III. Reich - WHW - " Opferschiessen 1934/1935 "

Buntmetall, an Nadel, Hersteller : A.Bux Stuttgart, Zustand 2.
372657
85,00

III. Reich - WHW - " Opferschiessen 1934/1935 "

Winterhilfswerk-Abzeichen "Opferschießen 1934/1935"

Das vorliegende Abzeichen dokumentiert eine spezifische Form der nationalsozialistischen Spendensammlung während der frühen Jahre des Dritten Reiches. Es handelt sich um ein Winterhilfswerk (WHW)-Abzeichen mit der Aufschrift "Opferschießen 1934/1935", hergestellt von der Firma A. Bux aus Stuttgart, einem bekannten Hersteller von Abzeichen und metallenen Auszeichnungen dieser Zeit.

Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes wurde im September 1933 als nationalsozialistische Wohlfahrtsorganisation gegründet. Offiziell sollte es der Unterstützung bedürftiger Deutscher während der Wintermonate dienen, tatsächlich diente es aber primär als Propagandainstrument und Mittel zur sozialen Kontrolle. Die Teilnahme am WHW war zwar formal freiwillig, faktisch jedoch bestand ein erheblicher gesellschaftlicher und politischer Druck zur Beteiligung. Wer kein WHW-Abzeichen trug, machte sich verdächtig und musste mit beruflichen oder gesellschaftlichen Konsequenzen rechnen.

Das "Opferschießen" war eine spezielle Veranstaltungsform zur Spendengenerierung, die besonders in den ersten Jahren des NS-Regimes populär war. Bei solchen Veranstaltungen konnten Bürger gegen einen Spendenbeitrag an organisierten Schießwettbewerben teilnehmen. Der Begriff "Opfer" bezieht sich dabei auf das finanzielle Opfer, das der Teilnehmer für die vermeintlich wohltätige Sache brachte. Diese Veranstaltungen verbanden geschickt den traditionell in Deutschland beliebten Schießsport mit der nationalsozialistischen Spendenpropaganda.

Die Saison 1934/1935 war die zweite Winterhilfswerk-Kampagne des NS-Regimes. Nach der Machtübernahme 1933 hatte das Regime begonnen, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu durchdringen, und das WHW spielte dabei eine zentrale Rolle. Im Winter 1934/35 war die Konsolidierung der NS-Herrschaft bereits weit fortgeschritten, und die WHW-Sammlungen erreichten einen hohen Organisationsgrad.

Das Abzeichen besteht aus Buntmetall, einer Kupferlegierung, die typisch für WHW-Abzeichen war. Die Verwendung einfacher Materialien entsprach einerseits der propagierten "Volksgemeinschaft"-Ideologie, war andererseits aber auch der wirtschaftlichen Situation geschuldet. Edelmetalle wurden für rüstungswichtige Zwecke benötigt. Die Befestigung erfolgte mittels einer Nadel auf der Rückseite, was das Tragen am Revers oder an der Kleidung ermöglichte.

Der Hersteller A. Bux aus Stuttgart gehörte zu den zahlreichen Firmen, die im Auftrag der NS-Organisationen Abzeichen produzierten. Die Herstellung solcher Massenartikel war ein bedeutender Wirtschaftszweig, der Tausende von Arbeitskräften beschäftigte. Die Hersteller mussten sich registrieren lassen und bestimmten Qualitätsstandards entsprechen. Viele Abzeichen trugen daher Herstellermarken zur Identifikation.

WHW-Abzeichen wurden in verschiedenen Serien ausgegeben. Neben den monatlichen Sammlungen gab es Sonderaktionen wie das hier dokumentierte Opferschießen. Die Abzeichen dienten als sichtbarer Nachweis der geleisteten Spende und als soziales Kontrollinstrument. Wer kein aktuelles Abzeichen trug, fiel auf und geriet unter Verdacht, sich der "Volksgemeinschaft" zu entziehen.

Die rechtliche Grundlage des WHW wurde durch verschiedene Verordnungen geschaffen. Das Regime nutzte die Organisation auch zur Erfassung der Bevölkerung und zur Durchsetzung ideologischer Ziele. Die Sammlungen waren streng organisiert, mit Blockwarten und anderen Parteifunktionären, die die Beteiligung überwachten.

Aus heutiger Sicht sind WHW-Abzeichen wichtige zeitgeschichtliche Dokumente, die die Durchdringung des Alltags durch die NS-Diktatur illustrieren. Sie zeigen, wie das Regime selbst scheinbar harmlose Aktivitäten wie Wohltätigkeit und Sport für seine Zwecke instrumentalisierte. Die große Anzahl erhaltener Abzeichen zeugt von der massenhaften Produktion und der flächendeckenden Verbreitung dieser Propagandainstrumente.

Sammler und Historiker schätzen solche Objekte heute als materielle Zeugnisse der NS-Zeit. Sie ermöglichen Einblicke in die Alltagsgeschichte des Dritten Reiches und dokumentieren die Mechanismen sozialer Kontrolle und Propaganda. Gleichzeitig erfordern sie eine kritische historische Einordnung, um ihre Rolle im totalitären System verständlich zu machen.

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