Preußen Tschapka in Paradeausführung aus dem Nachlass des Rittmeisters von Petersdorff im 3. Garde-Ulanen-Regiment

Standort Potsdam. Eigentumsstück von 1913. Elegante Tschapka aus schwarzem Leder, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der "frostig" versilberte Gardeadler mit dem aufgelegten hochgewölbten Gardestern, vergoldete gewölbte Schuppenketten an Rosetten, rechts die Reichskokarde. Der Vierkant mit der Zitronengelben Paraderabatte. Komplett mit dem Feldzeichen, der Fangschnur und Paradebusch. Innen mit hellem Lederschweißband und feinem hellbeigem Seidenripsfutter. Im Deckel des Vierkants das Etikett des Lieferanten «Ed. Schultze, Inh. Hermann Knöllner Königlicher Hoflieferant Potsdam von Petersdorff Kopfmaß 56 cm geliert am 27.5.11». Mit dem originalen Koffer, im Deckel Etikett der Firma «M. Neumann Berlin ... Officierhelm, Waffen-u.Militär-Effecten-Fabrikant ...».
Nahezu ungetragen absolut neuwertigem Zustand - "in mint condition"!

Der Rittmeister von Petersdorff findet sich in der Rangliste der königlichen preußischen Armee [...] für 1911. Er war Träger des Roter Adler- und Kronen Ordens 4. Klasse, des Waldeckschen Verdienstkreuzes 4. Klasse und des russischen St. Annen-Ordens 3. Klasse.




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Preußen Tschapka in Paradeausführung aus dem Nachlass des Rittmeisters von Petersdorff im 3. Garde-Ulanen-Regiment

Die preußische Tschapka der Gardeulanen repräsentiert eine der charakteristischsten Kopfbedeckungen der kaiserlichen deutschen Kavallerie. Diese besondere Paradeausführung für einen Offizier des 3. Garde-Ulanen-Regiments verkörpert die militärische Pracht und Tradition der preußischen Armee in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg.

Die Tschapka selbst ist eine Kopfbedeckung polnischen Ursprungs aus dem 19. Jahrhundert, die aus einer hohen, vierspitzigen Kappe mit Regimentsabzeichen besteht. Diese Kopfbedeckung entwickelte sich zunächst als eine quadratische Variante des Tschakos. In ihrer frühen, kompakten Form ab 1784 wurde die Tschapka von österreichischen Ulanen eingeführt. Ihre Verwendung verbreitete sich von Osteuropa aus durch die Polnische Legion, die in den Napoleonischen Kriegen für Frankreich kämpfte. Nach dem Vertrag von Tilsit im Jahr 1807 wurden als Ulanen bezeichnete Lanzierregimenter wieder in den preußischen Dienst eingeführt. Zunächst waren es nur drei.

Das 3. Garde-Ulanen-Regiment wurde am 7. Mai 1860 aus Abteilungen des Gardes du Corps, der Garde-Kürassiere und des 1. Garde-Ulanen-Regiments mit einer Stärke von vier Schwadronen gebildet und in Potsdam stationiert. Bis zum 4. Juli 1860 hieß es vereinigtes Garde-Ulanen-Regiment und erhielt dann seine endgültige Bezeichnung als 3. Garde-Ulanen-Regiment. Das Regiment nahm am Deutschen Krieg 1866 teil und kämpfte bei Braunau am 26. Juni 1866, dem Aufklärungsgefecht bei Czerwena-Hora, dem Gefecht bei Soor und der Schlacht bei Königgrätz sowie am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 bei Buzancy, Bar, Carignan, der Schlacht bei Sedan, der Beschießung von Montmédy und der Belagerung von Paris.

Im Jahr 1914 umfasste die kaiserliche deutsche Armee 26 Ulanenregimenter, von denen drei Garderegimenter waren. Alle deutschen Ulanenregimenter trugen Tschapkas und Waffenröcke mit Plastronfront im polnischen Stil, sowohl in farbigen Paradeuniformen als auch in der 1914 eingeführten feldgrauen Dienstuniform. Die Parade-Tschapka wurde von Kavallerieoffizieren dieses elitären Garderegiments für zeremonielle Paradedienste verwendet.

Das vorliegende Exemplar wurde vom Potsdamer Hoflieferanten Ed. Schultze gefertigt, dessen Inhaber Hermann Knöllner war. Das Etikett im Inneren des Vierkantrahmens trägt die Aufschrift "Ed. Schultze, Inh. Hermann Knöllner Königlicher Hoflieferant Potsdam von Petersdorff Kopfmaß 56 cm geliefert am 27.5.11". Die Kopfbedeckung wurde somit am 27. Mai 1911 geliefert, drei Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Zwischen 1860 und 1918 wurden 2300 Hoflieferanten-Titel verliehen, von denen 135 auf die Residenzstadt Potsdam entfielen.

Die charakteristische Form der Tschapka besteht aus einem vierseitigen Oberteil, das der akademischen Barettform ähnelt und für die kastenförmige Kopfbedeckung aller preußischen Ulanenregimenter charakteristisch ist. Der Körper besteht aus gepresstem geschwärztem Leder mit Metallbeschlägen. Die Paraderabatten – die farbigen Besätze – waren für jedes Regiment spezifisch, wurden aber bei Mannschaften mit weißem und bei Offizieren mit silbernem Bouillon besetzt. Die zitronengelbe Farbe des Kragens, der Paraderabatten und der Besätze identifiziert dieses Stück eindeutig als zum 3. Garde-Ulanen-Regiment gehörig, während das 1. Garde-Regiment weiß und das 2. Garde-Regiment rot trug.

Die Vorderseite zeigt den versilberten Gardeadler mit Stern sowie den emaillierten Stern des Schwarzen Adlerordens. Auf der rechten Seite befindet sich die Reichskokarde. Die Tschapka ist komplett mit Feldzeichen, Fangschnur und Paradebusch ausgestattet. Im Inneren befinden sich ein helles Lederschweißband und ein feines hellbeiges Seidenripsfutter. Der originale Aufbewahrungskoffer trägt das Etikett der Berliner Firma M. Neumann, einem Hersteller von Offiziershelmen, Waffen und Militäreffekten.

Im Ersten Weltkrieg 1914/18 war das Regiment der Garde-Kavallerie-Division und der Ostsee-Division unterstellt. Im Jahr 1914 wurden Tschapkas in großer Paradeuniform noch von allen kaiserlich deutschen, österreichisch-ungarischen, britischen, belgischen und russischen Lanzen- (Ulanen-) Regimentern getragen. Belgische, österreichisch-ungarische und deutsche Lanziere trugen ihre Tschapkas während der ersten Kriegswochen im aktiven Dienst, meist mit mattfarbenen oder wasserdichten Überzügen. Nach dem Ende des Krieges wurde das Regiment 1919 demobilisiert und anschließend aufgelöst. Die Tradition wurde in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung Generals der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 von der Ausbildungs-Eskadron des 4. (Preußischen) Reiter-Regiments in Potsdam übernommen. Nach 1918 wurden solche Paradeuniformen zu historischen Artefakten und gelangten in Privatsammlungen.

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