Allgemeine SS : Visitenkarte von SS-Oberführer Karl Schulz, Mitglied des Reichstags

um 1938. Große Visitenkarte mit Aufdruck "Karl Schulz M.D.R." und dem Wappen von Karl Schulz mit SS-Runen und Totenkopf, Zustand 2.

Karl Schulz (* 7. Februar 1905 in Bochum-Weitmar; † 2. Februar 1989 in Bad Berleburg) war ein deutscher Politiker (NSDAP). Nach dem Schulbesuch nahm Schulz im März 1920 mit der Marine-Brigade Ehrhardt am Kapp-Putsch teil. Weiter war Schulz Mitglied der Organisation Consul. Am 11. September 1923 schloss Schulz sich der NSDAP an. 1924 trat Schulz in den Dienst der Schutzpolizei. Ein Jahr später beteiligte er sich im Rahmen der Neugründung der NSDAP an der Gründung der NSDAP-Ortsgruppe in Hamm und wurde dort SA-Führer. 1927 übernahm er die Leitung der Ortsgruppe der NSDAP in Iserlohn. Später wurde er Mitglied der Sturmabteilung (SA), in der er 1929 Sturmführer in Dortmund wurde. 1927 wurde Schulz von der Polizeiverwaltung aus unbekannten Gründen nach Iserlohn strafversetzt. Dort beteiligte er sich am Aufbau der NSDAP-Ortsgruppe und war bis 1929 Ortsgruppenleiter. Am 1. Januar 1929 wurde er zum SA-Sturmführer ernannt. Im gleichen Jahr wurde er erneut strafversetzt, diesmal nach Derne. Schulz wurde nach dem Eintritt in die SS (Nr. 15.838) am 6. November 1931 als SS-Anwärter mehrmals befördert: 12. Januar 1932 SS-Mann, 12. Januar 1932 SS-Truppführer, 24. März 1932 SS-Sturmführer, 24. August 1932 SS-Sturmhauptführer. Während dieses Aufstieges in der SS wurde Schulz am 30. Juni 1932 aus der Schutzpolizei entlassen – vorangegangen war eine Beurlaubung während eines gegen ihn angestrengten Hochverratsverfahrens. Am 20. April 1933 wurde Schulz SS-Sturmbannführer, am 9. November 1933 SS-Obersturmbannführer. Ab dem 16. August 1933 bis 1. März 1934 war er Führer (m. d. F. b.) der SS-Standarte 19 »Westfalen-Nord« (Gelsenkirchen-Rotthausen). Schulz war von November 1933 bis zum März 1936 Abgeordneter im nationalsozialistischen Reichstag. Vom 1. März 1934 bis 4. April 1934 war er Führer (m. d. F. b.) der SS-Standarte 56 »Franken« (Bamberg) und vom 4. April bis 29. Juni 1934 Führer in der SS-Führerschule Gelsenkirchen. Am 29. Juni 1934 wurde Schulz vom SS-Dienst beurlaubt und am 12. Februar 1935 erhielt er einen förmlichen Verweis durch den Reichsführer SS Heinrich Himmler wegen »Verschuldung, Veruntreuung und Ungehorsams«. Von 1935 bis 1939 war Schulz hauptamtlicher Gauinspekteur der Gauleitung Westfalen-Nord der NSDAP (Münster). Am 29. Juli 1935 stellte Schulz einen Antrag auf Entlassung aus der SS, um einem Ausschluss zuvorzukommen, dem am 5. August 1935 stattgegeben wurde. Ab 1. Juni 1936 bis zum 8. August 1940 betätigte Schulz sich als ehrenamtlicher Führer der Bezirksgruppe Westfalen-Nordwest des Reichsluftschutzbundes, dort zuletzt als Luftschutz-Oberführer. Nach zwei Jahren wurde Schulz am 1. Mai 1937 in die Allgemeine SS mit seiner alten Mitgliedsnummer Nr. 15.838 und seinem alten Rang als SS-Obersturmbannführer wieder aufgenommen. Vom 25. Januar bis zum 1. September 1938 war Schulz ehrenamtlicher Sportreferent des SS-Abschnitts XVII. Anfang 1938 wurde er in einer Aufstellung zur Wahl des Reichstages genannt . Sein damaliger Rang war SS-Oberführer. Ab 1939 war er hauptberuflich im Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle tätig, 1940–1944 Einsatzführer und Stellvertretender Leiter des Einsatzstabs Litzmannstadt (Ghetto Litzmannstadt) des Hauptamts Volksdeutsche Mittelstelle. Im Juli 1941 erfolgte seine Einberufung zur SS-Kavallerie-Ersatz-Abteilung als SS-Reiter d.R. der Waffen-SS, kommandiert zum Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle. Am 23. November 1942 Einberufung zur Waffen-SS als SS-Schütze d.R., Ernennung am 1. Dezember 1942 zum SS-Unterscharführer d.R der Waffen-SS, 10. Dezember 1942 Zugtruppführer bzw. Kompanietruppführer in der 2. Kompanie des SS-Polizei-Grenadier-Regiments 2. Ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen Betrugsversuch wurde am 23. April 1943 eingestellt. Bis November 1943 war er der 7. Stammkompanie des SS-Panzer-Grenadier-Ausbildungs- und Ersatz-Bataillons 4 zugeteilt, danach wurde er zur Stabskompanie der Waffen-SS beim Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle versetzt. Nach 1945 Nach dem Krieg war Schulz Mitglied der SRP (Sozialistische Reichspartei) bis zu deren Verbot 1952. Schulz starb am 2. Februar 1989 in Bad Berleburg.
445947
€ 450,00

Allgemeine SS : Visitenkarte von SS-Oberführer Karl Schulz, Mitglied des Reichstags

Diese Visitenkarte des SS-Oberführers Karl Schulz aus der Zeit um 1938 stellt ein bemerkenswertes Dokument der nationalsozialistischen Funktionselite dar. Die Karte zeigt nicht nur den Namen und die Funktion ihres Trägers als Mitglied des Reichstags (M.d.R.), sondern auch ein persönliches Wappen mit SS-Runen und Totenkopf – Symbolen, die für die ideologische Ausrichtung und den elitären Anspruch der SS standen.

Visitenkarten in der NS-Zeit dienten nicht nur der gesellschaftlichen Repräsentation, sondern waren auch Ausdruck von Macht, Rang und politischer Zugehörigkeit. Besonders hochrangige SS-Führer ließen solche Karten mit aufwendigen Wappen und Insignien drucken, um ihre Position innerhalb der nationalsozialistischen Hierarchie zu unterstreichen. Die Verwendung von persönlichen Wappen war in der SS-Führung verbreitet und sollte eine pseudoaristokratische Tradition suggerieren.

Karl Schulz (1905-1989) verkörperte den Typus des frühen NSDAP-Aktivisten, der aus der Freikorpsbewegung kam. Seine Teilnahme am Kapp-Putsch 1920 mit der Marine-Brigade Ehrhardt und seine Mitgliedschaft in der Organisation Consul – einer rechtsradikalen Terrororganisation der Weimarer Zeit – prägten seinen weiteren politischen Werdegang. Sein früher Parteibeitritt am 11. September 1923, noch vor dem Hitler-Putsch, zeigt seine tiefe Verwurzelung in der frühen NSDAP-Bewegung.

Die Karriere von Schulz war von bemerkenswerten Widersprüchen geprägt. Als Polizeibeamter wurde er wiederholt strafversetzt, offenbar wegen seiner nationalsozialistischen Aktivitäten. 1932 erfolgte seine Entlassung aus der Schutzpolizei während eines Hochverratsverfahrens – ein Schicksal, das viele NS-Aktivisten in der Endphase der Weimarer Republik teilten. Nach der Machtübernahme 1933 wandelte sich dieser scheinbare Makel in einen Ausweis besonderer Verdienste.

Sein Aufstieg in der SS war steil: Von der Aufnahme als SS-Anwärter im November 1931 (Mitgliedsnummer 15.838) stieg er binnen zwei Jahren zum SS-Obersturmbannführer auf. Diese rasante Beförderung war typisch für die frühe Konsolidierungsphase der SS nach 1933, als die Organisation massiv expandierte und loyale Parteiveteranen in Führungspositionen brachte.

Bemerkenswert ist jedoch, dass Schulz' Karriere von mehreren Skandalen überschattet war. Am 12. Februar 1935 erhielt er einen förmlichen Verweis durch Reichsführer SS Heinrich Himmler wegen “Verschuldung, Veruntreuung und Ungehorsams”. Dies führte 1935 zu seinem Ausschluss aus der SS – ein ungewöhnlicher Vorgang für einen so hochrangigen Funktionär. Seine Wiederaufnahme 1937 mit alter Mitgliedsnummer und Rang deutet auf einflussreiche Fürsprecher hin.

Die Visitenkarte stammt aus dem Jahr 1938, einer Zeit, in der Schulz den Rang eines SS-Oberführers innehatte und erneut als Reichstagsabgeordneter fungierte. Der Reichstag hatte zu diesem Zeitpunkt längst jede parlamentarische Funktion verloren und diente nur noch als Akklamationsorgan für Hitlers Politik. Die Mitgliedschaft war dennoch prestigeträchtig und mit materiellen Privilegien verbunden.

Das auf der Karte abgebildete persönliche Wappen mit SS-Runen und Totenkopf zeigt die Selbstinszenierung der SS-Elite. Der Totenkopf war seit 1934 offizielles Symbol der SS-Totenkopfverbände und wurde später auch von anderen SS-Einheiten verwendet. Die SS-Runen (zwei Sig-Runen) waren das Hauptsymbol der Organisation und symbolisierten die pseudogermanische Ideologie der SS.

Schulz' spätere Tätigkeit im Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle ab 1939 und seine Rolle als stellvertretender Leiter des Einsatzstabs im Ghetto Litzmannstadt (Łódź) 1940-1944 verweisen auf seine Beteiligung an der Germanisierungspolitik und der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Das Ghetto Litzmannstadt war eines der größten im besetzten Polen, und die Volksdeutsche Mittelstelle spielte eine zentrale Rolle bei der Ansiedlung von Volksdeutschen in den eroberten Gebieten.

Nach 1945 war Schulz Mitglied der 1952 verbotenen Sozialistischen Reichspartei (SRP), einer rechtsextremen Nachfolgeorganisation der NSDAP. Dies zeigt, dass er seine nationalsozialistischen Überzeugungen auch nach dem Zusammenbruch des Regimes nicht aufgab.

Diese Visitenkarte ist somit mehr als ein bloßes Stück bedruckten Papiers. Sie dokumentiert die Selbstdarstellung eines NS-Funktionärs auf dem Höhepunkt seiner Karriere und gibt Einblick in die Repräsentationskultur der SS-Elite im Dritten Reich.