Mecklenburg-Schwerin 1. Weltkrieg Paar Schulterstücke für einen Leutnant der Feldartillerie-Batterie 810

Um 1916. Silberne Plattschnur mit blau-gold-roten Durchzügen, rote Tuchunterlagen mit Schlaufen, die "Granaten" in Eisen, bronzefarben lackiert. Getragen, die Tuchunterlagen mit starken Mottenschäden. Zustand 3.
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Mecklenburg-Schwerin 1. Weltkrieg Paar Schulterstücke für einen Leutnant der Feldartillerie-Batterie 810

Die vorliegenden Schulterstücke eines Leutnants der Feldartillerie-Batterie 810 aus dem Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin repräsentieren ein faszinierendes Zeugnis der militärischen Uniformierung während des Ersten Weltkriegs. Diese Rangabzeichen, datierbar um 1916, verkörpern die strikte Hierarchie und das ausgefeilte Distinktionssystem der kaiserlich-deutschen Armee.

Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin gehörte zu den Bundesstaaten des Deutschen Kaiserreichs und stellte im Ersten Weltkrieg mehrere militärische Kontingente. Die mecklenburgischen Truppen waren Teil des IX. Armee-Korps und kämpften an verschiedenen Fronten. Die Feldartillerie-Batterie 810 war eine typische Formierung der Kriegsartillerie, die ab 1915 durch die massive Expansion der deutschen Streitkräfte entstand.

Die Schulterstücke zeigen die charakteristische Gestaltung für Offiziere der Feldartillerie. Die silberne Plattschnur mit blau-gold-roten Durchzügen entspricht den mecklenburg-schwerinischen Landesfarben. Diese farbliche Kennzeichnung war essentiell für die Identifikation der Truppenzugehörigkeit und folgte den strengen Vorschriften der Adjustierungsordnung von 1899 und deren Ergänzungen während des Krieges.

Die roten Tuchunterlagen identifizieren die Waffengattung als Artillerie. Im deutschen Heer waren die Farben der Waffengattungen streng geregelt: Rot für Artillerie, Schwarz für Pioniere, Hellblau für Infanterie, Gelb für Kavallerie. Diese Farbcodierung ermöglichte eine schnelle visuelle Identifikation auf dem Schlachtfeld und in der Kaserne.

Die “Granaten” aus Eisen, bronzefarben lackiert, sind das charakteristische Waffengattungsabzeichen der Artillerie. Diese stilisierten Geschosse wurden auf den Schulterstücken als Erkennungsmerkmal getragen und unterschieden Artilleristen von anderen Truppenteilen. Die Verwendung von Eisen anstelle von Metallen wie Messing oder Tombak deutet auf die kriegsbedingte Materialknappheit ab 1916 hin, als Buntmetalle zunehmend für Munitionsproduktion benötigt wurden.

Die Rangbezeichnung Leutnant war der unterste Offiziersrang im kaiserlichen Heer. Leutnants führten typischerweise Züge und fungierten als Batterieoffiziere in der Feldartillerie. Die silberne Schnur kennzeichnet den Offiziersstand, während einfache Mannschaften und Unteroffiziere Schulterstücke aus Wolle trugen.

Die Datierung “um 1916” ist für mehrere Aspekte signifikant. In diesem Jahr erreichte der Erste Weltkrieg seinen Höhepunkt mit Materialschlachten wie Verdun und der Somme. Die deutsche Armee expandierte massiv, und neue Batterieeinheiten mit höheren Nummern wie die 810 wurden aufgestellt. Gleichzeitig begann sich die Materialknappheit bemerkbar zu machen, was die Verwendung eiserner Komponenten erklärt.

Der beschriebene Erhaltungszustand mit Mottenschäden an den Tuchunterlagen ist typisch für über ein Jahrhundert alte Textilien. Diese Beschädigungen zeugen von der organischen Natur der verwendeten Materialien – Wolltuche, die ohne moderne Konservierungsmethoden anfällig für Insektenbefall sind.

Die Schlaufen an den Schulterstücken dienten der Befestigung an der Uniform. Sie wurden durch Knöpfe auf der Schulterpartie des Waffenrocks gehalten und waren so konstruiert, dass sie bei Bedarf ausgetauscht werden konnten, etwa bei Beförderungen oder Versetzungen.

Solche Schulterstücke wurden in spezialisierten Effekten-Fabriken oder von Hof-Lieferanten hergestellt. Die aufwendige Handarbeit der Plattschnur und die präzise Verarbeitung zeugen von der hohen handwerklichen Qualität dieser Distinktionen. Offiziere mussten ihre Uniformteile selbst beschaffen, was bei der silbernen Ausführung erhebliche Kosten verursachte.

Im historischen Kontext dokumentieren diese Schulterstücke nicht nur militärische Hierarchie, sondern auch die soziale Struktur des Kaiserreichs. Der Offiziersstand war weitgehend dem Adel und dem Bildungsbürgertum vorbehalten. Die aufwendige und kostspielige Ausstattung war gleichzeitig Standeszeichen und finanzielle Hürde.

Heute sind solche Schulterstücke bedeutende militärhistorische Sammlerobjekte, die Einblick in das Uniformwesen, die Organisationsstruktur und die materielle Kultur des Ersten Weltkriegs bieten. Sie erinnern an eine Epoche tiefgreifender Umbrüche und dokumentieren die bis ins Detail geregelte Ordnung der untergegangenen monarchischen Militärwelt.

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