SS-Porzellanmanufaktur Allach - sitzende Kohlmeise

Es handelt sich um einen Entwurf des Künstlers Professor Krieger. Weiß glasiert, Höhe ca. 9 cm. Auf der Unterseite mit grüner SS-Allachmarke, Künstlersignatur "Prof. Krieger", Werksmodell Nr. 111. Hinten das Schwanzgefieder perfekt restauriert, sonst, Zustand 2+. Selten.
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SS-Porzellanmanufaktur Allach - sitzende Kohlmeise

Die sitzende Kohlmeise der Porzellan Manufaktur Allach, Modellnummer 111, repräsentiert ein komplexes Kapitel deutscher Kulturgeschichte, in dem künstlerisches Handwerk und die dunkle Geschichte des Nationalsozialismus untrennbar miteinander verflochten sind. Dieses zierliche Porzellanstück aus weißem Porzellan, etwa 9 Zentimeter hoch, trägt auf seiner Unterseite die charakteristische grüne SS-Allach-Marke, die Künstlersignatur Professor Krieger und die Werksmodellnummer 111.

Die Porzellan Manufaktur Allach wurde 1935 in Allach bei München als privates Unternehmen von Franz Nagy und Karl Diebitsch gegründet. Bereits ein Jahr später, 1936, übernahm die SS die Manufaktur und machte sie zu einem Teil des SS-Wirtschaftsimperiums unter der Schirmherrschaft Heinrich Himmlers. Die Fabrik wurde zu einem von Himmlers bevorzugten Projekten, das nicht als gewinnorientiertes Unternehmen konzipiert war, sondern dazu dienen sollte, die Erziehung nationalsozialistischer Menschen zu unterstützen und das zu fördern, was die Nationalsozialisten als germanische Kultur und ästhetische Ideale betrachteten.

1937 wurde der größte Teil der Produktion in eine Anlage neben dem Konzentrationslager Dachau verlegt. Ab 1940 wurden jüdische und nichtjüdische Häftlinge aus Dachau zur Zwangsarbeit in der Fabrik eingesetzt, wo sie Luxusporzellan herstellen mussten. Zunächst wurden 10 Häftlinge eingesetzt, doch die Zahl wuchs während der Kriegsjahre dramatisch. In den Kriegsjahren arbeiteten etwa 25 bis 30 zivile Arbeiter und rund 50 Konzentrationslager-Häftlinge in der Dachauer Anlage an der Porzellanherstellung. Bis 1943 waren über 100 Konzentrationslager-Häftlinge beschäftigt.

Der Schöpfer dieser Vogelfigur, Wilhelm Krieger (1871-1945), war ein autodidaktischer Bildhauer, der 1927 vom bayerischen Kulturministerium den Ehrentitel eines Professors erhielt. Von 1937 bis 1944 stellte er auf der jährlichen Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Kunst in München aus. Krieger entwarf mindestens drei dokumentierte Vogelmodelle für Allach: Modell 110 (Seidenschwanz), Modell 111 (Kohlmeise) und Modell K10 (Adler). Er verstarb am 14. September 1945 in Herrsching.

Die Manufaktur beschäftigte renommierte deutsche Porzellankünstler, darunter Professor Theodor Kärner als künstlerischer Leiter sowie Richard Förster, Franz Nagy und andere. Zwischen 1935 und 1945 produzierte die Allacher Manufaktur über 240 verschiedene Porzellan- und Keramikmodelle. Die Produktionszahlen für einzelne Modelle sind weitgehend unbekannt, da offizielle Produktionslisten nach 1939 nicht erhalten sind. Die einzige dokumentierte Produktionszahl betrifft den Julleuchter-Kerzenhalter: 1939 wurden allein 52.635 Stück produziert, die höchste Produktion eines einzelnen Allach-Artikels.

Die Vogelfiguren wurden sowohl in weiß glasierter als auch in bemalter oder farbiger Ausführung hergestellt. Allach-Porzellan wurde für mehrere Zwecke produziert: Einige Stücke wurden über Ausstellungsräume in Berlin, Posen, Warschau und Lemberg an die Öffentlichkeit verkauft, wobei es bezeichnenderweise keinen Verkaufsraum in München selbst gab. Andere Artikel waren für SS-Mitglieder zu vergünstigten Preisen reserviert. Heinrich Himmler kontrollierte etwa 45 Prozent der Fabrikproduktion, um sie an SS-Funktionäre und Freunde zu verschenken. Die Preise wurden aufgrund der Zwangsarbeitsproduktion bewusst niedrig gehalten.

Die Produktion endauerte bis Ende April 1945, als US-Streitkräfte Dachau am 29. April 1945 befreiten. Das Allach-Nebenlager beherbergte bei der Befreiung etwa 3.000 jüdische und 6.000 nichtjüdische Häftlinge. Die alliierten Streitkräfte zerstörten oder beschlagnahmten viele Formen. Nach dem Krieg tauchten einige ehemalige Allach-Figuren wieder auf: Franz Nagy hat möglicherweise kurzzeitig eine begrenzte Produktion mit einem N-Zeichen anstelle der SS-Runen auf einigen Steinzeugstücken wieder aufgenommen. Professor Theodor Kärner verwendete einige Allach-Formen wieder, während er in der Porzellanfabrik Eschenbach in der US-kontrollierten Zone Deutschlands arbeitete.

Heute bleibt Allach-Porzellan höchst kontrovers. Während Sammler die Stücke für ihre Handwerkskunst und Seltenheit schätzen und einzelne Stücke bei Auktionen Preise von bis zu 50.000 Euro erzielen, behandeln Museen und Historiker diese Objekte als Beweis für nationalsozialistische Kulturpropaganda und die Ausbeutung von Zwangsarbeit. Allach-Porzellan wird weiterhin über private Händler, Auktionshäuser und Online-Plattformen verkauft, trotz seiner Verbindung zur Sklavenarbeit in Konzentrationslagern. Moderne Ausstellungen und wissenschaftliche Arbeiten betonen die Bewahrung dieser Gegenstände als historische Beweise, anstatt sie zu glorifizieren.

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