NSKK / DDAC - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Dreitage Harzfahrt 1934 "
Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette zur "Dreitagefahrt Harz 1934" stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der frühen NS-Motorisierungspropaganda dar. Hergestellt von der renommierten Firma Wiedmann aus Frankfurt am Main, dokumentiert dieses aus getöntem, teilweise emailliertem Messing gefertigte Objekt die Aktivitäten des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) und des Deutschen Automobil-Clubs (DDAC) in der Anfangsphase des Dritten Reiches.
Das NSKK wurde im April 1931 als Unterorganisation der SA gegründet und am 23. August 1934 durch Adolf Hitler zu einer eigenständigen Gliederung der NSDAP erhoben. Unter der Leitung von Korpsführer Adolf Hühnlein entwickelte sich das NSKK zur zentralen Organisation für die Motorisierung der deutschen Bevölkerung und diente gleichzeitig der paramilitärischen Ausbildung. Die Organisation umfasste bis 1945 etwa 500.000 Mitglieder und spielte eine wesentliche Rolle bei der Vorbereitung der Wehrmacht auf den motorisierten Krieg.
Der DDAC, 1933 durch die Gleichschaltung des ADAC entstanden, wurde faktisch zur Vorfeldorganisation des NSKK. Beide Organisationen arbeiteten eng zusammen bei der Durchführung von Motorsportveranstaltungen, Rallyes und Orientierungsfahrten, die sowohl propagandistische als auch praktische Zwecke erfüllten. Sie dienten der Popularisierung des Automobils, der Schulung von Fahrern und Mechanikern sowie der Demonstration deutscher Ingenieurskunst und Leistungsfähigkeit.
Die "Dreitagefahrt Harz 1934" fügt sich in eine Reihe von Motorsportveranstaltungen ein, die in den frühen Jahren des NS-Regimes systematisch organisiert wurden. Der Harz bot mit seinen kurvenreichen Straßen, anspruchsvollen Steigungen und malerischen Landschaften einen idealen Schauplatz für solche Veranstaltungen. Diese Fahrten waren mehr als sportliche Wettkämpfe – sie waren inszenierte Propagandaereignisse, die Modernität, technischen Fortschritt und nationale Gemeinschaft demonstrieren sollten.
Das Jahr 1934 war für beide Organisationen von besonderer Bedeutung. Nach der Machtübernahme 1933 befand sich das NS-Regime in einer Phase der Konsolidierung. Die Motorisierung wurde als Schlüssel zur wirtschaftlichen Erholung und militärischen Stärke betrachtet. Hitler persönlich förderte den Automobilbau und kündigte bereits 1933 den Bau der Reichsautobahnen an. In diesem Kontext dienten Veranstaltungen wie die Harzfahrt der Mobilisierung der Bevölkerung für diese Ziele.
Die vorliegende Plakette mit ihren Maßen von 52 x 75 mm und zwei Bohrungen zur Befestigung war nicht zum Tragen an der Uniform bestimmt, sondern sollte wahrscheinlich an Fahrzeugen, Trophäen oder in Vitrinen angebracht werden. Die Verwendung von teilweise emailliertem Messing zeigt die qualitativ hochwertige Fertigung, die für solche Erinnerungsstücke typisch war. Die Firma Wiedmann aus Frankfurt am Main gehörte zu den etablierten Herstellern von Orden, Abzeichen und Plaketten in der NS-Zeit und stand für handwerkliche Präzision.
Nichttragbare Plaketten dieser Art wurden an Teilnehmer, Organisatoren oder Förderer von Veranstaltungen ausgegeben. Sie dienten als Erinnerungsstücke und Statussymbole, die die Zugehörigkeit zu einer Elite demonstrierten – Menschen, die sich ein Automobil leisten konnten und an offiziellen Veranstaltungen teilnahmen. In einer Zeit, in der Automobilbesitz noch ein Privileg war, hatten solche Objekte einen besonderen Prestigewert.
Die Gestaltung solcher Plaketten folgte üblicherweise der NS-Ästhetik mit klaren, geometrischen Formen, Hoheitszeichen, und der typischen Symbolik von Bewegung und Kraft. Die Emaillearbeiten, oft in den Farben Schwarz, Weiß und Rot der NS-Flagge oder in regionalen Farben, verliehen den Stücken zusätzliche visuelle Attraktivität und Symbolkraft.
Aus historischer Perspektive dokumentieren solche Objekte die umfassende Durchdringung des Alltags durch NS-Organisationen. Selbst Freizeitaktivitäten wie Automobilfahrten wurden ideologisch aufgeladen und in den Dienst der nationalsozialistischen Weltanschauung gestellt. Die Verbindung von Sport, Technik und Politik war charakteristisch für das NS-Regime, das moderne Massenmedien und -veranstaltungen geschickt für seine Zwecke einsetzte.
Heute sind solche Plaketten wichtige Quellen für die Erforschung der NS-Alltagsgeschichte, der Motorisierungsgeschichte und der Propagandamechanismen des Dritten Reiches. Sie erinnern daran, wie selbst scheinbar unpolitische Bereiche wie der Motorsport instrumentalisiert wurden. Sammler und Museen bewahren diese Objekte als Zeugnisse einer Epoche, deren kritische Aufarbeitung für das historische Verständnis unverzichtbar bleibt.