Nationaler Deutscher Automobilclub / Ring der Nationalen Kraftfahrt- und Luftfahrtbewegung - Dokumentengruppe für einen Mann und Ordentliches Mitglied Nr. 955 aus Coburg

Anschreiben zur Aufnahme in den Nationalen Deutschen Automobilclub ( NDA ) und zur Überreichung der Mitgliedskarte Nr. 955, datiert 19.6.1930 und mit sehr schöner Tintensignatur " Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha "; Verleihungsurkunde für die Verwaltungs-Anerkennung in Bronze, ausgestellt am 15.7.1931 mit sehr schöner Tintensignatur " Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha "; Verleihungsurkunde für den Sportadler in Silber, ausgestellt in Potsdam am 19.7.1933 mit sehr schöner Tintensignatur " Carl Eduard "; Verleihungsurkunde für die Verwaltungs-Anerkennung in Silber, ausgestellt in Potsdam am 19.7.1933 mit sehr schöner Tintensignatur " Carl Eduard "; Verleihungsurkunde für den Sportkranz in Silber, ausgestellt in Potsdam am 30.11.1933 mit sehr schöner Tintensignatur " Carl Eduard ". Die Dokumente sind zweimal gefaltet, teilweise gelocht und haben leichte Gebrauchsspuren.
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Nationaler Deutscher Automobilclub / Ring der Nationalen Kraftfahrt- und Luftfahrtbewegung - Dokumentengruppe für einen Mann und Ordentliches Mitglied Nr. 955 aus Coburg

Die vorliegende Dokumentengruppe gewährt einen faszinierenden Einblick in die frühe deutsche Automobilgeschichte und die nationalsozialistische Kraftfahrtbewegung der frühen 1930er Jahre. Sie dokumentiert die Mitgliedschaft und den sportlichen Werdegang eines Mannes aus Coburg im Nationalen Deutschen Automobilclub (NDA) und später im Ring der Nationalen Kraftfahrt- und Luftfahrtbewegung, beide unter der Schirmherrschaft von Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha.

Der Nationale Deutsche Automobilclub wurde in der Zeit der Weimarer Republik gegründet und repräsentierte von Beginn an eine nationalkonservative Alternative zu den etablierten Automobilclubs. Die Organisation verfolgte das Ziel, die deutsche Kraftfahrtbewegung unter nationalen Gesichtspunkten zu fördern und zu organisieren. Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, der letzte regierende Herzog des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha, stand dieser Organisation als Präsident vor. Der Herzog, ein Enkel der britischen Königin Victoria, hatte nach dem Ersten Weltkrieg seine britischen Titel verloren und entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einem frühen Unterstützer der nationalsozialistischen Bewegung.

Das früheste Dokument der Sammlung datiert vom 19. Juni 1930 und bestätigt die Aufnahme als ordentliches Mitglied mit der niedrigen Nummer 955, was auf eine frühe Mitgliedschaft in dieser exklusiven Organisation hinweist. Die persönliche Tintensignatur des Herzogs auf diesem Aufnahmeschreiben unterstreicht die elitäre Natur des Clubs und die direkte Verbindung zwischen Führung und Mitgliedern.

Die Verwaltungs-Anerkennung in Bronze, verliehen am 15. Juli 1931, war eine Auszeichnung für administrative oder organisatorische Verdienste innerhalb des Clubs. Sie belohnte Mitglieder, die sich durch ehrenamtliche Arbeit, Organisation von Veranstaltungen oder andere nicht-sportliche Beiträge zur Förderung der deutschen Kraftfahrtbewegung hervorgetan hatten. Diese Auszeichnung zeigt, dass der Empfänger bereits ein Jahr nach seinem Beitritt aktiv in die Vereinsarbeit eingebunden war.

Das Jahr 1933 markierte einen bedeutenden Wendepunkt, sowohl politisch durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten als auch für die deutsche Kraftfahrtorganisation. Der NDA wurde in den Ring der Nationalen Kraftfahrt- und Luftfahrtbewegung umgewandelt, der wiederum Teil des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) wurde. Die drei Urkunden aus dem Jahr 1933, alle ausgestellt in Potsdam und signiert mit der verkürzten Form “Carl Eduard”, dokumentieren diese Übergangsphase.

Der Sportadler in Silber, verliehen am 19. Juli 1933, war eine bedeutende sportliche Auszeichnung innerhalb der nationalsozialistischen Kraftfahrtbewegung. Diese Ehrung wurde für herausragende Leistungen in motorsportlichen Disziplinen vergeben, sei es bei Zuverlässigkeitsfahrten, Geschwindigkeitsrennen oder anderen kraftfahrttechnischen Wettbewerben. Die silberne Stufe deutet auf wiederholte oder besonders bemerkenswerte Erfolge hin.

Am selben Tag erhielt der Empfänger auch die Verwaltungs-Anerkennung in Silber, die zweite Stufe dieser administrativen Auszeichnung. Dies belegt eine kontinuierliche und intensivierte Tätigkeit im organisatorischen Bereich der Bewegung über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Der Sportkranz in Silber, ausgestellt am 30. November 1933, stellte eine weitere sportliche Ehrung dar und rundete die Dokumentengruppe ab. Diese Auszeichnung wurde typischerweise für Gesamtleistungen im motorsportlichen Bereich oder für die erfolgreiche Teilnahme an mehreren Wettbewerben verliehen.

Die geografische Verlagerung der Ausstellungsorte von Coburg nach Potsdam im Jahr 1933 spiegelt die Zentralisierung der nationalsozialistischen Organisationen wider. Potsdam, in unmittelbarer Nähe zu Berlin gelegen, wurde zum administrativen Zentrum vieler NS-Organisationen.

Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha spielte eine bedeutende Rolle in der Frühphase des Nationalsozialismus. Er trat bereits 1933 in die SA ein und erreichte dort den Rang eines Obergruppenführers. Seine prominente Stellung in der Kraftfahrtbewegung nutzte das Regime geschickt zur Legitimation und zur Anwerbung von Mitgliedern aus bürgerlichen und adeligen Kreisen.

Die physische Beschaffenheit der Dokumente - zweifach gefaltet, teilweise gelocht mit leichten Gebrauchsspuren - deutet darauf hin, dass sie vom Empfänger aufbewahrt und möglicherweise bei Veranstaltungen oder Kontrollen vorgezeigt wurden. Dies war in der streng hierarchisch organisierten NS-Zeit durchaus üblich, da solche Dokumente Status und Zugehörigkeit dokumentierten.

Diese Dokumentengruppe ist nicht nur aus automobilhistorischer Sicht bedeutsam, sondern auch als Zeitzeugnis der Transformation bürgerlicher Vereinsstrukturen in nationalsozialistische Massenorganisationen zwischen 1930 und 1933. Sie dokumentiert den individuellen Werdegang eines engagierten Mitglieds in einer Ära, in der Sport und Politik zunehmend miteinander verschmolzen.

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