SS Porzellanmanufaktur Allach - Tafelleuchter

für 1 Kerze, Nr. 106, eingepresste Allach Marke im Oktagon unter Glasur, C. Diebitsch. Unbeschädigt, Zustand 2+.
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SS Porzellanmanufaktur Allach - Tafelleuchter

Der Tafelleuchter Modell 106 der SS Porzellanmanufaktur Allach repräsentiert ein bemerkenswertes Beispiel jener kunsthandwerklichen Produktion, die unter der direkten Kontrolle Heinrich Himmlers stand und die nationalsozialistische Ideologie durch künstlerische Gegenstände zu verbreiten suchte. Dieses Objekt aus weißem glasierten Porzellan trägt die charakteristische unterglasierte Allach-Marke im Oktagon sowie die eingepresste Signatur C. Diebitsch, die auf den Designer Karl Diebitsch verweist, einen der bedeutendsten Künstler der Manufaktur.

Die SS Porzellanmanufaktur Allach gehörte zu den ersten industriellen Unternehmungen der SS und sollte Objekte hervorbringen, die als repräsentativ für die sogenannte “germanische Kultur” galten. Ursprünglich 1935 als Keramische Werkstätten Nagy gegründet, wurde das Unternehmen im Januar 1936 in die Porzellan-Manufaktur Allach-München GmbH umgewandelt. Die Manufaktur beschäftigte künstlerische Elite, darunter Karl Diebitsch, der als Oberführer der SS auch als Designer von SS-Uniformen und Insignien bekannt war, sowie Theodor Kärner, Franz Nagy, Richard Förster und weitere.

Im Oktober 1937 erfolgte eine teilweise Verlagerung der Produktion in eine stillgelegte Schießpulverfabrik nahe dem SS-Ausbildungslager bei Dachau. Diese geografische Nähe zum Konzentrationslager sollte folgenschwere Bedeutung erlangen. Ab 1940/1941 wurden etwa 25 bis 30 zivile Arbeiter und ungefähr 50 Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau zur Zwangsarbeit herangezogen, um sowohl dekorative Porzellane wie Figurinen, Kerzenleuchter und Vasen als auch Gebrauchsgegenstände wie Salbenbehälter und Kantinentableware herzustellen. Im Oktober 1939 vollzog die SS die vollständige Übernahme und enteignete die ursprünglichen Gründer Nagy und Kärner. Die Manufaktur operierte unter dem SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt.

Das vorliegende Modell 106 ist ein einzelner Kerzenleuchter mit einer Höhe von 8,5 cm und gehört zu den etwa 240 Porzellan- und Keramikmodellen, die Allach produzierte. Die Manufaktur stellte eine Vielfalt von Kerzenleuchtern her, die von kunstvoll vergoldeten barocken Kandelabern bis zu schlichten weißen Einzelkerzenhaltern reichten. Die Produktionszahlen für Kerzenleuchter lagen generell über dem Durchschnitt im Vergleich zu anderen Allach-Artikeln. Als Vergleichsmaßstab sei erwähnt, dass der Julleuchter allein im Jahr 1939 eine Produktion von 52.635 Einheiten erreichte, mit Schätzungen von über 250.000 Stück insgesamt – die größte Produktionsserie eines einzelnen Allach-Artikels. Ein anderes bekanntes Design von Diebitsch war das Modell 89, der sogenannte Geburtsleuchter, der zu Himmlers bevorzugten Entwürfen zählte.

Die Kerzenleuchter von Allach erfreuten sich aufgrund ihrer verschiedenen Stilrichtungen und relativ niedrigen Kosten großer Beliebtheit in der deutschen Bevölkerung. Die niedrigen Preise wurden durch die Zwangsarbeitsproduktion ermöglicht, wodurch Deutsche verschiedener Wirtschaftsklassen in der Lage waren, diese Objekte zu erwerben. Zwei Drittel der Allach-Produktion ging an SS, Polizei und Wehrmacht, wobei SS-Mitglieder erhebliche Preisnachlässe erhielten. Die Produkte wurden nicht über den regulären Einzelhandel vertrieben, sondern über Ausstellungsräume in Städten wie Berlin, Posen, Warschau und Lemberg. Viele Stücke dienten als Präsentationsgeschenke für SS-Unterstützer und hochrangige NS-Funktionäre.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 endete die Produktion. Die Allach-Fabriken wurden geschlossen und von alliierten Streitkräften besetzt. Viele Allach-Stücke wurden nach dem Krieg zerstört oder verborgen, da der Besitz von NS-Memorabilia in Deutschland problematisch wurde. Franz Nagy startete möglicherweise eine begrenzte Nachkriegsproduktion mit Stücken, die mit “N” anstelle der SS-Insignien gekennzeichnet waren. Theodor Kärner verwendete einige Allach-Formen während seiner Tätigkeit bei Eschenbach in der US-kontrollierten Zone und der Eduard Haberländer Fabrik (1947-1953) wieder. Andere Formen wurden an Hersteller wie Rosenthal und Nymphenburg verteilt.

Heute ist Allach-Porzellan kontrovers, aber sammelwürdig, wobei Stücke hohe Preise im Militaria-Markt erzielen. In Deutschland unterliegt der Handel strengen gesetzlichen Beschränkungen, insbesondere wenn NS-Symbole sichtbar sind. Solche Objekte dürfen nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, Forschung, Lehre oder historischen Dokumentation ausgestellt werden.

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