Schweiz Feldflasche
Die Schweizer Feldflasche aus Aluminium repräsentiert einen bedeutenden Bestandteil der persönlichen Ausrüstung der Schweizer Armee während des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das vorliegende Exemplar mit der Herstellermarkierung “MZ40” auf der Flasche und “AG 1941” auf dem Becher stammt aus einer kritischen Phase der schweizerischen Militärgeschichte, als die Eidgenossenschaft ihre Streitkräfte angesichts der europäischen Kriegsbedrohung massiv mobilisierte.
Die Einführung von Aluminiumfeldflaschen in der Schweizer Armee markierte einen wichtigen technologischen Fortschritt gegenüber den älteren, schwereren Modellen aus Stahl oder emailliertem Metall. Aluminium bot entscheidende Vorteile: Es war deutlich leichter, korrosionsbeständiger und beeinflusste den Geschmack des Wassers weniger stark. Diese Eigenschaften waren besonders wichtig für Soldaten, die in den alpinen Regionen der Schweiz operieren mussten, wo jedes zusätzliche Gramm Ausrüstungsgewicht eine Belastung darstellte.
Die Jahresmarkierung 1940 auf der Flasche fällt in eine Zeit intensiver militärischer Vorbereitung. Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 und dem Beginn des Westfeldzugs im Mai 1940 befand sich die Schweiz in einer prekären Situation, vollständig von Achsenmächten umgeben. General Henri Guisan, der am 30. August 1939 zum General der Schweizer Armee gewählt wurde, leitete umfangreiche Mobilisierungsmaßnahmen ein. Auf dem Höhepunkt der Mobilisierung standen bis zu 430.000 Mann unter Waffen, was für die kleine Nation eine enorme Leistung darstellte.
Die Herstellermarkierung “MZ” bezieht sich wahrscheinlich auf einen der zahlreichen schweizerischen Zulieferbetriebe, die während dieser Zeit mit der Produktion von Militärausrüstung beauftragt wurden. Die schweizerische Rüstungsindustrie musste in den frühen 1940er Jahren ihre Produktionskapazitäten erheblich ausweiten, um die Bedürfnisse der mobilisierten Armee zu decken. Dies führte zur Einbindung zahlreicher kleinerer und mittlerer Betriebe in die Militärproduktion.
Das Kennzeichen “AG 1941” auf dem Becher deutet auf eine Produktion im Folgejahr hin, möglicherweise als Ersatz- oder Ergänzungsteil. Die Abkürzung “AG” könnte für eine Aktiengesellschaft stehen, die als Zulieferer tätig war. Es war durchaus üblich, dass Feldflaschen und ihre Becher von verschiedenen Herstellern stammten oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausgegeben wurden.
Die Konstruktion der schweizerischen Feldflasche folgte einem bewährten Design: Eine flache, ovale oder nierenförmige Form, die sich gut am Körper tragen ließ, mit einem Schraubverschluss und einem abnehmbaren Trinkbecher, der gleichzeitig als Schutzkappe diente. Die Flasche wurde typischerweise in einem Filz- oder Stoffbezug getragen, der sowohl als Isolierung diente als auch das Aluminium vor Beschädigungen schützte. Die Tragevorrichtung ermöglichte das Anbringen am Brotbeutel oder an der Ausrüstung mittels eines Trageriemens.
Die Bedeutung der Feldflasche im militärischen Kontext kann kaum überschätzt werden. Sauberes Trinkwasser war und ist eine fundamentale Notwendigkeit für die Kampfkraft einer Armee. Die Schweizer Soldaten, die oft in abgelegenen Alpenstellungen Dienst taten, waren auf ihre persönliche Wasserversorgung angewiesen. Die Feldflasche gehörte zur persönlichen Grundausrüstung jedes Soldaten und wurde streng kontrolliert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb die Schweizer Armee im Rahmen der bewaffneten Neutralität weiterhin mobilisierungsbereit. Die Ausrüstungsgegenstände aus der Zeit von 1939 bis 1945 blieben noch viele Jahre im Dienst. Erst in den 1960er und 1970er Jahren wurden diese älteren Modelle schrittweise durch modernere Kunststoffvarianten ersetzt.
Heute sind solche historischen Feldflaschen gesuchte Sammlerstücke, die einen authentischen Einblick in die materielle Kultur der Schweizer Armee während einer der kritischsten Perioden ihrer Geschichte bieten. Der gute Erhaltungszustand vieler dieser Objekte zeugt von der Qualität der schweizerischen Fertigung und der sorgfältigen Pflege durch die Soldaten. Die Herstellermarkierungen ermöglichen es Historikern und Sammlern, die Produktionsgeschichte nachzuvollziehen und die verschiedenen Zulieferer zu identifizieren, die zur schweizerischen Verteidigungsanstrengung beitrugen.