Elastolin - 1. Weltkrieg Preussen Soldat Kniend im Anschlag,

10 cm, Zustand 2-.
445853
35,00

Elastolin - 1. Weltkrieg Preussen Soldat Kniend im Anschlag,

Die Elastolin-Figur eines knienden preußischen Soldaten im Anschlag aus der Zeit des Ersten Weltkriegs repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Spielzeugkultur und militärischen Erinnerungskultur des frühen 20. Jahrhunderts. Diese etwa 10 Zentimeter große Figur wurde von der Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg hergestellt, die unter dem Markennamen Elastolin weltberühmt wurde.

Die Firma Hausser begann um 1904 mit der Produktion von Spielzeugsoldaten aus einem innovativen Material namens Elastolin, einer Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin und anderen Zusatzstoffen, die auf Drahtgestelle modelliert wurde. Dieses Material erwies sich als widerstandsfähiger als die traditionellen Zinnfiguren und ermöglichte detailliertere, realistischere Darstellungen. Die Figuren waren bemalt und zeigten die Uniformen und Ausrüstungsgegenstände mit bemerkenswerter Genauigkeit.

Der dargestellte preußische Soldat in kniender Schussposition verkörpert eine typische Kampfhaltung des Ersten Weltkriegs (1914-1918). Diese Pose war sowohl im Grabenkrieg als auch bei Feldoperationen üblich. Die preußische Armee bildete das Rückgrat des Deutschen Kaiserreichs, und ihre Uniformen und Ausrüstung waren im gesamten Reich weitgehend standardisiert. Der Soldat trägt vermutlich die charakteristische Felduniform Model 1907/10 in Feldgrau, die das frühere Preußischblau ab 1910 ersetzte.

Die Produktion solcher Figuren diente mehreren Zwecken. Während des Krieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit waren sie sowohl Spielzeug für Kinder als auch Sammelobjekte für Erwachsene. Sie erfüllten eine wichtige Funktion in der Vermittlung militärischer Werte und patriotischer Gefühle. Familien nutzten diese Figuren, um die Realität des Krieges in eine kontrollierbare, spielerische Form zu bringen, während ihre Söhne und Väter an der Front kämpften.

Die Qualität und der Erhaltungszustand dieser Figuren variieren erheblich. Der angegebene Zustand 2- entspricht in der Sammlerwelt einem sehr guten bis guten Zustand mit minimalen Gebrauchsspuren. Dies ist bemerkenswert für ein Objekt, das über ein Jahrhundert alt ist und ursprünglich als Spielzeug konzipiert wurde. Typische Alterungserscheinungen können kleine Farbabplatzungen, minimale Risse im Material oder leichte Verformungen umfassen.

Nach dem Ersten Weltkrieg setzte Elastolin die Produktion fort und erweiterte das Sortiment um Figuren aus verschiedenen Epochen und Nationen. Während der Weimarer Republik (1919-1933) blieben militärische Spielzeugfiguren populär, obwohl Deutschland durch den Versailler Vertrag militärisch stark eingeschränkt war. Die Figuren dienten als Erinnerung an die militärische Vergangenheit und als Ausdruck eines weiterbestehenden militärischen Geistes in Teilen der Gesellschaft.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Firma zur Produktion von Propagandafiguren herangezogen, was die historische Bewertung dieser Objekte komplex macht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion zunächst eingestellt, später jedoch mit anderen Schwerpunkten wieder aufgenommen. Die historischen Elastolin-Figuren aus der Zeit des Ersten Weltkriegs werden heute als wichtige kulturgeschichtliche Dokumente betrachtet, die Einblick in die Mentalitätsgeschichte, Spielzeugproduktion und militärische Erinnerungskultur geben.

Für Sammler und Militärhistoriker sind diese Figuren aus mehreren Gründen von Bedeutung: Sie dokumentieren die Uniformgeschichte mit oft erstaunlicher Detailtreue, zeigen die Produktionstechniken der Spielzeugindustrie und spiegeln die gesellschaftliche Militarisierung wider. Die kniende Schussposition dieser speziellen Figur war eine der häufigsten Posen in den Elastolin-Serien und ermöglichte es Kindern, realistische Kampfszenen nachzustellen.

Heute werden solche Figuren auf Auktionen und in Fachgeschäften gehandelt, wobei der Wert von Zustand, Seltenheit und historischer Bedeutung abhängt. Sie befinden sich in Museumssammlungen weltweit, darunter im Deutschen Historischen Museum in Berlin und in spezialisierten Spielzeugmuseen. Als materielle Zeugnisse einer vergangenen Epoche tragen sie zum Verständnis bei, wie Krieg und Militär in der Alltagskultur präsent waren und wie nachfolgende Generationen über diese Vergangenheit informiert wurden.