Norwegen - Nasjonalsocialistiske Hjelpeorganisasion - Mitgliedsabzeichen 2. Form

rückseitig mit Markierung: David Andersen, 1940. An langer Nadel, Zustand 2.
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Norwegen - Nasjonalsocialistiske Hjelpeorganisasion - Mitgliedsabzeichen 2. Form

Das Mitgliedsabzeichen der Nasjonal Samling Hjelpeorganisasjon (NS-HO) stellt ein bedeutendes Zeugnis der politischen und sozialen Organisation Norwegens während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg dar. Dieses spezielle Exemplar in der zweiten Form wurde von der renommierten norwegischen Firma David Andersen im Jahr 1940 hergestellt und trägt entsprechende Markierungen auf der Rückseite.

Die Nasjonal Samling (Nationale Sammlung) unter der Führung von Vidkun Quisling war Norwegens faschistische Partei, die während der deutschen Besatzung von 1940 bis 1945 als Kollaborationsregierung fungierte. Die Hjelpeorganisasjon bildete den sozialen und karitativen Arm dieser politischen Bewegung und war nach dem Vorbild ähnlicher nationalsozialistischer Wohlfahrtsorganisationen strukturiert.

Die Gründung der NS-Hjelpeorganisasjon erfolgte im Kontext der deutschen Invasion Norwegens am 9. April 1940, die als Unternehmen Weserübung bekannt wurde. Nach der Besetzung etablierte Quisling zunächst eine kurzlebige Regierung, bevor eine Reichskommissariat unter Josef Terboven eingerichtet wurde. Die NS-HO wurde als Teil des Bemühens geschaffen, die norwegische Gesellschaft nach nationalsozialistischen Prinzipien umzugestalten.

Die Firma David Andersen, gegründet 1876 in Oslo (damals Kristiania), war eine der führenden norwegischen Gold- und Silberschmiedefirmen mit internationalem Renommee. Die Tatsache, dass diese renommierte Firma mit der Herstellung von NS-Abzeichen beauftragt wurde, reflektiert die komplexe Realität der Besatzungszeit, in der etablierte Unternehmen oft gezwungen oder gedrängt wurden, für das Regime zu arbeiten. Die Markierung “David Andersen, 1940” auf der Rückseite des Abzeichens datiert es präzise in das erste Jahr der Besatzung.

Das Abzeichen in seiner zweiten Form deutet darauf hin, dass es Entwicklungen und Veränderungen im Design der Organisationsinsignien gab. Solche Variationen waren in nationalsozialistischen und faschistischen Organisationen üblich, oft bedingt durch administrative Reorganisationen, Änderungen in der Symbolik oder praktische Erwägungen der Herstellung. Die lange Nadel auf der Rückseite war charakteristisch für skandinavische Anstecknadeln dieser Zeit und ermöglichte ein sicheres Befestigen an verschiedenen Kleidungsstücken.

Die NS-Hjelpeorganisasjon versuchte, verschiedene soziale Dienste anzubieten, darunter Winterhilfe, Mutter- und Kinderbetreuung sowie andere Wohlfahrtsaktivitäten. Diese Dienste waren jedoch untrennbar mit politischer Propaganda und dem Versuch verbunden, Unterstützung für das Quisling-Regime zu gewinnen. Mitglieder trugen solche Abzeichen als Zeichen ihrer Zugehörigkeit und Loyalität zur Organisation.

Die norwegische Bevölkerung leistete jedoch weitgehend zivilen Widerstand gegen die Besatzung und das Quisling-Regime. Die Nasjonal Samling hatte niemals breite Unterstützung in der Bevölkerung; selbst auf dem Höhepunkt ihrer Macht zählte die Partei nur etwa 45.000 Mitglieder in einem Land mit etwa 3 Millionen Einwohnern. Das Tragen solcher Abzeichen konnte daher zu sozialer Isolation und nach dem Krieg zu rechtlichen Konsequenzen führen.

Nach der Befreiung Norwegens im Mai 1945 wurden Mitglieder der Nasjonal Samling und ihrer Hilfsorganisationen zur Rechenschaft gezogen. Quisling selbst wurde wegen Hochverrats verurteilt und im Oktober 1945 hingerichtet. Tausende von NS-Mitgliedern wurden in den Rettsoppgjøret (Rechtsabrechnung) genannten Prozessen verurteilt. Abzeichen und Insignien wie dieses wurden oft als Beweismittel in solchen Verfahren verwendet.

Heute haben solche Objekte einen bedeutenden musealen und dokumentarischen Wert. Sie dienen als materielle Zeugnisse einer dunklen Periode der norwegischen Geschichte und werden in Museen und Sammlungen als Lehrmittel über Kollaboration, Besatzung und Widerstand bewahrt. Der Zustand 2 dieses Exemplars (in der üblichen Bewertungsskala, wo 1 exzellent und 6 schlecht ist) zeigt, dass es gut erhalten ist und wahrscheinlich wenig getragen wurde.

Die Provenienz solcher Objekte durch die Markierung von David Andersen ist dabei besonders wertvoll, da sie eine eindeutige Datierung und Authentifizierung ermöglicht. Die Firma selbst überlebte den Krieg und setzte ihre Tradition der qualitativ hochwertigen Metallarbeiten fort, wobei sie dieses Kapitel ihrer Geschichte als Teil der schwierigen Realität der Besatzungszeit anerkennt.