Elastolin - 1. Weltkrieg Preussen Verwundeter liegend, tragend von 2 Soldaten,
Die vorliegende Elastolin-Figur stellt eine Verwundetenszene aus dem Ersten Weltkrieg dar: einen verwundeten preußischen Soldaten, der von zwei Sanitätssoldaten getragen wird. Diese Komposition gehört zu den bedeutenden Darstellungen des militärischen Sanitätsdienstes in der deutschen Spielzeugproduktion der Zwischenkriegszeit.
Elastolin war eine Marke der Firma O. & M. Hausser aus Ludwigsburg, die ab 1904 Spielzeugfiguren aus einer speziellen Masse aus Kasein, Kaolin, Zellulose und anderen Zusätzen herstellte. Der Name setzte sich aus “elastisch” und “Olin” zusammen und bezeichnete das patentierte Material, das gegenüber den traditionellen Bleifiguren deutliche Vorteile bot: Es war leichter, bruchsicherer und gesundheitlich unbedenklich.
Die Darstellung von Sanitätspersonal in feldgrauer Uniform entspricht der historischen Realität des deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg. Ab 1907/1910 wurde die traditionelle bunte Uniform durch die feldgraue Uniform ersetzt, die bessere Tarnung im modernen Gefecht bot. Die Sanitätssoldaten trugen die gleiche feldgraue Grunduniform wie die Infanterie, waren jedoch durch eine weiße Armbinde mit rotem Kreuz nach der Genfer Konvention von 1906 gekennzeichnet.
Der Sanitätsdienst spielte im Ersten Weltkrieg eine zentrale Rolle. Die industrialisierte Kriegsführung mit Maschinengewehren, Artillerie und Giftgas führte zu beispiellosen Verlustzahlen. Das deutsche Heer entwickelte ein mehrstufiges System der Verwundetenversorgung: Vom Truppenverbandplatz unmittelbar hinter der Front über Hauptverbandplätze und Feldlazarette bis zu den rückwärtigen Kriegslazaretten. Sanitätssoldaten, auch Krankenträger genannt, waren für den Transport der Verwundeten aus der vordersten Linie verantwortlich - eine extrem gefährliche Aufgabe trotz des theoretischen Schutzes durch die Genfer Konvention.
Die Figurengröße von etwa 10 cm entspricht dem Standardmaßstab der Elastolin-Produktion für Einzelfiguren. Diese Größe etablierte sich in den 1920er und 1930er Jahren als gängiges Format für Massenproduktionen und ermöglichte detaillierte Darstellungen bei noch handhabbarer Größe für das Kinderspiel.
Die Entstehungszeit solcher Figuren lässt sich auf die Zeit zwischen den 1920er und frühen 1940er Jahren datieren. Nach dem Ersten Weltkrieg bestand großes Interesse an Darstellungen des “großen Krieges”, sowohl aus nostalgischen als auch aus erzieherischen Gründen. Die Firma Hausser produzierte umfangreiche Serien zum Ersten Weltkrieg, wobei nicht nur Kampfszenen, sondern auch Darstellungen des militärischen Alltags und eben des Sanitätsdienstes geschaffen wurden.
Die Darstellung einer Verwundetenbergung ist historisch und pädagogisch bedeutsam. Sie zeigt nicht die heroische Kampfhandlung, sondern die humanitäre Seite des Krieges. Solche Figuren dienten auch dazu, Kindern zu vermitteln, dass Krieg nicht nur Kampf bedeutete, sondern auch Kameradschaft und Fürsorge umfasste - eine Botschaft, die sowohl im Kaiserreich als auch in der Weimarer Republik und später im Nationalsozialismus politisch instrumentalisiert wurde.
Der angegebene Zustand 2 nach der üblichen Sammlerskala (1=fabrikneu bis 5=stark beschädigt) deutet auf gut erhaltene Figuren mit leichten Gebrauchsspuren hin. Dies ist für Elastolin-Figuren dieses Alters bemerkenswert, da das Material zwar robust, aber nicht unverwüstlich war und unter Feuchtigkeit, Hitze und mechanischer Belastung leiden konnte.
Heute sind solche Figurengruppen gesuchte Sammlerstücke, die sowohl die Geschichte der deutschen Spielzeugindustrie als auch die Erinnerungskultur an den Ersten Weltkrieg dokumentieren. Sie zeigen, wie militärische Themen in der Zwischenkriegszeit gesellschaftlich verarbeitet und an die nächste Generation weitergegeben wurden. Die Firma Hausser produzierte bis in die 1980er Jahre, wobei die frühen Stücke aus der Zwischenkriegszeit die höchste Sammlerwertschätzung genießen.