III. Reich - Kyffhäuserbund - tragbares Teilnehmerabzeichen " Saarkameraden nach Pommern-Grenzmark "
Das vorliegende Abzeichen des Kyffhäuserbundes mit der Aufschrift "Saarkameraden nach Pommern-Grenzmark" stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der komplexen Bevölkerungspolitik und Veteranenorganisation im Dritten Reich dar. Dieses tragbare Teilnehmerabzeichen aus gelb lackiertem Eisenblech mit der eingeschlagenen Teilnehmernummer 62 dokumentiert eine spezifische Umsiedlungsaktion, die im Kontext der nationalsozialistischen Raumordnungspolitik der späten 1930er Jahre stattfand.
Der Kyffhäuserbund, offiziell als "Kyffhäuserbund der Deutschen Landes-Kriegerverbände" bekannt, war die größte Veteranenorganisation in Deutschland. Gegründet 1900, erlebte der Bund nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 eine grundlegende Umstrukturierung. Im Zuge der Gleichschaltung wurde der Kyffhäuserbund 1933/34 in die NS-Organisationsstruktur eingegliedert und diente fortan als Sammelbecken ehemaliger Soldaten des Ersten Weltkrieges unter nationalsozialistischer Kontrolle.
Die Saarabstimmung vom 13. Januar 1935 bildete den historischen Hintergrund für die auf dem Abzeichen erwähnte Gruppe der "Saarkameraden". Nach dem Ersten Weltkrieg war das Saargebiet durch den Versailler Vertrag für 15 Jahre unter Völkerbundverwaltung gestellt worden. Die Volksabstimmung von 1935 ergab mit über 90 Prozent eine deutliche Mehrheit für die Rückgliederung an das Deutsche Reich. Dieses Ergebnis wurde von der NS-Propaganda als großer außenpolitischer Erfolg gefeiert und intensiv propagandistisch ausgeschlachtet.
Nach der Rückgliederung des Saargebiets entstanden jedoch spezifische soziale und wirtschaftliche Herausforderungen. Nicht alle Bewohner fanden in der veränderten wirtschaftlichen Situation ihre Existenzgrundlage, und die NS-Regierung sah sich veranlasst, Umsiedlungsprogramme zu organisieren. Die Pommern-Grenzmark, das östliche Grenzgebiet des Deutschen Reiches, war ein strategisch wichtiges Gebiet, das im Rahmen der nationalsozialistischen "Ostpolitik" besondere Bedeutung erhielt. Die Region sollte durch deutsche Siedler gestärkt und gegen polnische Einflüsse "gefestigt" werden.
Das vorliegende Abzeichen dokumentiert somit eine organisierte Umsiedlung von Saarländern, vermutlich Veteranen und ihren Familien, in die östlichen Grenzgebiete. Der Kyffhäuserbund spielte bei solchen Aktionen eine wichtige Rolle, da er als Organisation zur Betreuung und Mobilisierung ehemaliger Soldaten diente. Die Umsiedler wurden als "Kameraden" bezeichnet, was die militärische und kameradschaftliche Tradition der Organisation unterstreicht.
Die technische Ausführung des Abzeichens – aus Eisenblech mit gelber Lackierung – entspricht der für die Zeit typischen einfachen und kostengünstigen Herstellung von Veranstaltungs- und Teilnehmerabzeichen. Die eingeschlagene Nummer 62 deutet auf eine begrenzte Teilnehmerzahl hin und ermöglichte die individuelle Zuordnung des Trägers. Solche nummerierten Abzeichen wurden bei verschiedenen Anlässen ausgegeben, von Veteranentreffen über Umsiedlungsaktionen bis hin zu politischen Veranstaltungen.
Im größeren historischen Kontext steht dieses Abzeichen exemplarisch für die NS-Politik der inneren Kolonisation und Bevölkerungsverschiebung. Diese Politik sollte einerseits soziale Probleme lösen, andererseits aber auch die "Germanisierung" der östlichen Grenzgebiete vorantreiben. Veteranenorganisationen wie der Kyffhäuserbund wurden dabei als Instrumente zur Organisation und ideologischen Begleitung solcher Maßnahmen eingesetzt.
Die Bedeutung solcher Abzeichen liegt heute vor allem in ihrem dokumentarischen Wert. Sie sind materielle Zeugnisse von Bevölkerungsbewegungen, politischen Programmen und der Organisation des gesellschaftlichen Lebens im Dritten Reich. Für die historische Forschung bieten sie Einblicke in Aspekte der NS-Politik, die oft weniger bekannt sind als die großen militärischen und politischen Ereignisse. Die Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Objekte trägt zum Verständnis der komplexen sozialen und politischen Strukturen dieser Zeit bei.