III. Reich - nichttragbare Erinnerungsplakette - " Den Fahrern der 3 Tage Mittelgebirgsfahrt 1936 - J.Wagner Oberpräsident "
Die vorliegende Erinnerungsplakette stellt ein faszinierendes Zeugnis der nationalsozialistischen Sportförderung und Propagandakultur der 1930er Jahre dar. Diese farbig glasierte Porzellanplakette wurde anlässlich der 3-Tage-Mittelgebirgsfahrt 1936 als Auszeichnung für die Teilnehmer verliehen und trägt die Widmung des Oberpräsidenten J. Wagner.
Die Mittelgebirgsfahrten waren motorsportliche Veranstaltungen, die im Deutschen Reich der 1930er Jahre eine besondere Bedeutung erlangten. Diese mehrtägigen Zuverlässigkeitsfahrten durch die deutschen Mittelgebirge dienten nicht nur sportlichen Zwecken, sondern waren integraler Bestandteil der nationalsozialistischen Förderung der Automobilindustrie und des Motorsports. Das Jahr 1936 war von besonderer Bedeutung, da Deutschland in diesem Jahr die Olympischen Spiele in Berlin ausrichtete und das Regime seine vermeintliche Überlegenheit in allen technischen und sportlichen Bereichen demonstrieren wollte.
Josef Wagner, der als Oberpräsident auf der Plakette genannt wird, war eine wichtige Figur in der NSDAP-Hierarchie. Er diente als Gauleiter und Oberpräsident verschiedener Provinzen und war maßgeblich an der Organisation regionaler Veranstaltungen beteiligt. Die Tatsache, dass ein hochrangiger Parteifunktionär solche Erinnerungsstücke vergab, unterstreicht die politische Bedeutung, die motorsportlichen Veranstaltungen im Dritten Reich beigemessen wurde.
Die Plakette wurde von der Firma Phönix Glas hergestellt, mit einem Entwurf von W. Mehlhose aus Penzig in der Oberlausitz. Penzig, heute Pieńsk in Polen, war ein bedeutender Standort für Glas- und Porzellanmanufakturen. Die Verwendung von hochwertigem Porzellan für solche Erinnerungsstücke war typisch für die Zeit und spiegelte den Anspruch wider, dauerhafte und ästhetisch ansprechende Auszeichnungen zu schaffen.
Die Maße von 67 x 87 mm machen deutlich, dass es sich um eine nichttragbare Plakette handelte, also ein Erinnerungsstück, das zur Aufbewahrung oder Ausstellung gedacht war, nicht zum Tragen an der Uniform. Solche Plaketten wurden häufig in repräsentativen Räumen oder persönlichen Sammlungen aufbewahrt und dienten als Statussymbol und Beweis der sportlichen Leistung.
Die farbige Glasur war ein aufwendiges Herstellungsverfahren, das mehrere Brennvorgänge erforderte und die Plaketten zu hochwertigen Kunsthandwerksobjekten machte. Die Technik ermöglichte leuchtende Farben und dauerhafte Oberflächengestaltung, die auch nach Jahrzehnten ihre Qualität behielten.
Im Kontext der nationalsozialistischen Motorsportförderung waren solche Veranstaltungen Teil der umfassenden Strategie zur Mobilisierung der Bevölkerung und zur Demonstration technischer Überlegenheit. Die NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps) spielte bei der Organisation solcher Veranstaltungen eine zentrale Rolle. Diese paramilitärische Organisation förderte nicht nur den Motorsport, sondern diente auch der vormilitärischen Ausbildung und der Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie.
Erinnerungsplaketten wie diese dokumentieren heute nicht nur die sportgeschichtliche Entwicklung, sondern auch die Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche durch die NS-Propaganda. Sie sind wichtige historische Quellen für die Erforschung der Alltagskultur im Dritten Reich und zeigen, wie Sport und Technik für politische Zwecke instrumentalisiert wurden.
Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wertvolle Einblicke in die materielle Kultur der Zeit. Die Erhaltung in Zustand 2 (was üblicherweise einen gut erhaltenen Zustand mit geringen Gebrauchsspuren bedeutet) macht dieses Exemplar besonders wertvoll für die historische Dokumentation.