Hessen-Darmstadt Kabinettfoto eines Soldaten im Leibgarde-Infanterie-Regiment (1. Großherzoglich-Hessisches) Nr. 115

mit dem Kaiserschießpreis für die Infanterie «1909» am rechten Ärmel. Atelier «Hoffmann» in «Darmstadt». Maße 5.9 x 12.8 cm Zustand 2.

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50,00

Hessen-Darmstadt Kabinettfoto eines Soldaten im Leibgarde-Infanterie-Regiment (1. Großherzoglich-Hessisches) Nr. 115

Das Leibgarde-Infanterie-Regiment (1. Großherzoglich Hessisches) Nr. 115 stellte eine der bedeutendsten militärischen Einheiten des Großherzogtums Hessen-Darmstadt innerhalb der preußisch dominierten Reichsarmee dar. Dieses Kabinetfoto aus dem Atelier Hoffmann in Darmstadt dokumentiert einen Soldaten dieses traditionsreichen Regiments und zeigt eine bemerkenswerte militärische Auszeichnung: den Kaiserschießpreis für die Infanterie von 1909.

Das Regiment Nr. 115 wurde im Rahmen der Heeresreform von 1899 in die nummerierte Struktur der kaiserlichen Armee eingegliedert. Als Leibgarde-Regiment genoss es besondere Privilegien und stand unter dem direkten Patronat des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt. Die Einheit war in Darmstadt garnisioniert und bildete einen wesentlichen Bestandteil der XXV. (Großherzoglich Hessischen) Division des XVIII. Armeekorps.

Der auf dem Foto sichtbare Kaiserschießpreis am rechten Ärmel stellt eine bedeutende militärische Auszeichnung der wilhelminischen Ära dar. Kaiser Wilhelm II. führte diese Schießpreise ein, um die Schießfertigkeit der Truppen zu fördern und militärischen Wettkampfgeist zu kultivieren. Die Verleihung erfolgte nach strengen Reglementen und war an hervorragende Leistungen bei den jährlichen Schießübungen gebunden. Die Jahreszahl “1909” weist darauf hin, dass der abgebildete Soldat bei den Wettbewerben dieses Jahres außergewöhnliche Schießkunst bewiesen hatte.

Das Atelier Hoffmann in Darmstadt war eines der renommierten Fotografenateliers, die sich auf militärische Porträtfotografie spezialisiert hatten. In der Zeit des Kaiserreichs erlebte die Militärfotografie eine Blütezeit, da Soldaten und ihre Familien diese Aufnahmen als wertvolle Erinnerungsstücke schätzten. Die Kabinettfotografie, ein Format von etwa 10 x 15 cm auf Karton montiert, war ab den 1870er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg das Standardformat für repräsentative Porträts.

Die Uniform des Leibgarde-Infanterie-Regiments Nr. 115 folgte den preußischen Regulierungen für Infanterie-Regimenter, wies jedoch distinktive hessische Besonderheiten auf. Die hessischen Regimenter behielten gewisse traditionelle Elemente bei, die ihre regionale Identität innerhalb der Reichsarmee betonten. Die Ausgehuniform, wie sie auf Fotografien üblicherweise dargestellt wurde, bestand aus dem dunkelblauen Waffenrock mit roten Aufschlägen und Kragenpatten.

Das Jahr 1909, in dem der abgebildete Soldat den Kaiserschießpreis erwarb, fiel in eine Zeit relativer Stabilität, aber auch zunehmender internationaler Spannungen. Die deutsche Armee befand sich in einer Phase der Modernisierung und Expansion. Die Bedeutung präziser Schießfertigkeit wurde besonders betont, da man erkannte, dass die modernen Feuerwaffen und die veränderte Taktik höchste Anforderungen an die Ausbildung stellten.

Die Schießausbildung in der kaiserlichen Armee folgte detaillierten Vorschriften, die in den Exerzier-Reglements festgelegt waren. Die Soldaten mussten regelmäßig auf Schießständen üben, und die besten Schützen jeder Kompanie wurden für Wettkämpfe auf Regiments-, Divisions- und Korpsebene ausgewählt. Die Gewinner dieser Wettbewerbe konnten sich für die höchste Ehre qualifizieren: den Kaiserschießpreis, der vom Kaiser persönlich gestiftet wurde.

Das Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 nahm 1914 am Ersten Weltkrieg teil und kämpfte an verschiedenen Fronten. Die Einheit erlitt schwere Verluste während der vier Kriegsjahre, insbesondere in den großen Schlachten an der Westfront. Nach dem Waffenstillstand von 1918 und der Novemberrevolution wurde das Regiment wie alle deutschen Militäreinheiten der Monarchie aufgelöst.

Solche Kabinettfotos wie das vorliegende haben heute erheblichen historischen Wert. Sie dokumentieren nicht nur individuelle Soldatenschicksale, sondern auch die militärische Kultur, Uniformkunde und das Auszeichnungswesen des Kaiserreichs. Für die militärhistorische Forschung sind sie unschätzbare Quellen, die Einblick in den Alltag, die Hierarchien und die Wertesysteme der wilhelminischen Armee geben.

Die Erhaltung solcher fotografischen Dokumente ermöglicht es nachfolgenden Generationen, die Geschichte jener Epoche lebendig zu halten und die Schicksale der Männer zu würdigen, die in diesen Uniformen dienten, unabhängig von den politischen Bewertungen ihrer Zeit.

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