III. Reich - Treue um Treue, Saar 1935

Eisenblechabzeichen, an Nadel, Zustand 2
431558
20,00

III. Reich - Treue um Treue, Saar 1935

Das Abzeichen “Treue um Treue, Saar 1935” gehört zu den bedeutsamen Erinnerungsstücken der nationalsozialistischen Propaganda im Zusammenhang mit der Saarabstimmung vom 13. Januar 1935. Dieses Eisenblechabzeichen dokumentiert ein entscheidendes Kapitel der deutschen Geschichte zwischen den beiden Weltkriegen und zeigt die geschickte Instrumentalisierung eines demokratischen Prozesses durch das NS-Regime.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Saargebiet gemäß Artikel 45-50 des Versailler Vertrages von 1919 für 15 Jahre unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt. Die Kohlegruben der Region wurden Frankreich als Entschädigung für die Zerstörung französischer Bergwerke während des Krieges übertragen. Der Vertrag sah vor, dass nach Ablauf dieser Frist eine Volksabstimmung über die politische Zukunft des Gebietes stattfinden sollte. Die Bevölkerung hatte drei Optionen: den Anschluss an Frankreich, den Anschluss an Deutschland oder die Beibehaltung des Status quo unter Völkerbundverwaltung.

Das nationalsozialistische Regime unter Adolf Hitler, das im Januar 1933 an die Macht gekommen war, erkannte die propagandistische Bedeutung dieser Abstimmung. Eine erfolgreiche Rückgliederung des Saargebietes würde nicht nur einen außenpolitischen Erfolg darstellen, sondern auch das Prestige des neuen Regimes im In- und Ausland stärken. Die NS-Propaganda-Maschinerie unter Joseph Goebbels setzte alle verfügbaren Mittel ein, um die Saarbevölkerung für eine Rückkehr zum Deutschen Reich zu gewinnen.

Der Slogan “Treue um Treue” wurde zu einem zentralen Element dieser Kampagne. Er suggerierte eine gegenseitige Verpflichtung zwischen dem Reich und der Saarbevölkerung: Die Saarländer sollten dem deutschen Vaterland die Treue halten, während das Reich versprach, sich im Gegenzug treu um das Wohl der Region zu kümmern. Diese emotionale Botschaft zielte auf die nationale Identität und das Zusammengehörigkeitsgefühl der deutschen Bevölkerung ab.

Die Abstimmung am 13. Januar 1935 brachte ein überwältigendes Ergebnis: 90,73 Prozent der Abstimmenden entschieden sich für die Rückkehr zu Deutschland. Nur etwa 9 Prozent stimmten für den Status quo, und weniger als 1 Prozent für einen Anschluss an Frankreich. Von den etwa 528.000 Stimmberechtigten gaben rund 98 Prozent ihre Stimme ab. Dieses Ergebnis wurde international als legitimer Ausdruck des Volkswillens anerkannt, auch wenn die massive propagandistische Beeinflussung durch das NS-Regime unbestreitbar war.

Am 1. März 1935 erfolgte die offizielle Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich. Dieser Tag wurde mit großen Feierlichkeiten begangen und propagandistisch ausgeschlachtet. Das Ereignis wurde als erster großer außenpolitischer Triumph Hitlers dargestellt, der angeblich ohne Gewalt und auf demokratischem Wege erreicht worden war.

In diesem Kontext wurden zahlreiche Erinnerungsabzeichen und Medaillen hergestellt und verteilt. Das vorliegende Eisenblechabzeichen gehört zu dieser Kategorie von Propagandamaterialien. Solche Abzeichen wurden oft aus kostengünstigen Materialien wie Eisenblech gefertigt, um eine massenhafte Verbreitung zu ermöglichen. Sie wurden mit Nadelbefestigung versehen, sodass sie an der Kleidung getragen werden konnten. Die Träger solcher Abzeichen demonstrierten damit ihre Unterstützung für die Rückgliederung und ihre Loyalität zum NS-Regime.

Die Gestaltung solcher Abzeichen folgte typischerweise den ästhetischen Konventionen der NS-Propaganda: klare, kraftvolle Symbolik, eingängige Parolen und oft die Verwendung traditioneller deutscher Symbole. Die Massenproduktion und Verteilung solcher Erinnerungsstücke war Teil einer umfassenden Strategie zur Schaffung einer emotionalen Bindung der Bevölkerung an das Regime und seine “Erfolge”.

Aus heutiger Sicht sind diese Objekte wichtige historische Quellen für das Verständnis der NS-Propagandamethoden und der politischen Kultur des Dritten Reiches. Sie dokumentieren, wie das Regime demokratische Prozesse für seine Zwecke instrumentalisierte und symbolische Politik betrieb. Die Saarabstimmung war tatsächlich der letzte weitgehend freie Volksentscheid im Zusammenhang mit dem NS-Regime; spätere “Abstimmungen” wie jene nach dem Anschluss Österreichs 1938 fanden bereits unter vollständiger nationalsozialistischer Kontrolle statt.

Sammlungen solcher Abzeichen bieten heute Einblick in die materielle Kultur und die Propagandastrategien der NS-Zeit. Sie sind Zeugnisse einer Epoche, die kritische historische Aufarbeitung erfordert und zur Mahnung dienen soll.