Elastolin - 1. Weltkrieg Preussen Soldat Kniend im Anschlag,
Die vorliegende Elastolin-Figur eines knienden preußischen Soldaten im Anschlag aus dem Ersten Weltkrieg repräsentiert ein bedeutendes Sammlerstück aus der Blütezeit der deutschen Spielzeugproduktion. Mit einer Höhe von 10 cm gehört diese Figur zur Standardgröße der Hausser-Elastolin-Compositfiguren, die zwischen den 1900er Jahren und der Mitte des 20. Jahrhunderts hergestellt wurden.
Die Firma Hausser, gegründet 1904 in Ludwigsburg, entwickelte das revolutionäre Material Elastolin – eine Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin und weiteren Zusatzstoffen, die um einen Drahtkern modelliert wurde. Dieses Material ermöglichte eine wesentlich detailliertere und haltbarere Gestaltung als die bis dahin üblichen Bleifiguren. Die Firma etablierte sich schnell als einer der führenden Hersteller von Spielzeug- und Sammelfiguren in Deutschland.
Die Figur trägt die charakteristische feldgraue Uniform, die ab 1910 schrittweise in der preußischen und deutschen Armee eingeführt wurde. Diese Uniform markierte einen radikalen Bruch mit den farbenfrohen Uniformen des 19. Jahrhunderts. Die Notwendigkeit einer Tarnfarbe hatte sich in den Kolonialkriegen und durch die Entwicklung der Feuerwaffen mit größerer Reichweite und Präzision ergeben. Das Feldgrau bot bessere Tarnung auf dem modernen Schlachtfeld und wurde 1907/08 offiziell für die gesamte deutsche Armee eingeführt, wobei die vollständige Umstellung bis 1914 erfolgte.
Besonders bemerkenswert ist die dargestellte Pickelhaube, der legendäre preußisch-deutsche Lederhelm mit der charakteristischen Spitze. Die Pickelhaube, seit 1842 in der preußischen Armee eingeführt, wurde zu einem internationalen Symbol deutschen Militarismus. Während des Ersten Weltkriegs wurde die Pickelhaube jedoch zunehmend durch den praktischeren Stahlhelm ersetzt. Ab 1916 war der M1916-Stahlhelm die vorherrschende Kopfbedeckung an der Front, während die Pickelhaube hauptsächlich noch bei Reserveeinheiten, in der Etappe und bei zeremoniellen Anlässen getragen wurde.
Die kniende Schützenposition, in der die Figur dargestellt ist, war eine grundlegende Kampfstellung im Ersten Weltkrieg. Diese Position bot einen Kompromiss zwischen Mobilität und Deckung und war standardmäßiger Bestandteil der militärischen Ausbildung. Das Gewehr 98, das vermutlich dargestellt werden sollte (hier beschädigt), war die Standardwaffe der deutschen Infanterie und galt als eines der besten Repetiergewehre seiner Zeit. Das von Paul Mauser entwickelte System war für seine Präzision und Zuverlässigkeit bekannt.
Elastolin-Figuren aus dem Ersten Weltkrieg wurden besonders in den 1920er und 1930er Jahren produziert und verkauft, als die Erinnerung an den Konflikt noch frisch war. Diese Figuren dienten nicht nur als Spielzeug, sondern auch als Erinnerungsstücke und Sammelobjekte. Sie repräsentierten eine spezifisch deutsche Perspektive auf den Krieg und trugen zur Formung des kollektiven Gedächtnisses bei.
Die Zustandsbewertung 2- deutet auf eine gut erhaltene Figur mit leichten Gebrauchsspuren hin. Die erwähnte Beschädigung des Gewehrs ist typisch für Elastolin-Figuren dieses Alters, da die dünnen, hervorstehenden Teile besonders anfällig für Brüche waren. Der Erhaltungszustand ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass diese Figuren ursprünglich als Spielzeug konzipiert waren und intensive Nutzung erfuhren.
Aus sammlerhistorischer Perspektive sind Elastolin-Figuren des Ersten Weltkriegs heute begehrte Objekte der Militaria- und Spielzeuggeschichte. Sie dokumentieren nicht nur die Militärgeschichte, sondern auch die Sozial- und Kulturgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Qualität der Modellierung, die Liebe zum Detail und die historische Authentizität der Uniformdarstellung machen diese Figuren zu wertvollen Quellen für Uniformkundler und Militärhistoriker.
Die Produktion von Elastolin-Figuren wurde während des Zweiten Weltkriegs stark eingeschränkt und nach Kriegsende zunächst unter alliierter Kontrolle fortgeführt. Die Firma Hausser produzierte bis in die 1980er Jahre, wobei die Qualität und Sammlerwürdigkeit der frühen Figuren von 1900 bis 1945 als am höchsten gilt. Heute sind diese Figuren nicht nur Sammlerstücke, sondern auch Zeugnisse einer vergangenen Epoche der Spielzeugherstellung und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Krieg und Militär.