Elastolin - 1. Weltkrieg verwundeter Soldat Franzose, sitzend
Elastolin-Figuren des Ersten Weltkriegs: Der verwundete französische Soldat
Die vorliegende Elastolin-Figur eines sitzenden, verwundeten französischen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der deutschen Spielzeuggeschichte und dokumentiert zugleich die düsteren Realitäten des Großen Krieges von 1914 bis 1918. Mit einer Höhe von 10 cm entspricht diese Figur den typischen Maßstäben der Hausser-Elastolin-Produktion, die das Spielzeuggeschehen in Deutschland zwischen den 1920er und 1950er Jahren maßgeblich prägte.
Die Firma O. & M. Hausser wurde 1904 in Ludwigsburg gegründet und entwickelte um 1910 das revolutionäre Material Elastolin, eine Masse aus Kasein, Kreide, Glycerin und anderen Bestandteilen, die sich ideal zur Herstellung von Spielzeugsoldaten eignete. Im Gegensatz zu den zuvor dominierenden Bleifiguren bot Elastolin entscheidende Vorteile: Das Material war ungiftig, leichter und ermöglichte feinere Details bei der Ausarbeitung von Uniformen und Ausrüstungsgegenständen.
Die Darstellung eines verwundeten französischen Soldaten in sitzender Position ist von besonderer historischer Bedeutung. Sie spiegelt die brutale Realität des Ersten Weltkriegs wider, in dem Millionen von Soldaten verwundet wurden. Die französische Armee erlitt während des Krieges etwa 4,2 Millionen Verwundete bei einer Gesamtzahl von über 6 Millionen Verlusten. Die typische französische Uniform des Ersten Weltkriegs durchlief bedeutende Veränderungen: Zu Kriegsbeginn trugen französische Soldaten noch die auffällige rot-blaue Uniform mit der charakteristischen roten Hose und dem blauen Waffenrock. Diese farbenfrohe, aus dem 19. Jahrhundert stammende Uniform erwies sich jedoch als verhängnisvoll im modernen Maschinengewehrfeuer.
Ab 1915 wurde die französische Armee schrittweise mit der praktischeren “bleu horizon”-Uniform ausgestattet, einer hellblauen Uniformfarbe, die bessere Tarnung bot. Der charakteristische Adrian-Stahlhelm, eingeführt 1915, wurde zum Erkennungszeichen der französischen Truppen und war der erste moderne Stahlhelm, der in großem Maßstab eingesetzt wurde.
Die Produktion von Militärspielzeug bei Hausser-Elastolin erreichte in der Zwischenkriegszeit ihren Höhepunkt. Die detailgetreuen Figuren wurden nicht nur als Kinderspielzeug, sondern auch als Sammlerobjekte geschätzt. Die Darstellung verwundeter Soldaten war dabei keineswegs ungewöhnlich – sie gehörte zur realistischen Abbildung militärischer Szenarien und diente möglicherweise auch der Verarbeitung der kollektiven Kriegserfahrung der deutschen Gesellschaft.
Die Qualitätsstufe 2 bei Sammlerobjekten bezeichnet üblicherweise einen guten bis sehr guten Erhaltungszustand mit minimalen Gebrauchsspuren. Bei Elastolin-Figuren können dies leichte Farbabsplitterungen, minimale Beschädigungen oder altersbedingte Patina sein. Der Erhaltungszustand ist für Sammler von entscheidender Bedeutung, da gut erhaltene Exemplare aus der Zwischenkriegszeit oder früher heute selten geworden sind.
Die historische Bedeutung solcher Figuren reicht über ihren Spielzeugcharakter hinaus. Sie dokumentieren die Erinnerungskultur der Nachkriegszeit und zeigen, wie militärische Konflikte in der Populärkultur verarbeitet wurden. Die Tatsache, dass auch verwundete Soldaten dargestellt wurden, zeugt von einem gewissen Realismus in der Darstellung, der die Schrecken des Krieges nicht vollständig ausblendete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Hausser die Produktion von Elastolin-Figuren bis in die 1980er Jahre fort, wobei das Unternehmen 1984 endgültig geschlossen wurde. Heute sind originale Elastolin-Figuren, insbesondere solche aus dem Ersten Weltkrieg-Themenbereich, begehrte Sammlerstücke, die sowohl militärhistorisch als auch spielzeuggeschichtlich von Bedeutung sind. Sie bieten Einblicke in die materielle Kultur des 20. Jahrhunderts und die Art und Weise, wie Kriegserfahrungen in Konsumgüter übersetzt wurden.