Bundesrepublik Deutschland ( BRD ) Polizeitschako für Mannschaften Nordrhein Westfalen
Der Polizeitschako aus Nordrhein-Westfalen aus der Zeit um 1950 repräsentiert eine bedeutende Übergangsperiode in der Geschichte der deutschen Polizeiuniformen nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieses Ausrüstungsstück für Mannschaften der Landespolizei verkörpert die Bemühungen der jungen Bundesrepublik Deutschland, eine neue, demokratische Polizeiidentität zu etablieren, während gleichzeitig traditionelle Uniformelemente beibehalten wurden.
Nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches im Mai 1945 lag die Polizeihoheit zunächst vollständig in den Händen der Besatzungsmächte. Die Wiedererrichtung deutscher Polizeikräfte erfolgte schrittweise und unter strenger alliierter Kontrolle. Das Land Nordrhein-Westfalen wurde 1946 durch die britische Besatzungsmacht aus den preußischen Provinzen Nordrhein und Westfalen sowie dem Land Lippe gebildet. Die Landespolizei Nordrhein-Westfalen entstand in diesem Kontext als eine der ersten deutschen Polizeiorganisationen der Nachkriegszeit.
Der Tschako als Kopfbedeckung hat eine lange Tradition in europäischen Militär- und Polizeiorganisationen. Ursprünglich im späten 18. Jahrhundert aus ungarischen Vorbildern entwickelt, wurde der Tschako im 19. Jahrhundert zu einem charakteristischen Element preußischer und deutscher Uniformen. Die Verwendung dieses traditionellen Uniformstücks in der frühen Bundesrepublik zeigt die Kontinuität bestimmter uniformtechnischer Elemente, trotz des radikalen politischen Bruchs von 1945.
Das vorliegende Exemplar besteht aus Vulkanfiber, einem in der Nachkriegszeit häufig verwendeten Material. Vulkanfiber ist ein cellulosehaltiger Werkstoff, der durch seine Robustheit, relative Leichtigkeit und kostengünstige Herstellung überzeugte – wichtige Faktoren in den wirtschaftlich schwierigen Jahren des Wiederaufbaus. Die schwarze Färbung entsprach der traditionellen Farbgebung deutscher Polizeiuniformen und sollte Autorität und Seriosität vermitteln.
Das zentrale dekorative Element bildet der große silberfarbene Polizeistern, ein Symbol, das bereits in der Weimarer Republik und teilweise auch früher Verwendung fand. In der Mitte des Sterns befindet sich das Wappen Nordrhein-Westfalens, das die landespolizeiliche Zugehörigkeit eindeutig kennzeichnet. Dieses Wappen zeigt stilisiert das lippische Ross, den rheinischen Fluss und westfälische Elemente – eine Symbolik, die die verschiedenen historischen Territorien des neuen Bundeslandes vereint.
Der schwarze Ledersturmriemen diente der praktischen Sicherung der Kopfbedeckung und war an Knöpfen mit der Prägung “91” befestigt. Diese Nummerierung bezieht sich wahrscheinlich auf die Normierung oder Typenbezeichnung der verwendeten Uniformknöpfe. Die Kokarde, die am Tschako angebracht war, stellte ein weiteres wichtiges Identifikationsmerkmal dar und folgte den Farbvorschriften der jeweiligen Uniformordnung.
Die Innenausstattung mit gelaschetem Futter – also mit Lederriemen oder -streifen versehener Polsterung – entsprach dem Standard militärischer und polizeilicher Kopfbedeckungen dieser Zeit. Diese Konstruktion gewährleiste einen gewissen Tragekomfort und ermöglichte eine Anpassung an verschiedene Kopfgrößen. Die angegebene Größe von etwa 56 entspricht einem mittleren Kopfumfang und war eine der Standardgrößen.
Die Trageweise um 1950 fällt in eine Zeit intensiver Diskussionen über die Gestaltung und Symbolik deutscher Polizeiuniformen. Die Alliierten, insbesondere die britische Besatzungsmacht in Nordrhein-Westfalen, achteten darauf, dass militaristische Elemente vermieden wurden. Dennoch wurde die Beibehaltung gewisser traditioneller Uniformstücke als wichtig für die Akzeptanz und Autorität der Polizei in der Bevölkerung angesehen.
Ab Mitte der 1950er Jahre begann eine allmähliche Modernisierung der Polizeiuniformen. Der traditionelle Tschako wurde zunehmend durch praktischere Kopfbedeckungen ersetzt, zunächst durch Schirmmützen für den täglichen Dienst. Tschakos blieben jedoch für Paraden und zeremonielle Anlässe noch längere Zeit in Verwendung. Die hier beschriebene Variante für Mannschaften – also für Polizisten der unteren Dienstgrade – unterschied sich in Details von jenen für Unterführer und Offiziere, beispielsweise in der Ausführung der Metallbeschläge oder zusätzlicher Verzierungen.
Heute sind solche Polizeitschakos aus der frühen Bundesrepublik begehrte Sammlerstücke, die einen wichtigen Zeitabschnitt deutscher Polizeigeschichte dokumentieren. Sie zeugen von den Herausforderungen beim Neuaufbau staatlicher Strukturen nach 1945 und von dem Bemühen, Tradition und demokratischen Neuanfang miteinander zu verbinden. Für die uniformkundliche Forschung bieten diese Objekte wertvolle Einblicke in die materielle Kultur der Nachkriegszeit sowie in die Entwicklung regionaler Polizeiorganisationen im föderalen System der Bundesrepublik Deutschland.