III. Reich Luftschutz ( LS ) Gasschutzanzug 38

Aus Gummi, Hersteller ist die Firma "Radium", alle Druckknöpfe sind vorhanden. Innen ist die Jacke mit Markierung "Radium 3761 3 - 38" und Stempel "L S". Maße: Schulterbreite ca. 54 cm, Armlänge-Außen ca. 69 cm, Gesamtlänge ca. 81 cm. Hose ist Innen mit Herstellermarkierung "Radium 4648 3 - 38" und "L S" gestempelt, Größenangabe "1". Maße: Hosen-Bundumfang ca. 124 cm, Gesamtlänge ca. 140 cm.
Anbei der Kleiderbügel, mit Stempel "E. T. Peschel Berlin 36, RL 1-37 gemäss § 8 Luftschutzgesetz genehmigt, L S". Zustand 2.

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III. Reich Luftschutz ( LS ) Gasschutzanzug 38

Der Gasschutzanzug 38 (LS-Gasschutzanzug Modell 1938) repräsentiert einen wesentlichen Bestandteil der zivilen Luftschutzausrüstung des Dritten Reiches. Diese Schutzkleidung wurde im Rahmen der umfassenden Luftschutzvorbereitungen entwickelt, die nach der Machtübernahme 1933 und insbesondere nach Erlass des Luftschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 intensiviert wurden.

Die Entwicklung solcher Schutzausrüstungen basierte auf den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, in dem Gaskampfstoffe erstmals in großem Umfang eingesetzt wurden. Die nationalsozialistische Führung erwartete, dass zukünftige Kriege auch Gasangriffe auf die Zivilbevölkerung einschließen würden. Das Reichsluftfahrtministerium unter Hermann Göring koordinierte die Entwicklung und Beschaffung von Luftschutzausrüstung für die Zivilbevölkerung.

Der Gasschutzanzug 38 bestand typischerweise aus einem zweiteiligen, gummierten System – Jacke und Hose – das über der normalen Kleidung getragen werden konnte. Die Konstruktion mit Druckknöpfen ermöglichte ein schnelles An- und Ausziehen, was im Ernstfall lebensrettend sein konnte. Die Verwendung von Gummi bot Schutz gegen flüssige Kampfstoffe wie Lost (Senfgas) oder andere Hautgifte, die durch Kontakt wirken.

Die Firma Radium war einer von mehreren zugelassenen Herstellern von Luftschutzausrüstung. Die Produktion solcher Ausrüstung unterlag strengen Qualitätskontrollen und musste den Spezifikationen des Reichsluftschutzbundes entsprechen. Die innenliegenden Markierungen mit Herstellername, Produktionsnummer und Datierung (in diesem Fall "3-38“ für März 1938) ermöglichten die Rückverfolgbarkeit und Qualitätskontrolle. Der Stempel "LS“ kennzeichnete die Ausrüstung eindeutig als Luftschutzgerät.

Der Reichsluftschutzbund (RLB), gegründet 1933, war für die Organisation und Durchführung des zivilen Luftschutzes verantwortlich. Bis 1939 hatte der RLB über 13 Millionen Mitglieder. Die Organisation führte regelmäßige Übungen durch, bei denen auch die Handhabung von Gasschutzausrüstung trainiert wurde. Verschiedene Größen, wie die hier angegebene Größe "1“, ermöglichten eine angemessene Ausstattung unterschiedlicher Körpergrößen.

Der mitgelieferte Kleiderbügel mit dem Stempel der Firma E.T. Peschel Berlin und der Kennzeichnung "RL 1-37 gemäss § 8 Luftschutzgesetz genehmigt“ zeigt die Detailliertheit der Luftschutzvorschriften. Selbst Aufbewahrungszubehör musste genehmigt sein und den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Die sachgemäße Lagerung von Gummiausrüstung war wichtig, um deren Funktionstüchtigkeit zu erhalten, da Gummi bei unsachgemäßer Lagerung spröde werden kann.

§ 8 des Luftschutzgesetzes regelte die Herstellung und den Vertrieb von Luftschutzgeräten. Hersteller mussten eine behördliche Genehmigung einholen, und ihre Produkte wurden regelmäßig überprüft. Dies sollte sicherstellen, dass nur funktionsfähige und den Standards entsprechende Ausrüstung in Umlauf kam.

In der Praxis wurde der Gasschutzanzug 38 primär von Luftschutzpersonal, Sanitätsdiensten, Feuerwehren und anderen Einsatzkräften verwendet. Die allgemeine Bevölkerung war hauptsächlich mit der einfacheren Volksgasmaske ausgestattet. Vollständige Schutzanzüge waren aufgrund der Kosten und der benötigten Gummimenge für eine flächendeckende Ausstattung nicht praktikabel.

Während des Zweiten Weltkrieges kam es tatsächlich zu keinen großflächigen Gaskampfstoffeinsätzen gegen die Zivilbevölkerung in Deutschland, obwohl dies eine der Hauptbefürchtungen war. Die umfangreichen Vorbereitungen und die Ausstattung mit Schutzausrüstung blieben weitgehend präventiv. Dennoch wurde die Schutzausrüstung bei Übungen und im Ernstfall bei anderen Gefahren wie Bränden teilweise eingesetzt.

Heute stellen solche Objekte wichtige Zeitdokumente dar, die die Vorbereitung der Zivilbevölkerung auf den Krieg und die Atmosphäre der 1930er Jahre illustrieren. Sie zeigen die industrielle Organisation des Luftschutzes und die Durchdringung aller Lebensbereiche durch militärische Vorbereitungen im nationalsozialistischen Deutschland.