1. Weltkrieg - Originalunterschrift des Pour le Mérite mit Eichenlaub Trägers Generalleutnant Freiherr Oskar von Watter
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Generalleutnant Freiherr Oskar von Watter (1861-1939) war einer der bedeutendsten württembergischen Offiziere des Ersten Weltkriegs und ein Träger des Pour le Mérite mit Eichenlaub, der höchsten preußischen Tapferkeitsauszeichnung.
Das vorliegende signierte Fotoporträt aus dem Jahr 1934 repräsentiert eine wichtige Kategorie militärhistorischer Sammlerstücke: persönlich gewidmete und signierte Fotografien hochrangiger Offiziere der Kaiserzeit. Die Widmung “Zur Erinnerung an unsere wertvolle gemeinsame Arbeit” deutet auf eine persönliche Beziehung zwischen von Watter und dem Empfänger hin, wahrscheinlich im Kontext militärischer oder veteranenorganisatorischer Tätigkeiten der Weimarer Republik.
Der Pour le Mérite wurde 1740 von Friedrich dem Großen gestiftet und war bis 1918 die höchste militärische Auszeichnung Preußens. Das Eichenlaub zum Pour le Mérite, eingeführt 1810, wurde nur für weitere herausragende Leistungen nach bereits erfolgter Verleihung des Ordens verliehen. Von Watter erhielt den Pour le Mérite am 18. August 1916 für seine Verdienste als Kommandeur der 54. Infanterie-Division und das Eichenlaub am 8. November 1916.
Oskar von Watter stammte aus einer württembergischen Adelsfamilie und durchlief eine klassische Militärkarriere in der königlich-württembergischen Armee. Im Ersten Weltkrieg bewährte er sich zunächst als Divisionskommandeur an der Westfront, insbesondere während der Schlacht an der Somme 1916. Später übernahm er das Kommando über das XXIV. Reserve-Korps und ab 1917 über das XIII. Armeekorps. Seine Führungsqualitäten und taktischen Fähigkeiten machten ihn zu einem der angesehensten höheren Offiziere der württembergischen Armee.
Nach Kriegsende spielte von Watter eine kontroverse Rolle während der revolutionären Unruhen 1918/19. Als Befehlshaber der Reichswehr-Brigade 16 war er an der gewaltsamen Niederschlagung der Münchner Räterepublik im Mai 1919 beteiligt. Diese Phase seines Wirkens bleibt historisch umstritten, da die Operationen mit erheblicher Brutalität durchgeführt wurden.
Die Datierung der Signatur auf Dezember 1934 platziert das Dokument in die frühe Phase des nationalsozialistischen Regimes. Zu diesem Zeitpunkt waren viele ehemalige Offiziere der Kaiserzeit in Veteranenorganisationen aktiv und pflegten die Erinnerung an ihre militärische Vergangenheit. Von Watter selbst lebte bis 1939 als pensionierter Generalleutnant.
Sammlerwert und historische Bedeutung solcher signierten Fotografien liegen in mehreren Faktoren begründet: Erstens dokumentieren sie die Fortführung militärischer Netzwerke über den Zusammenbruch der Monarchie hinaus. Zweitens geben persönliche Widmungen Einblick in die Beziehungen zwischen ehemaligen Kameraden. Drittens sind authentische Signaturen von Pour-le-Mérite-Trägern heute selten, da diese Offiziere eine exklusive Gruppe darstellten - insgesamt wurden nur etwa 5.500 Verleihungen des Ordens vorgenommen, davon noch weniger mit Eichenlaub.
Die Verwendung von gedruckten Fotografien mit persönlichen Signaturen war in den 1920er und 1930er Jahren eine verbreitete Praxis unter ehemaligen Offizieren. Sie dienten sowohl der persönlichen Erinnerung als auch der Aufrechterhaltung sozialer und beruflicher Netzwerke. Die Qualität der Tintensignatur und die Formulierung der Widmung lassen auf eine sorgfältig ausgeführte, wertschätzende Geste schließen.
Für Militärhistoriker und Sammler bieten solche Dokumente einen wertvollen Einblick in die Nachkriegszeit der kaiserlichen Offizierskorps. Sie illustrieren, wie die militärische Elite des Kaiserreichs ihre Identität und ihre sozialen Bindungen in der veränderten politischen Landschaft der Weimarer Republik und des frühen Dritten Reichs bewahrte. Die Bezeichnung “Kgl.Württ. Glt.a.D.” (Königlich Württembergischer Generalleutnant außer Dienst) zeigt, dass von Watter auch Jahre nach der Abschaffung der Monarchie an seinen königlich-württembergischen Titeln festhielt - ein typisches Phänomen der konservativen Militärelite dieser Ära.
Das Objekt ist somit nicht nur ein Autograph eines hochdekorierten Offiziers, sondern auch ein zeitgeschichtliches Dokument, das die Kontinuitäten und Brüche deutscher Militärgeschichte zwischen Kaiserreich und NS-Zeit reflektiert.