Deutsche Kolonien weißer Tropenhelm M1896 für Konsule und Diplomaten

Um 1910. Korpus aus Kork mit geweißtem Tuch überzogen, der Rand mit einer Messing-Schiene eingefasst, vorne der Reichsadler mit aufgelegtem Bandeau "Mit Gott für Kaiser und Reich", gewölbte Schuppenketten, rechts die große Reichskokarde in Seidenausführung. Kreuzblatt mit großen Sternschrauben, kannelierte, abnehmbare Spitze. Der Schirm innen mit grünem Tuch ausgekleidet, braunes Lederschweißband, darin geprägt "Deutscher Offizier-Verein". In der Glocke alte Inventar-Nummer und Zettel. Größe 54. Nur leichte Tragespuren, unterhalb des rechten Kreuzblatt-Arms leichte Druckstelle, sehr schön erhalten. Zustand 2.

Extrem selten, weltweit sind keine 10 Helme bekannt.

Ein sehr ähnliches Exemplar aus dem Besitz von Wilhelm Wassmuss (dieser war im Auswärtigen Dienst des Deutschen Reiches tätig) ist im Braunschweigischen Landesmuseum ausgestellt. Eine Beschreibung liefert Ulrich Schiers "Tropenhelme der kaiserlichen Marine, der Ostasiatischen Truppen und der Schutztruppen" S. 40. f. Dort auch eine Abbildung des Konsularbeamten Wassmuss mit dem Helm.

Preis auf Anfrage.



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Deutscher Kolonien weißer Tropenhelm M1896 für Konsule und Diplomaten

Unter den Ausrüstungsgegenständen des Deutschen Kaiserreichs nimmt der Tropenhelm Modell 1896 in seiner konsularisch-diplomatischen Variante eine besondere Stellung ein. Als Teil der weißen Tropenuniform für den Auswärtigen Dienst des Deutschen Reiches gefertigt, verkörpert dieses Stück die Verschränkung von kolonialer Machtprojektion und diplomatischer Repräsentation in einer Epoche, in der das Deutsche Reich seinen Platz unter den Kolonialreichen der Welt zu festigen suchte.

Historischer Hintergrund: Das Deutsche Kolonialreich

Das Deutsche Kolonialreich (1884–1918) erstreckte sich über Gebiete in Afrika, Asien und dem Pazifik. Um in diesen tropischen und subtropischen Regionen angemessen agieren zu können, benötigten sowohl die militärischen Kräfte als auch das diplomatische Personal geeignete Ausrüstung. Die deutschen kolonialen Tropenhelme wurden 1896 als Teil der standardisierten Uniform für die deutschen Kolonialtruppen, die sogenannten Schutztruppen, eingeführt. Der M1896 basierte auf früheren Mustern, die von der Kaiserlichen Marine seit den 1850er bis 1880er Jahren erprobt worden waren.

Die Verwaltung der Kolonien und der Schutztruppen oblag zunächst der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, die 1896 eingerichtet wurde. Erst 1907 wurde das unabhängige Reichskolonialamt geschaffen, das fortan die Kolonialverwaltung übernahm. Konsularbeamte und Diplomaten, die in den Kolonien oder an anderen tropischen Dienstorten eingesetzt waren, benötigten formelle Uniformen, einschließlich tropischer Varianten für den Dienst in heißen Klimazonen.

Der Tropenhelm M1896 und seine Entwicklung

Der M1896 Tropenhelm stellte den Beginn einer Reihe von standardisierten tropischen Kopfbedeckungen dar, die im Laufe der Jahre weiterentwickelt wurden. Auf das Grundmodell folgten verbesserte Versionen, darunter der M1900 und der M1904. Letzterer basierte auf einem Patent der Firma Ludwig Bortfeldt in Bremen, die nach 1900 zum alleinigen Lieferanten wurde und unter anderem klappbare Nackenschirme einführte.

Diese spezifische konsularisch-diplomatische Variante unterscheidet sich deutlich von den militärischen Standardausführungen. Während die regulären Militärversionen einfachere Reichsadlerplatten trugen, zeichnet sich die diplomatische Variante durch aufwendigere vergoldete Beschläge aus, darunter eine große Reichskokarde in Seidenausführung. Der Helm besitzt einen Korpus aus Kork, der mit weißem Tuch überzogen ist, eine Messingschiene als Randeinfassung, gewölbte Schuppenketten sowie ein Kreuzblatt mit großen Sternschrauben und einer kannelierten, abnehmbaren Spitze im Stil der Pickelhaube. Der Schirm ist innen mit grünem Tuch ausgekleidet, und das braune Lederschweißband trägt die Prägung “Deutscher Offizier-Verein”.

Einsatz im diplomatischen Dienst

Dieser Helmtyp wurde von deutschen Konsularbeamten und Diplomaten getragen, die in den deutschen Kolonialgebieten sowie an anderen tropischen Dienstorten eingesetzt waren, an denen das Deutsche Reich eine konsularische Vertretung unterhielt. Er war Teil der weißen tropischen Dienstuniform des Auswärtigen Dienstes. Die Einsatzgebiete umfassten die deutschen Kolonien in Afrika, Asien und dem Pazifik sowie weitere Regionen mit heißem Klima.

Wilhelm Wassmuss und der Vergleichshelm

Ein sehr ähnliches Exemplar dieses seltenen Helmtyps befindet sich im Besitz des Braunschweigischen Landesmuseums in Braunschweig und stammt aus dem Nachlass von Wilhelm Wassmuss (1880–1931), einer der schillerndsten Gestalten des deutschen Auswärtigen Dienstes im frühen 20. Jahrhundert.

Wassmuss trat 1906 in den Auswärtigen Dienst ein und wurde 1909 als Vizekonsul nach Buschehr in Persien entsandt. Von 1910 bis 1913 diente er auf Madagaskar, bevor er 1913 erneut nach Buschehr versetzt wurde. Während des Ersten Weltkriegs operierte Wassmuss als Agent in Persien, wo er versuchte, den Widerstand gegen die britischen Streitkräfte zu organisieren. Seine Aktivitäten brachten ihm den Beinamen “Wassmuss von Persien” oder “der deutsche Lawrence” ein – eine Anspielung auf den berühmten britischen Agenten T. E. Lawrence. Der Helm aus seinem Besitz ist in der Fachliteratur dokumentiert und auf den Seiten 40 ff. des Referenzwerks von Ulrich Schiers abgebildet.

Nachgeschichte und Sammlerbedeutung

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Vertrag von Versailles (1919) verlor Deutschland sämtliche Kolonialbesitzungen. Die diplomatischen Tropenhelme wurden damit obsolet und gehören heute zu den seltensten Sammlerstücken auf dem Gebiet der deutschen Kolonialgeschichte. Das Exemplar aus dem Besitz von Wassmuss wird im Braunschweigischen Landesmuseum aufbewahrt und ist in der Fachliteratur beschrieben, insbesondere in Ulrich Schiers’ Standardwerk “Tropenhelme der kaiserlichen Marine, der Ostasiatischen Truppen und der Schutztruppen” (Meckenheim, 2007).

Der hier vorgestellte Helm in Größe 54, datiert auf circa 1910, zeigt nur leichte Tragespuren und eine geringfügige Druckstelle unterhalb des rechten Kreuzblatt-Arms. In der Glocke befinden sich eine alte Inventarnummer und ein Zettel, die auf eine museale oder institutionelle Vorgeschichte hindeuten. Als Zeitzeuge des deutschen Kolonialzeitalters und des diplomatischen Dienstes des Kaiserreichs ist dieses Stück von außerordentlicher historischer und sammlerischer Bedeutung.

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