Der Kriegsmarine-Offiziersdolch gehört zu den charakteristischsten Ausrüstungsgegenständen der deutschen Marine während der Zeit des Dritten Reiches (1933-1945). Als wichtiger Bestandteil der Offiziersuniform verkörperte dieser Dolch nicht nur die militärische Tradition der deutschen Seestreitkräfte, sondern diente auch als Statussymbol innerhalb der maritimen Hierarchie.
Die Einführung dieses spezifischen Dolchtyps erfolgte am 29. November 1938 durch eine Heeresverordnung, die das Design und die Tragevorschriften für Offiziere der Kriegsmarine festlegte. Der Dolch ersetzte damit das vorherige Modell aus der Weimarer Zeit und sollte die neue Ausrichtung der deutschen Marinestreitkräfte symbolisieren. Das Design folgte klassischen maritimen Traditionen, während es gleichzeitig die Ideologie des NS-Regimes widerspiegelte.
Der Dolch zeichnete sich durch mehrere charakteristische Merkmale aus: Der weiße Griff aus Celluloid oder Kunststoff war mit einer vergoldeten Drahtwicklung versehen, die nicht nur dekorativ, sondern auch funktional war, um einen sicheren Halt zu gewährleisten. Die Klinge, üblicherweise aus hochwertigem Solinger Stahl, trug meist aufwendige Ätzungen mit maritimen Motiven wie Schiffen, Ankern oder Segelbooten. Diese Ätzungen wurden von spezialisierten Handwerkern in den renommierten Solinger Klingenschmieden gefertigt.
F. M. Höller Solingen war einer der offiziell autorisierten Hersteller von Kriegsmarine-Dolchen. Die Solinger Klingenindustrie genoss seit Jahrhunderten einen hervorragenden Ruf für die Qualität ihrer Schneidwaren und Blankwaffen. Während der NS-Zeit wurden nur ausgewählte Firmen mit der Produktion von militärischen Blankwaffen beauftragt, die strenge Qualitätsstandards erfüllen mussten.
Ein besonderes Merkmal dieses Dolches ist die Personalisierung mit dem Namen des Trägers. Die Gravur des Namens auf der Fehlschärfe (dem nicht geschärften Teil der Klinge) und zwischen den Scheidenbändern war eine übliche Praxis, die den Dolch zu einem persönlichen Besitzstück des Offiziers machte. Diese Individualisierung erfolgte häufig bei lokalen Graveurmeistern oder direkt beim Hersteller und diente der eindeutigen Zuordnung des wertvollen Ausrüstungsgegenstandes.
Das Portepee (Degenquaste) war ein weiterer wichtiger Bestandteil des Offiziersdolches. Es handelte sich um eine kunstvoll geflochtene Quaste aus vergoldeten und silbernen Fäden, die am Griff befestigt wurde. Das Portepee diente nicht nur als dekoratives Element, sondern hatte auch eine praktische Funktion: Es verhinderte das Herunterfallen der Waffe und ermöglichte das sichere Tragen am Handgelenk. Die Ausführung des Portepees variierte je nach Dienstgrad des Offiziers.
Die Scheide, oft als “Blitzscheide” bezeichnet, war typischerweise aus Metall gefertigt und mit einer Vergoldung versehen. Sie verfügte über zwei charakteristische Beschlagbänder, an denen Tragehaken befestigt werden konnten. Die Vergoldung war anfällig für Abnutzung, besonders bei Dolchen, die regelmäßig getragen wurden, was bei vielen erhaltenen Exemplaren zu Fehlstellen in der Oberflächenbehandlung führte.
Der Kriegsmarine-Dolch wurde zu verschiedenen Anlässen getragen: bei Paraden, offiziellen Zeremonien, beim Landgang in Galauniform sowie bei anderen repräsentativen Veranstaltungen. Er war obligatorischer Bestandteil der Galauniform für Offiziere vom Leutnant zur See aufwärts. Das Tragen erfolgte an einem Ledergürtel auf der linken Seite.
Nach Kriegsende 1945 wurden viele dieser Dolche von alliierten Soldaten als Souvenirs mitgenommen oder von deutschen Offizieren als Erinnerungsstücke behalten. Die personalisierte Gravur macht solche Exemplare heute besonders interessant für historische Forschungen, da sie manchmal die Identifizierung konkreter Personen und deren militärischer Laufbahn ermöglichen.
Heute sind Kriegsmarine-Dolche begehrte Sammlerobjekte, deren historischer und materieller Wert von verschiedenen Faktoren abhängt: dem Erhaltungszustand, der Vollständigkeit (einschließlich Portepee und Scheide), der Qualität der Ätzung, dem Hersteller und eventuellen Personalisierungen. Sie werden als wichtige Zeugnisse der deutschen Marinegeschichte betrachtet und in militärhistorischen Sammlungen weltweit aufbewahrt.