NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " 2. Weser-Elbe-Fahrt NSKK-Motorgr. Nordsee 11. Juni 1939 - Unseren Kolonien "

Feinzink vergoldet, teilweise emailliert, 74 x 85 mm, mit 3 Bohrungen, Zustand 2.
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360,00

NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " 2. Weser-Elbe-Fahrt NSKK-Motorgr. Nordsee 11. Juni 1939 - Unseren Kolonien "

Die vorliegende NSKK-Teilnehmerplakette zur 2. Weser-Elbe-Fahrt vom 11. Juni 1939 dokumentiert die Aktivitäten des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) in den letzten Monaten vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Diese nichttragbare Plakette, gefertigt aus vergoldetem Feinzink mit partieller Emaillierung, misst 74 x 85 mm und wurde als Erinnerungsstück für Teilnehmer dieser motorsportlichen Veranstaltung ausgegeben.

Das NSKK wurde 1931 ursprünglich als motorisierte Unterorganisation der SA gegründet und entwickelte sich nach der Machtübernahme 1933 zu einer bedeutenden Formation des NS-Regimes. Unter der Führung des Korpsführers Adolf Hühnlein umfasste das NSKK in seiner Blütezeit über 500.000 Mitglieder. Die Organisation war in mehrere Motorgruppen gegliedert, wobei die Motorgrupppe Nordsee den norddeutschen Raum abdeckte und ihren Sitz in Hamburg hatte.

Die Weser-Elbe-Fahrt gehörte zu den zahlreichen motorsportlichen Veranstaltungen, die das NSKK in der Vorkriegszeit organisierte. Diese Orientierungs- und Zuverlässigkeitsfahrten dienten offiziell der Förderung des Motorsports und der verkehrstechnischen Schulung der Teilnehmer. Tatsächlich verfolgten sie jedoch auch wehrsportliche und propagandistische Ziele. Die Streckenführung zwischen den beiden namensgebenden Flüssen Weser und Elbe bot ideale Voraussetzungen für die Erprobung von Navigations- und Fahrtechniken unter verschiedenen Bedingungen.

Das Datum 11. Juni 1939 situiert die Veranstaltung in eine hochbrisante Phase der europäischen Geschichte. Nur wenige Monate vor dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 intensivierte das NS-Regime seine Vorbereitungen auf den kommenden Krieg. Das NSKK spielte dabei eine wichtige Rolle in der vormilitärischen Ausbildung und der Motorisierung der deutschen Gesellschaft. Die Teilnehmer solcher Fahrten erhielten praktische Schulungen, die im Kriegsfall von unmittelbarem militärischem Wert waren.

Besonders bemerkenswert ist der Zusatz “Unseren Kolonien” auf der Plakette. Dieser Hinweis reflektiert die revisionistische Kolonialpropaganda des NS-Regimes. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Deutschland durch den Versailler Vertrag 1919 alle seine überseeischen Kolonien verloren. Die Nationalsozialisten instrumentalisierten die Forderung nach Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika und im Pazifik als Teil ihrer allgemeinen Revision der Versailler Friedensordnung. Der Reichskolonialbund, gegründet 1936 unter Franz Ritter von Epp, propagierte aktiv diese kolonialen Ansprüche. Die Verknüpfung einer NSKK-Motorsportveranstaltung mit kolonialer Propaganda zeigt die Durchdringung selbst sportlicher Ereignisse mit NS-Ideologie.

Die technische Ausführung der Plakette entspricht den üblichen Standards für NSKK-Veranstaltungsabzeichen der späten 1930er Jahre. Die Verwendung von vergoldetem Feinzink war ein kostengünstiges Verfahren, das dennoch einen hochwertigen optischen Eindruck ermöglichte. Die partielle Emaillierung diente der Hervorhebung bestimmter Gestaltungselemente, typischerweise der Farben der Organisation (Schwarz und Braun) sowie des Hakenkreuzes. Die drei Bohrungen ermöglichten die Befestigung der Plakette an Vitrinen oder Erinnerungstafeln, da es sich um eine nichttragbare Ausführung handelte, im Gegensatz zu tragbaren Abzeichen, die an der Uniform befestigt wurden.

Nach 1945 wurden solche NSKK-Veranstaltungsplaketten gemäß den Bestimmungen des Alliierten Kontrollrats und später des deutschen Strafgesetzbuches (§ 86a StGB) als Symbole verfassungswidriger Organisationen eingestuft. Ihre Herstellung, Verbreitung und öffentliche zur Schaustellung sind in Deutschland grundsätzlich verboten, mit Ausnahmen für Zwecke der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Wissenschaft, Kunst und historischen Forschung.

Heute besitzen solche Objekte primär dokumentarischen Wert für die Erforschung der NS-Organisation und ihrer gesellschaftlichen Durchdringung. Sie illustrieren die Verbindung von Sport, Propaganda und militärischer Vorbereitung im Dritten Reich und dienen als materielle Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte.