Fliegerei 1. Weltkrieg - Deutsche Fliegerhelden und Pour le Merite Träger - " Fl.-Kapitän Heinrich Bongartz "
Fliegerei im Ersten Weltkrieg: Heinrich Bongartz und die Pour le Mérite-Träger
Die vorliegende Karte stellt Flugkapitän Heinrich Bongartz dar, einen der deutschen Jagdflieger des Ersten Weltkriegs und Träger des Pour le Mérite, des höchsten preußischen Militärordens. Die Karte wurde auf offiziellem DLV/NSFK-Material (Deutscher Luftsportverband/Nationalsozialistisches Fliegerkorps) gedruckt, was ihre Entstehung in die Zeit zwischen 1933 und 1945 datiert.
Heinrich Bongartz wurde am 31. Oktober 1892 in Gelsenkirchen geboren und gehörte zu jener Generation von Fliegern, die während des Ersten Weltkriegs die Luftkriegsführung revolutionierten. Er begann seine militärische Karriere bei der Infanterie, bevor er 1915 zur Fliegertruppe versetzt wurde. Nach seiner Ausbildung zum Piloten flog Bongartz zunächst Aufklärungsflugzeuge, bevor er zu den Jagdstaffeln wechselte.
Seine größten Erfolge erzielte Bongartz als Kommandeur der Jagdstaffel 36 (Jasta 36). Mit insgesamt 33 bestätigten Luftsiegen gehörte er zu den erfolgreichsten deutschen Jagdfliegern des Krieges. Am 11. Juni 1918 wurde ihm für seine außergewöhnlichen Leistungen der Pour le Mérite verliehen, jene legendäre Auszeichnung, die nur 81 Fliegern während des gesamten Krieges zuteilwurde.
Der Pour le Mérite, auch als “Blauer Max” bekannt, war seit 1740 der höchste preußische Militärorden. Während des Ersten Weltkriegs wurde er an Offiziere verliehen, die außergewöhnliche Tapferkeit und militärische Leistungen zeigten. Für Jagdflieger war er die höchste erreichbare Auszeichnung und symbolisierte die Elite der deutschen Luftstreitkräfte. Die Verleihung an Flieger begann erst 1916 und war an strenge Kriterien gebunden.
Die Tatsache, dass diese Karte auf DLV/NSFK-Material gedruckt wurde, ist historisch bedeutsam. Der Deutsche Luftsportverband wurde 1933 gegründet und diente als Tarnorganisation für die geheime Ausbildung von Luftwaffenpersonal, was durch den Versailler Vertrag verboten war. 1937 wurde der DLV in das Nationalsozialistische Fliegerkorps (NSFK) umgewandelt, eine paramilitärische Organisation unter der Schirmherrschaft der NSDAP.
Solche Propagandakarten dienten mehreren Zwecken: Sie verherrlichten die “Helden” des Ersten Weltkriegs, schufen eine Kontinuität zwischen den Luftstreitkräften beider Kriege und dienten der Rekrutierung und Motivation für die neue Luftwaffe. Die Jagdflieger des Ersten Weltkriegs, besonders die Pour le Mérite-Träger, wurden zu Vorbildern stilisiert, um den Aufbau der neuen deutschen Luftwaffe zu legitimieren.
Heinrich Bongartz überlebte den Ersten Weltkrieg und blieb der Fliegerei verbunden. Während der Weimarer Republik war er in verschiedenen Funktionen im zivilen Luftverkehr tätig. Die Verwendung seines Bildes auf solchen Karten zeigt, wie das NS-Regime systematisch die Erinnerung an die Kriegshelden für seine Zwecke instrumentalisierte.
Die Luftkriegsführung im Ersten Weltkrieg entwickelte sich von primitiven Aufklärungsflügen zu komplexen Luftkämpfen. Die deutschen Jagdstaffeln, nach dem Vorbild der Jagdstaffel 2 unter Oswald Boelcke organisiert, wurden zu hochspezialisierten Einheiten. Piloten wie Bongartz flogen meist Fokker- oder Albatros-Maschinen und entwickelten Taktiken, die noch jahrzehntelang Einfluss auf die Luftkriegsführung hatten.
Solche Sammelkarten waren in den 1930er Jahren weit verbreitet und wurden oft in Zigarettenpackungen beigelegt oder als Postkarten verkauft. Sie sind heute wichtige zeithistorische Dokumente, die zeigen, wie das NS-Regime Geschichte für propagandistische Zwecke nutzte. Der Erhaltungszustand “2” (gut) dieser ungelaufenen Karte macht sie zu einem wertvollen Sammlerstück für Militärhistoriker und Sammler.
Die Verehrung der Jagdflieger des Ersten Weltkriegs war Teil einer größeren Militarisierung der deutschen Gesellschaft in den 1930er Jahren. Diese Karten trugen dazu bei, eine romantisierte Vorstellung vom “ritterlichen Luftkampf” zu verbreiten, die mit der brutalen Realität des modernen Krieges wenig gemein hatte. Heute dienen solche Objekte als Mahnungen, wie militärische Tradition und Heldenmythen für politische Zwecke missbraucht werden können.