SS-Porzellanmanufaktur Allach Teller "Julfest 1942"
Der SS-Porzellanmanufaktur Allach Julfest-Teller von 1942 repräsentiert eines der ungewöhnlichsten kulturpolitischen Projekte des nationalsozialistischen Regimes: den Versuch, christliche Traditionen durch eine ideologisch geprägte, angeblich germanisch-heidnische Festkultur zu ersetzen. Dieses weiß glasierte Porzellanobjekt mit einem Durchmesser von etwa 250 mm wurde in einem der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte produziert und verkörpert die perverse Verbindung von Kunsthandwerk und Zwangsarbeit.
Die Porzellan Manufaktur Allach wurde 1935 im Münchner Vorort Allach gegründet mit dem erklärten Ziel, hochwertiges Porzellan herzustellen, das germanische Kultur repräsentieren sollte. Nach dem ersten Produktionsjahr geriet die Manufaktur unter direkte Kontrolle der SS und wurde zu einem Lieblingsprojekt Heinrich Himmlers. Im Oktober 1937 wurde die Produktion in eine Einrichtung des Konzentrationslagers Dachau verlegt. Ab 1941 wurden etwa 50 Häftlinge aus Dachau zusammen mit deutschen Zivilisten zur Zwangsarbeit in der Produktion eingesetzt. Diese Verbindung von ästhetischem Anspruch und brutalster Ausbeutung charakterisiert die wirtschaftlichen Unternehmungen der SS während des Krieges.
Im Jahr 1936 führte Himmler ein System genehmigter Feiertage ein, die auf vermeintlich heidnischen Traditionen basierten. Das Julfest sollte die christlichen Weihnachtsriten ersetzen und war Teil dieses ideologischen Programms. Die Julfest-Teller waren materielle Manifestationen dieser neo-germanischen Ersatzreligion. Der Teller von 1942 entstand während des Zweiten Weltkriegs, als Deutschland im totalen Krieg stand und die industrielle Vernichtungsmaschinerie der Konzentrationslager bereits in vollem Gange war.
Das zentrale Motiv des Tellers zeigt eine Fackel vor einem Sonnenrad (einer stilisierten Hakenkreuz-Sonne), umgeben von dekorativen Elementen einschließlich Hagal-Runen und Herzen. Die Inschrift lautet “Nur aus Opfern steigt groß das Reich” zusammen mit der Jahreszahl “Julfest 1942” in Relief. Diese Botschaft gewann 1942, nach den ersten verheerenden Rückschlägen an der Ostfront, eine besonders zynische Bedeutung. Die Elemente sind in erhabenem Relief auf dem weißen Porzellan gearbeitet.
Auf der Rückseite trägt der Teller die charakteristische grüne Allach-Herstellermarke unter der Glasur, die SS-Runen in einem Oktagon zeigt. Ein entscheidendes Merkmal zur Identifikation der Variante ist, dass diese Himmler-Variante nicht die Inschrift “Julgabe des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes” trägt, die die alternative Pohl-Variante kennzeichnet.
Tatsächlich existieren zwei verschiedene Varianten des Julfest-Tellers 1942. Die hier vorliegende Himmler-Variante ist komplett weiß glasiert mit Reliefdekor und zeigt Fackel und Sonnenrad. Sie wurde persönlich von Reichsführer-SS Heinrich Himmler überreicht. Die zweite, Pohl-Variante, war weiß glasiert mit farbigem Dekor von Schneeglockenblumen und trug auf der Rückseite die Aufschrift “Julgabe des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes”. Sie wurde von SS-Obergruppenführer Oswald Pohl überreicht, dem Chef des im Februar 1942 gegründeten SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes (WVHA), das die wirtschaftlichen Unternehmen der SS, die Finanzen und die Verwaltung der Konzentrationslager verwaltete. Himmler produzierte fünf jährliche Versionen (1940-1944), während Pohl vier farbige Versionen (1941-1944) herausgab.
Diese Teller waren nicht kommerziell erhältlich und konnten nicht gekauft werden. Die Himmler-Variante wurde ausschließlich ausgewählten Persönlichkeiten überreicht, denen Heinrich Himmler während der Weihnachts- bzw. Jul-Saison besondere Gunst erweisen wollte. Die Empfänger standen auf Himmlers persönlichen Listen. Die Teller wurden bei der Feier von Weihnachten und der Wintersonnenwende als Teil des SS-Julfest-Rituals verwendet, das christliche Riten durch neo-heidnische germanische Traditionen ersetzen sollte.
Die Produktion endete 1945 mit dem Fall des nationalsozialistischen Deutschlands und der Befreiung der Konzentrationslager. Die Allach-Fabrik wurde aufgegeben, und ihre Formen wurden von den alliierten Streitkräften zerstört oder beschlagnahmt. Oswald Pohl wurde im Mai 1946 gefasst, in Nürnberg im Pohl-Prozess (NMT Fall 4) angeklagt, wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation verurteilt und am 8. Juni 1951 durch Erhängen hingerichtet.
Heute sind Allach-Porzellane einschließlich der Julfest-Teller seltene und kontroverse Sammlerstücke, die von Museen und Sammlern als historische Zeugnisse behandelt werden, nicht als verherrlichte Memorabilia. Ein Referenzteller ist auf Seite 84 des Buches “Allach Porcelain” von Tony Oliver und Michael Passmore dokumentiert.