zustand 2.
456546
15,00

Knötel Uniformtafel "vom Füsilier-Bat- v. Schenke und Füsilier-Bat.v. Renouard" 1792,

Die Knötel Uniformtafel aus dem Jahr 1792, die Uniformen des Füsilier-Bataillons von Schenke und des Füsilier-Bataillons von Renouard darstellt, repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der preußischen Militärgeschichte am Vorabend der Revolutionskriege. Diese Uniformdarstellung gehört zur legendären Sammlung, die von Richard Knötel (1857-1914) und seiner Familie über mehrere Generationen hinweg geschaffen wurde.

Die Knötel-Familie etablierte sich als die bedeutendsten deutschen Militärmaler und Uniformkundler des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Richard Knötel der Ältere begann in den 1850er Jahren mit der systematischen Dokumentation historischer Uniformen, wobei er sich auf akribische Recherchen in Archiven, die Auswertung zeitgenössischer Quellen und die Untersuchung von Originalstücken stützte. Seine Arbeiten zeichnen sich durch außerordentliche Detailgenauigkeit und historische Präzision aus.

Das Jahr 1792 markiert einen Wendepunkt in der europäischen Geschichte. Mit dem Ausbruch der Französischen Revolutionskriege im April 1792 wurde Preußen gemeinsam mit Österreich in einen Konflikt hineingezogen, der die Kriegsführung und Militärorganisation grundlegend verändern sollte. Die preußische Armee unter König Friedrich Wilhelm II. stand noch weitgehend in der Tradition Friedrichs des Großen, dessen Reformen die preußische Armee zur gefürchtetsten Streitmacht Europas gemacht hatten.

Füsilier-Bataillone bildeten einen spezialisierten Teil der preußischen Infanterie. Ursprünglich waren Füsiliere als leichte Infanterie konzipiert, die mit dem kürzeren und leichteren Füsiliergewehr (französisch: fusil) ausgerüstet waren. Diese Waffe ermöglichte größere Beweglichkeit und war besonders für Plänklergefechte, Nachhuttgefechte und den Einsatz in schwierigem Gelände geeignet. In der preußischen Armee waren Füsiliere üblicherweise die dritte Kompanie eines Infanterieregiments oder bildeten eigenständige Bataillone.

Die Benennung der Bataillone nach ihren Kommandeuren – in diesem Fall von Schenke und von Renouard – entsprach der preußischen Militärtradition des 18. Jahrhunderts. Diese Nomenklatur änderte sich erst im Laufe der Heeresreformen nach 1806. Die Namen der Kommandeure verliehen den Einheiten eine persönliche Identität und förderten den Korpsgeist, obwohl die Bataillone formal Teil größerer Regimenter waren.

Die Uniform der preußischen Füsiliere von 1792 folgte dem etablierten Muster der fridericianischen Armee. Der charakteristische dunkelblaue Rock mit den roten Aufschlägen, die weiße Weste und Kniebundhose sowie die schwarzen Gamaschen bildeten die Grundausstattung. Die Füsiliere trugen im Gegensatz zu den Grenadieren keine Grenadiermütze, sondern den Dreispitz, der für den Dienst oft mit einem praktischen Band gesichert wurde. Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Regimentern und Bataillonen erfolgte durch die Farbe der Aufschläge, Kragen, Schulterstücke und andere Details, die in den Uniformreglements penibel festgelegt waren.

Die Ausrüstung umfasste das bereits erwähnte Füsiliergewehr, das Seitengewehr (Bajonett), die Patronentasche und das charakteristische weiße Lederzeug. Die preußische Armee legte großen Wert auf einheitliches Erscheinungsbild und präzisen Drill, was sich auch in der sorgfältigen Pflege der Uniform widerspiegelte.

Die militärische Bedeutung solcher Uniformtafeln kann kaum überschätzt werden. In einer Zeit ohne Fotografie dienten diese handkolorierten Darstellungen als wichtige Referenzdokumente für Militärverwaltung, Schneidereien und zur historischen Dokumentation. Die Knötel-Tafeln wurden später zu unverzichtbaren Quellen für Historiker, Museen und Sammler.

Die Zustandsangabe 2 deutet auf einen gut erhaltenen Zustand hin, bei dem die Tafel möglicherweise leichte Gebrauchsspuren, aber keine wesentlichen Beschädigungen aufweist. Solche Tafeln wurden üblicherweise auf festem Papier oder Karton gedruckt oder gemalt und waren anfällig für Lichteinfäll, Feuchtigkeit und mechanische Beschädigung.

Die historische Bedeutung dieser Uniformtafel liegt nicht nur in ihrer Darstellung spezifischer militärischer Einheiten, sondern auch in ihrer Rolle als Teil eines umfassenden Projekts zur Dokumentation der preußisch-deutschen Militärgeschichte. Die Knötel-Sammlung umfasste Tausende von Darstellungen und wurde zu einer Standardreferenz, die bis heute in militärhistorischen Publikationen zitiert wird.

Für Sammler und Militärhistoriker repräsentieren solche Uniformtafeln greifbare Verbindungen zu einer vergangenen Epoche, in der das preußische Militärwesen europäische Standards setzte und die Grundlagen für spätere Entwicklungen legte.