Knötel Uniformtafel "Reiter vom Regiment zu Pferd Graf v. Schlippenbach" 1713,

Zustand 2.
456550
15,00

Knötel Uniformtafel "Reiter vom Regiment zu Pferd Graf v. Schlippenbach" 1713,

Die Knötel-Uniformtafel mit der Darstellung eines Reiters vom Regiment zu Pferd Graf von Schlippenbach aus dem Jahr 1713 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der preußischen und nordeuropäischen Militärgeschichte während des Großen Nordischen Krieges (1700-1721). Diese Uniformdarstellung gehört zu dem umfangreichen Werk der Familie Knötel, die über mehrere Generationen hinweg als führende Dokumentatoren militärischer Uniformgeschichte galten.

Die Familie Knötel etablierte sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert als unbestrittene Autorität auf dem Gebiet der militärhistorischen Uniformdarstellung. Richard Knötel (1857-1914) und seine Nachfolger schufen ein monumentales Werk von über 3000 handkolorierten Tafeln, die Uniformen verschiedenster Epochen und Nationen dokumentierten. Ihre Arbeiten basierten auf intensivem Quellenstudium, einschließlich zeitgenössischer Stiche, Gemälde, militärischer Verordnungen und erhaltener Uniformstücke. Die Knötel-Tafeln werden bis heute als wichtige ikonographische Quellen für die Uniformkunde herangezogen.

Das Regiment zu Pferd Graf von Schlippenbach war eine Kavallerieeinheit, die im Kontext der schwedischen und russischen Auseinandersetzungen während des Großen Nordischen Krieges von besonderer Bedeutung war. Graf Anton Wilhelm von Schlippenbach (1658-1721) war ein deutschbaltischer Adliger, der in schwedischen Diensten stand und als Generalmajor die schwedischen Streitkräfte in Livland befehligte. Im Jahr 1701 erlitt Schlippenbach eine bedeutende Niederlage gegen die russischen Truppen unter Peter dem Großen bei Rauge in Livland, und 1704 eine weitere Niederlage bei Jakobstadt.

Die Uniformierung der Kavallerie im frühen 18. Jahrhundert folgte noch weitgehend den Traditionen des späten 17. Jahrhunderts. Die Reiter trugen typischerweise einen Koller oder Rock in der jeweiligen Regimentsfarbe, der oft mit kontrastierenden Aufschlägen, Vorstößen und Knöpfen versehen war. Die charakteristische Kopfbedeckung war meist ein Dreispitz, der je nach Regiment unterschiedlich getragen wurde. Die Bewaffnung bestand üblicherweise aus Pallask (einem Kavalleriehiebschwert), Karabiner und Pistolen.

Die Uniformtafeln aus dieser Epoche sind besonders wertvoll, da aus der Zeit um 1713 nur sehr wenige originale Uniformteile erhalten geblieben sind. Textilien unterlagen naturgemäß einem schnellen Verfall, und die häufigen Kriegswirren führten zur Zerstörung vieler Artefakte. Die Knötel-Darstellungen basieren daher oft auf der Rekonstruktion aus verschiedenen Quellen: zeitgenössischen Porträts, Stichen, militärischen Musterungsvorschriften und vereinzelten Museumsstücken.

Das Jahr 1713 markiert eine wichtige Phase des Großen Nordischen Krieges. Nach der entscheidenden schwedischen Niederlage bei Poltava 1709 hatte sich das Kräfteverhältnis im Ostseeraum fundamental verschoben. Die schwedische Vorherrschaft neigte sich dem Ende zu, während Russland unter Peter I. zur neuen Großmacht aufstieg. Die baltischen Provinzen wechselten in diesen Jahren endgültig von schwedischer zu russischer Herrschaft.

Die Uniformdarstellungen der Knötel-Familie zeichnen sich durch ihre akkurate Detailgenauigkeit aus. Sie zeigen nicht nur die Uniformierung selbst, sondern auch Details der Ausrüstung, der Bewaffnung und oft auch der Pferdeausrüstung. Die Farbgebung wurde sorgfältig recherchiert, wobei die Knötels Zugang zu militärischen Archiven und Sammlungen hatten. Ihre Tafeln wurden teilweise auch für offizielle militärische Publikationen verwendet und galten als authentische Referenzwerke.

Der Zustand 2 einer solchen Uniformtafel deutet auf eine gut erhaltene, gebrauchte Tafel hin, die möglicherweise leichte Alterungs- oder Gebrauchsspuren aufweist, aber in ihrer Substanz und Darstellungsqualität weitgehend intakt ist. Knötel-Tafeln wurden ursprünglich als lose Blätter herausgegeben und von Sammlern oft in Mappen oder Alben zusammengestellt. Die Erhaltung ist daher von Exemplar zu Exemplar unterschiedlich.

Für Sammler und Militärhistoriker stellen Knötel-Tafeln heute gesuchte Objekte dar. Sie verbinden künstlerischen Wert mit dokumentarischer Bedeutung und sind Fenster in eine Epoche, aus der nur wenige visuelle Primärquellen zur Uniformierung existieren. Die Darstellung eines Reiters vom Regiment Graf von Schlippenbach aus dem Jahr 1713 dokumentiert damit nicht nur die Uniformgeschichte, sondern auch ein wichtiges Kapitel der nordeuropäischen und baltischen Geschichte während einer epochalen Umbruchszeit.