SS-Porzellanmanufaktur Allach Moriskentänzer "Prophet"
Die fünfteilige Serie wurde exklusiv für die Stadt München gefertigt und war nicht für den Verkauf bestimmt.
Die Porzellanfigur des Moriskentänzers "Prophet" repräsentiert ein faszinierendes, wenn auch zutiefst problematisches Kapitel der deutschen Kunstgeschichte während der NS-Zeit. Diese Figur war die zweite aus einer fünfteiligen Serie von Moriskentänzern, die von Richard Förster im Jahre 1940 entworfen wurde und bei der Porzellan-Manufaktur Allach produziert wurde.
Die Porzellan-Manufaktur Allach (PMA) wurde 1935 im Münchener Vorort Allach gegründet. Die Geschichte dieser Manufaktur ist untrennbar mit der SS und dem nationalsozialistischen Regime verbunden. Im Jahr 1936 wurde die Fabrik von der SS übernommen, und 1937 verlegte man die Hauptproduktionsstätte zum SS-Schulungs- und Ausbildungslager, das direkt an das Konzentrationslager Dachau angrenzte. Ab 1939 wurde der Betrieb von der SS mit Zwangsarbeitern aus dem Konzentrationslager Dachau geführt, und ab 1940 wurden auch jüdische Häftlinge zur Arbeit in der Fabrik gezwungen.
Heinrich Himmler, der Reichsführer-SS, der für seine Besessenheit mit arischer Mystik bekannt war, sah in der Übernahme einer Porzellanmanufaktur die Möglichkeit zur Produktion von Kunstwerken, die in seinen Augen repräsentativ für die germanische Kultur sein sollten. Die Allach-Porzellanmanufaktur war eines von Himmlers Lieblingsprojekten. Sein persönliches Büro investierte 45.000 Reichsmark in die Fabrik, wodurch er schließlich die Kontrolle über 45 Prozent ihrer Produktion erhielt. Zwischen 1935 und 1945 produzierte die Manufaktur insgesamt über 240 verschiedene Keramik- und Porzellanmodelle.
Die Moriskentänzer-Serie basierte auf den originalen Figuren, die Erasmus Grasser im Jahre 1480 geschaffen hatte. Von den ursprünglich 16 Holzskulpturen, die den Tanzsaal im alten Rathaus von München zierten, sind heute noch zehn erhalten und werden im Stadtmuseum München ausgestellt. Die Allach-Serie bestand aus fünf Figuren: "Mohr", "Prophet", "Burgunder", "Der Gezaddelte" und "Bauer". Die erste Figur, der "Mohr", wurde 1939 von Richard Förster entworfen, während der "Prophet" als zweite Figur 1940 folgte.
Diese Moriskentänzer-Figuren wurden exklusiv für die Stadt München in Auftrag gegeben und waren nicht für den freien Verkauf bestimmt. Sie dienten als Geschenke für höherrangige Personen aus Politik und Staatsbesucher oder wurden zu besonderen Anlässen überreicht. Von der Figur "Prophet" wurden im Jahr 1940 insgesamt 540 Modelle hergestellt. Da die fünf Morisken ausschließlich für die Stadt München gefertigt wurden und die Porzellanmanufaktur Allach die öffentliche Nachfrage nicht befriedigen konnte, beauftragte man Richard Förster mit dem Entwurf ähnlicher Figuren, was zur Entstehung der Gaukler-Serie führte.
Zu den Künstlern, die für die Allach-Manufaktur arbeiteten, gehörten neben Richard Förster auch Prof. Benno von Arent, Karl Diebitsch, Prof. Theodor Kärner, Prof. Wilhelm Krieger, Franz Nagy Sr., Wilhelm Neuhäuser, Ottmar Obermaier, Adolf Röhring und Prof. Willy Zügel.
Mit dem Fall Nazi-Deutschlands im Jahr 1945 endete die Produktion der Allach-Porzellanmanufaktur abrupt. Die Fabrik in Dachau blieb bis Ende April 1945 in Betrieb. Am 29. April befreiten US-Truppen über 32.000 Menschen aus dem Konzentrationslager Dachau. Nach Kriegsende wurde die Fabrik aufgegeben, und ihre Formen wurden von den alliierten Streitkräften zerstört oder beschlagnahmt.
Heute sind Allach-Stücke selten und umstritten. Sammler und Historiker debattieren über ihre ethischen Implikationen, da diese Objekte einerseits kunsthandwerkliche Zeugnisse darstellen, andererseits aber untrennbar mit Zwangsarbeit, dem Holocaust und dem verbrecherischen NS-Regime verbunden sind. Die Moriskentänzer-Figuren bleiben somit problematische Artefakte einer dunklen Epoche deutscher Geschichte.