III. Reich - Tag des Deutschen Handwerks ( T.d.D.H.) Braunschweig 18.-19.11.1933
Das vorliegende Blechabzeichen zum Tag des Deutschen Handwerks in Braunschweig am 18.-19. November 1933 repräsentiert ein frühes Beispiel nationalsozialistischer Propaganda und der systematischen Gleichschaltung des deutschen Handwerksstandes im ersten Jahr der NS-Herrschaft.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 begann umgehend die Reorganisation aller gesellschaftlichen Bereiche nach dem Führerprinzip. Das deutsche Handwerk, traditionell in verschiedenen Innungen und Verbänden organisiert, wurde in diesen Prozess einbezogen. Der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag wurde gleichgeschaltet und unter nationalsozialistische Kontrolle gebracht.
Die Veranstaltung in Braunschweig im November 1933 war von besonderer symbolischer Bedeutung. Braunschweig galt als eine Hochburg der NSDAP und spielte eine wichtige Rolle in der frühen NS-Bewegung. Bereits 1930 hatte die NSDAP hier erstmals an einer Landesregierung teilgenommen, und Adolf Hitler erhielt 1932 durch eine Anstellung im braunschweigischen Staatsdienst die deutsche Staatsbürgerschaft, was Voraussetzung für seine Kandidatur zum Reichspräsidenten war.
Der Tag des Deutschen Handwerks diente mehreren Zwecken: Erstens sollte die Bedeutung des Handwerks in der nationalsozialistischen “Volksgemeinschaft” hervorgehoben werden. Die NS-Ideologie betonte den Wert der “schaffenden Arbeit” und stellte das Handwerk als ehrenwerte, bodenständige Tätigkeit dar, im Gegensatz zum angeblich “raffenden Kapital”. Zweitens bot solch eine Veranstaltung die Möglichkeit zur Mobilisierung und ideologischen Schulung der Handwerker. Drittens demonstrierte sie die Macht und Organisationsfähigkeit des neuen Regimes.
Das Blechabzeichen selbst ist typisch für die Abzeichenkultur der 1930er Jahre. Solche Anstecknadeln wurden bei nahezu allen NS-Veranstaltungen ausgegeben oder verkauft. Sie dienten als Teilnahmenachweis, Erkennungszeichen und nicht zuletzt als Propagandamittel. Das Material Blech war kostengünstig und ermöglichte die Massenproduktion, was bei den zahlreichen Veranstaltungen und der angestrebten Mobilisierung breiter Bevölkerungsschichten notwendig war.
Die Herstellung solcher Abzeichen erfolgte oft durch lokale Metallwarenbetriebe oder spezialisierte Abzeichenhersteller. Die Gestaltung folgte meist bestimmten ikonographischen Mustern: Häufig fanden sich Hakenkreuze, Hoheitsadler, Handwerkssymbole wie Hammer und Amboss oder lokale Wahrzeichen. Die Farbgebung war oft in den “nationalen Farben” Schwarz-Weiß-Rot oder den NS-Farben Rot-Weiß-Schwarz mit Hakenkreuz gehalten.
Im Kontext der Handwerkspolitik des NS-Regimes ist zu beachten, dass das Jahr 1933 den Beginn umfassender Veränderungen markierte. Im September 1933 wurde der Reichsstand des Deutschen Handwerks gegründet, der alle Handwerker zwangsweise organisierte. Diese Zwangsmitgliedschaft war Teil der allgemeinen Gleichschaltungspolitik und sollte die vollständige Kontrolle über den Berufsstand sicherstellen.
Die Veranstaltung im November 1933 fand also in einer Phase intensiver Umgestaltung statt. Solche regionalen “Tage des Handwerks” wurden im ganzen Reich durchgeführt und dienten der Verkündung neuer Richtlinien, der Vorstellung neuer Funktionäre und der Demonstration von Geschlossenheit hinter der neuen Regierung.
Aus sammlerischer und historischer Perspektive sind solche Abzeichen heute wichtige Zeitdokumente. Sie bezeugen die Durchdringung des Alltags mit nationalsozialistischer Symbolik und die Instrumentalisierung von Berufsständen und Traditionen für ideologische Zwecke. Der Erhaltungszustand “2” weist auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, was bei Blechabzeichen, die anfällig für Korrosion und mechanische Beschädigungen sind, bemerkenswert ist.
Die wissenschaftliche Bedeutung solcher Objekte liegt in ihrem Quellenwert für die Erforschung der NS-Alltagsgeschichte, der Propagandamethoden und der sozialen Mobilisierung im Dritten Reich. Sie ergänzen schriftliche Quellen und vermitteln einen unmittelbaren Eindruck von der visuellen Kultur und den Massenveranstaltungen jener Zeit.