Preußen kleines Kabinettfoto eines Husaren im Husaren-Regiment Nr. 9

Sehr schöne Aufnahme um 1880, handkoloriert, aufgenommen in Trier.
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15,00

Preußen kleines Kabinettfoto eines Husaren im Husaren-Regiment Nr. 9

Das Husaren-Regiment Nr. 9, auch bekannt als Rheinisches Husaren-Regiment Nr. 9, gehörte zu den traditionsreichsten Kavallerieeinheiten der preußischen Armee. Die hier vorliegende handkolorierte Kabinettkarte aus der Zeit um 1880, aufgenommen in Trier, dokumentiert einen Angehörigen dieses renommierten Regiments und stellt ein wertvolles zeitgenössisches Zeugnis der militärischen Fotografiekunst des deutschen Kaiserreichs dar.

Das Regiment wurde im Jahr 1744 als Husaren-Regiment von Ruesch gegründet und durchlief im Laufe seiner Geschichte mehrere Umbenennungen. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) erwarb sich die Einheit bereits früh einen hervorragenden Ruf. Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon wurde das Regiment 1815 endgültig als Rheinisches Husaren-Regiment Nr. 9 bezeichnet und in den preußischen Rheinprovinzen stationiert. Der Garnisonsort Trier, wo diese Fotografie entstand, war seit 1815 einer der Hauptstandorte des Regiments.

Die Husaren waren traditionell leichte Kavallerie, die ursprünglich aus Ungarn stammte und im 18. Jahrhundert in fast allen europäischen Armeen übernommen wurde. Sie zeichneten sich durch besonders prachtvolle Uniformen aus, die bewusst an ihre ungarischen Vorbilder angelehnt waren. Die charakteristische Husarenuniform bestand aus einer eng anliegenden Attila (einer kurzen, reich verschnürten Jacke), dem Pelz (einer pelzverbrämten Überjacke, die oft über die Schulter gehängt wurde), der Mente, engen Reithosen und hohen Stiefeln. Die aufwendige Verschnürung und die farbenprächtigen Kombinationen machten die Husaren zu den auffälligsten Soldaten ihrer Zeit.

Die Kabinettkarte als fotografisches Format etablierte sich in den 1870er Jahren und löste das kleinere Carte-de-visite-Format teilweise ab. Mit Maßen von etwa 10 x 15 cm bot sie mehr Raum für detaillierte Darstellungen und wurde schnell zum bevorzugten Format für Porträtaufnahmen. Die Handkolorierung von Fotografien war in dieser Zeit eine verbreitete Praxis, da die Farbfotografie noch nicht existierte. Spezialisierte Koloristen trugen mit feinen Pinseln transparente Farben auf die Albuminabzüge auf, um die prächtigen Uniformfarben der Regimenter wiederzugeben. Dies war besonders bei Militärporträts wichtig, da die verschiedenen Regimenter durch spezifische Farbkombinationen unterschieden wurden.

Das Husaren-Regiment Nr. 9 trug eine Uniform in den Farben Dunkelblau und Weiß, wobei die Attila dunkelblau mit weißer Verschnürung ausgeführt war. Die Kopfbedeckung war die typische Pelzmütze (Kolpak) oder bei Paradeangelegenheiten der Tschapka, ein zylinderförmiger Helm polnischen Ursprungs. Die präzise Wiedergabe dieser Uniformdetails durch Kolorierung machte solche Fotografien zu wichtigen Dokumenten der Militärgeschichte.

In den 1880er Jahren befand sich das Deutsche Reich in einer Phase relativer Stabilität nach der Reichsgründung 1871. Die Armee wurde reformiert und modernisiert, wobei die Kavallerie noch immer eine wichtige Rolle spielte, obwohl die technologische Entwicklung bereits ihre künftige Bedeutungsabnahme andeutete. Husarenregimenter wie das Nr. 9 wurden sowohl für Aufklärungszwecke als auch für schnelle Angriffe eingesetzt. In Friedenszeiten dienten sie auch repräsentativen Zwecken und trugen zur militärischen Prachtentfaltung des Kaiserreichs bei.

Die fotografische Praxis in Garnisonstädten wie Trier war eng mit dem Militär verbunden. Fotografen in solchen Städten spezialisierten sich auf Soldatenporträts, da Militärangehörige eine wichtige und regelmäßige Kundschaft darstellten. Soldaten ließen sich fotografieren, um ihren Familien ein Andenken zu schicken oder um ihre Militärzeit zu dokumentieren. Diese Fotografien wurden oft in Alben gesammelt und über Generationen bewahrt.

Das Regiment nahm an den Einigungskriegen teil, insbesondere am Deutschen Krieg 1866 und am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Diese Siege prägten das Selbstverständnis der Einheit und der gesamten preußisch-deutschen Armee. Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Regiment zunächst als berittene Einheit, wurde aber wie die meisten Kavallerieverbände später abgesessen eingesetzt, da die moderne Kriegsführung mit Maschinengewehren und Grabenkrieg die traditionelle Kavallerie obsolet machte.

Solche Kabinettkarten sind heute wichtige Quellen für Uniformgeschichte, Sozialgeschichte und die Geschichte der Fotografie. Sie ermöglichen es Historikern, die Entwicklung militärischer Kleidung zu rekonstruieren und bieten Einblicke in das Leben einfacher Soldaten. Die Kombination von technischer Fotografie und künstlerischer Kolorierung macht sie zu faszinierenden Objekten an der Schnittstelle von Kunst, Technik und Militärgeschichte.