Wehrpaß und Urkunden für einen späteren Leutnant der Reserve zuletzt bei der Sturmgeschütz Erst.und Ausbildungs Abteilung 400

Wehrpaß ausgestellt als Zweitschrift in Kassel am 6.06.1944, mit Foto, Einheiten : Stab III nI.R. 163, 10./I.R.163, 1. Inf.Rgt..692, Inf.erst.Btl.471, Sturmgeschütz Erst.Abt.200, Sturm.Gesch.Abt.277, Stabsbattr.Sturm.Gesch.Brig.277, Sturmgesch.Ers.u.Ausb.Abt.400. Auszeichnungen : Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, Eisernes Kreuz II.Klasse 1939, Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern,  Verwundetenabzeichen in Schwarz, Infanterie Sturmabzeichen in Silber, verwundeten Abzeichen in Silber. Mit eingetragenen Schlachten, Frankreichfeldzug, ab 1941 in der Sowjetunion im Raum Smolensk, Bryansk, Abwehrschlacht vor Moskau und später Orel, zuletzt Brückenkopf bei Nikopol. Anbei noch einige Urkunden: Besitzzeugnis zum Infanterie Sturmabzeichen in Silber, ausgestellt am 12.12.1942, Verleihungsurkunde zum Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern, ausgestellt 1.09.1944, Verleihungsurkunde zur Ostmedaille 1941/42, ausgestellt 27.5.1942, Besitzzeugnis zum Verwundetenabzeichen in Silber, für seine dreimalige Verwundung vom 10.02.1942, ausgestellt am 9.8.1944, Verleihungsurkunde zur Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, ausgestellt am 28.10.1939. Alle Urkunden sind mittig einmal gefaltet.
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Wehrpaß und Urkunden für einen späteren Leutnant der Reserve zuletzt bei der Sturmgeschütz Erst.und Ausbildungs Abteilung 400

Dieser Wehrpass und die dazugehörigen Urkunden dokumentieren den militärischen Werdegang eines deutschen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs, der schließlich den Rang eines Leutnants der Reserve erreichte. Das Konvolut bietet einen tiefen Einblick in die Karriere eines Angehörigen der Wehrmacht, der in verschiedenen Einheiten diente und an mehreren bedeutenden Kampfhandlungen an der Ostfront teilnahm.

Der Wehrpass wurde als Zweitschrift am 6. Juni 1944 in Kassel ausgestellt. Solche Zweitausfertigungen waren notwendig, wenn das Original verloren gegangen oder zerstört worden war – eine häufige Situation im Kriegschaos. Der Wehrpass war das zentrale militärische Identitätsdokument jedes deutschen Soldaten und enthielt detaillierte Informationen über militärische Laufbahn, Einheiten, Ausbildungen, Beförderungen, Verwundungen und verliehene Auszeichnungen.

Die militärische Laufbahn des Soldaten begann bei traditionellen Infanterieeinheiten, einschließlich des Stab III des Infanterie-Regiments 163 und der 10. Kompanie des I.R. 163. Er diente später beim Infanterie-Regiment 692 und dem Infanterie-Ersatz-Bataillon 471. Ein bedeutender Wendepunkt in seiner Karriere war der Übergang zu den Sturmgeschütz-Einheiten, wo er bei der Sturmgeschütz-Ersatz-Abteilung 200, der Sturmgeschütz-Abteilung 277, der Stabsbatterie der Sturmgeschütz-Brigade 277 und schließlich bei der Sturmgeschütz-Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung 400 diente.

Die Sturmgeschütze waren gepanzerte Selbstfahrlafetten, die ursprünglich zur direkten Infanterieunterstützung konzipiert wurden, aber zunehmend auch als Panzerjäger eingesetzt wurden. Diese Waffe entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten deutschen Kampffahrzeuge des Krieges. Die Ausbildungs- und Ersatzabteilungen waren für die Schulung neuer Besatzungen und die Bereitstellung von Ersatzpersonal für Fronteinheiten verantwortlich.

Die Auszeichnungen des Soldaten spiegeln intensive Kampferfahrung wider. Die Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, verliehen am 28. Oktober 1939, wurde für die Teilnahme an der Annexion des Sudetenlandes vergeben. Das Eiserne Kreuz II. Klasse war eine der bekanntesten deutschen Tapferkeitsauszeichnungen. Das Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern, verliehen am 1. September 1944, wurde für Verdienste im unmittelbaren Kampfgebiet vergeben.

Das Infanterie-Sturmabzeichen in Silber, verliehen am 12. Dezember 1942, erforderte die Teilnahme an mindestens drei Infanterieangriffen an verschiedenen Tagen. Das Verwundetenabzeichen existierte in verschiedenen Stufen: Schwarz für ein oder zwei Verwundungen, Silber für drei oder vier Verwundungen. Der Soldat erhielt das silberne Abzeichen am 9. August 1944 für seine dreimalige Verwundung, wobei eine davon am 10. Februar 1942 datiert ist. Die Ostmedaille 1941/42, verliehen am 27. Mai 1942, wurde an alle Teilnehmer des ersten Winterfeldzugs in der Sowjetunion vergeben.

Der dokumentierte Fronteinsatz ist bemerkenswert. Der Soldat nahm am Frankreichfeldzug 1940 teil, bevor er 1941 an der Operation Barbarossa, dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, beteiligt war. Seine Einheit kämpfte im Raum Smolensk und Brjansk, zwei Schauplätze großer Kesselschlachten im Sommer und Herbst 1941. Er erlebte die Abwehrschlacht vor Moskau im Winter 1941/42 – eine der härtesten Perioden des Krieges, in der die deutsche Wehrmacht ihre erste große strategische Niederlage erlitt.

Später kämpfte er bei Orel, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, der im Zusammenhang mit der Schlacht um Kursk im Sommer 1943 umkämpft war. Sein letzter dokumentierter Einsatzort war der Brückenkopf bei Nikopol am Dnjepr in der Ukraine, der von Oktober 1943 bis Februar 1944 heftig umkämpft war, bevor deutsche Truppen sich zurückziehen mussten.

Die beigefügten Urkunden sind typisch für die Wehrmacht-Dokumentation. Jede Auszeichnung wurde durch eine offizielle Verleihungsurkunde oder ein Besitzzeugnis dokumentiert. Diese Dokumente waren oft künstlerisch gestaltet mit militärischen Symbolen wie Eichenlaub, Eisernen Kreuzen und Adlern. Die mittigen Faltungen der Urkunden sind charakteristisch – sie wurden so gefaltet, um sie in der Brusttasche oder im Wehrpass zu tragen.

Dieses Dokumentenkonvolut ist ein bedeutendes zeithistorisches Zeugnis, das die Erfahrungen eines einzelnen Soldaten in einem der verheerendsten Konflikte der Menschheitsgeschichte dokumentiert. Es illustriert die Mobilität und Flexibilität der Wehrmacht-Einheiten, die ständige Umgruppierungen und Versetzungen erforderten, sowie die harten Realitäten des Ostfeldzugs mit wiederholten Verwundungen und intensiven Kämpfen über mehrere Jahre.

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