NSDAP - 6. Hessentag der NSDAP Gau Kurhessen 28.-30.3.1937 in Kassel
Das vorliegende Abzeichen dokumentiert den 6. Hessentag der NSDAP, der vom 28. bis 30. März 1937 im Gau Kurhessen in der Stadt Kassel stattfand. Solche regionalen Parteitage stellten wichtige Instrumente der nationalsozialistischen Propaganda und Massenmobilisierung dar und dienten der Festigung der Parteiherrschaft auf lokaler und regionaler Ebene.
Der Gau Kurhessen war eine der 43 Verwaltungseinheiten der NSDAP im Deutschen Reich. Diese Gaue wurden als territoriale Organisationsstrukturen der Partei etabliert und spielten eine zentrale Rolle in der nationalsozialistischen Herrschaftsarchitektur. Der Gau Kurhessen umfasste im Wesentlichen das Gebiet des ehemaligen Kurfürstentums Hessen mit dem Zentrum in Kassel. Ab 1934 wurde der Gau von Karl Weinrich als Gauleiter geführt, der diese Position bis 1943 innehatte.
Die sogenannten Hessentage waren jährliche Großveranstaltungen, die mehrere Tage dauerten und verschiedene Elemente kombinierten: Massenaufmärsche, politische Kundgebungen, kulturelle Darbietungen, Sportveranstaltungen und Ausstellungen. Sie dienten der Selbstinszenierung der Partei und sollten die Bevölkerung emotional an das Regime binden. Der sechste Hessentag im März 1937 fand in einer Phase statt, in der das NS-Regime seine Macht bereits weitgehend konsolidiert hatte und zunehmend seine expansionistischen Ziele verfolgte.
Das beschriebene Abzeichen wurde vom Hersteller Bebrit produziert, einer Firma, die sich auf die Herstellung von Kunststoffprodukten spezialisiert hatte. Die Verwendung von Kunststoff für solche Abzeichen war in den 1930er Jahren durchaus üblich und entsprach dem technologischen Fortschritt der Zeit. Kunststoffabzeichen waren kostengünstiger in der Massenfertigung als Metallabzeichen und konnten dennoch farblich ansprechend gestaltet werden. Die Firma Bebrit war einer von vielen Herstellern, die im Auftrag der NSDAP und ihrer Gliederungen Abzeichen, Plaketten und andere Propagandamaterialien produzierten.
Solche Veranstaltungsabzeichen wurden typischerweise an die Teilnehmer der jeweiligen Veranstaltung ausgegeben oder verkauft. Sie dienten mehreren Zwecken: Erstens fungierten sie als Erkennungszeichen für Teilnehmer und dokumentierten die Zugehörigkeit zur nationalsozialistischen Bewegung. Zweitens waren sie Erinnerungsstücke, die die emotionale Bindung an die Veranstaltung und die Partei verstärken sollten. Drittens hatten sie auch eine finanzielle Funktion, da ihr Verkauf Einnahmen für die Partei generierte.
Das Jahr 1937 war innenpolitisch durch die fortschreitende Gleichschaltung aller Lebensbereiche gekennzeichnet. Außenpolitisch bereitete das NS-Regime seine expansionistischen Pläne vor. Die regionalen Parteitage wie der Hessentag dienten auch dazu, die Bevölkerung auf die kommenden Entwicklungen einzuschwören und eine Atmosphäre der nationalen Geschlossenheit zu erzeugen.
Die Stadt Kassel als Austragungsort hatte besondere Bedeutung für den Gau Kurhessen. Als traditionelle Residenzstadt und industrielles Zentrum bot sie die notwendige Infrastruktur für Großveranstaltungen. Die Stadt hatte breite Straßen für Aufmärsche, große Plätze für Kundgebungen und ausreichende Unterkünfte für die Teilnehmer aus dem gesamten Gau.
Die Nadelkonstruktion des Abzeichens ermöglichte es, dieses an der Kleidung zu befestigen, typischerweise am Revers der Jacke. Dies war die Standard-Befestigungsart für solche Veranstaltungsabzeichen und ermöglichte ein einfaches An- und Ablegen.
Aus heutiger Sicht sind solche Abzeichen wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Propagandamaschinerie des NS-Regimes geben. Sie dokumentieren die systematische Organisation von Massenveranstaltungen und die Bedeutung regionaler Strukturen für die nationalsozialistische Herrschaft. Für Historiker und Sammler militärhistorischer Objekte sind sie Zeugnisse einer dunklen Periode der deutschen Geschichte.
Die Aufbewahrung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Objekte dient der historischen Forschung und der Erinnerungskultur. Sie helfen dabei, die Mechanismen totalitärer Herrschaft zu verstehen und mahnen zur Wachsamkeit gegenüber ähnlichen Entwicklungen. In Deutschland unterliegt der Umgang mit NS-Devotionalien strengen rechtlichen Bestimmungen, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung der NS-Diktatur verhindern sollen.