Verleihungsurkunde - Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern - 3./Bau-Pionier Bataillon 112 /RAD
Die vorliegende Verleihungsurkunde zum Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern stellt ein bedeutendes Dokument aus der Endphase des Zweiten Weltkriegs dar. Ausgestellt am 30. Januar 1945, nur wenige Monate vor der deutschen Kapitulation, dokumentiert sie die Verleihung dieser Auszeichnung an einen Obergefreiten des 3. Kompanie, Bau-Pionier-Bataillon 112.
Das Kriegsverdienstkreuz wurde am 18. Oktober 1939 durch Adolf Hitler gestiftet und sollte Verdienste im Kriege würdigen, die nicht unmittelbar im Kampfeinsatz erworben wurden. Die Auszeichnung existierte in zwei Klassen und konnte mit oder ohne Schwerter verliehen werden. Die Variante mit Schwertern war für Verdienste vorgesehen, die in direktem Zusammenhang mit Kampfhandlungen standen, während die Version ohne Schwerter eher für Leistungen im Hinterland gedacht war.
Die Urkunde trägt die Unterschrift von Generaloberst Hans Kreysing, der zu diesem Zeitpunkt als General der Gebirgstruppe und Oberbefehlshaber der 8. Armee fungierte. Kreysing war ein hochdekorierter Offizier, der mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern ausgezeichnet worden war. Im Januar 1945 befand sich die 8. Armee in Italien, wo sie gegen die alliierten Streitkräfte kämpfte. Kreysing hatte das Kommando über diese Armee im Dezember 1944 übernommen und führte sie in den letzten Monaten des Krieges unter zunehmend schwierigen Bedingungen.
Das Bau-Pionier-Bataillon 112 gehörte zu den technischen Truppen der Wehrmacht und hatte vielfältige Aufgaben. Bau-Pioniere waren für militärische Bauvorhaben, die Errichtung von Befestigungen, den Bau und die Instandhaltung von Brücken sowie für Sprengarbeiten zuständig. Im Kontext des Rückzugsgefechtes, das die Wehrmacht Anfang 1945 führte, waren solche Einheiten von entscheidender Bedeutung für die Verzögerung des alliierten Vormarschs.
Die Verbindung zum Reichsarbeitsdienst (RAD) in der Objektbeschreibung deutet darauf hin, dass der Ausgezeichnete möglicherweise zuvor im RAD gedient hatte, bevor er zur Wehrmacht eingezogen wurde. Der RAD war eine paramilitärische Organisation, die 1935 eingeführt wurde und deren Mitglieder häufig später in die Wehrmacht überführt wurden, insbesondere in technische Einheiten wie Pionier-Bataillone.
Der Ausstellungszeitpunkt der Urkunde ist von besonderer historischer Bedeutung. Ende Januar 1945 war die militärische Lage des Deutschen Reiches aussichtslos. Im Osten hatte die Rote Armee die Oder erreicht, im Westen standen die Alliierten am Rhein, und in Italien war die Wehrmacht in die Defensive gedrängt. Dennoch wurde das militärische Auszeichnungssystem bis in die letzten Kriegstage aufrechterhalten, was die Bedeutung solcher Ehrungen für die Aufrechterhaltung der Moral und Disziplin unterstreicht.
Die Verleihungsurkunden des Kriegsverdienstkreuzes folgten einem standardisierten Format, das durch das Reichsministerium festgelegt wurde. Sie enthielten typischerweise den Namen des Ausgezeichneten, seinen Rang, seine Einheit, das Datum der Verleihung sowie die Unterschrift und den Dienstgrad des verleihenden Offiziers. Die Urkunden wurden auf hochwertigem Papier gedruckt und waren häufig mit dem Hoheitszeichen des Deutschen Reiches versehen.
Der dokumentierte Erhaltungszustand 2 mit mehrfachen Faltungen ist typisch für solche Dokumente. Soldaten trugen ihre Verleihungsurkunden häufig bei sich oder bewahrten sie unter schwierigen Feldbedingungen auf, was zu Abnutzungserscheinungen führte. Die Faltungen deuten darauf hin, dass das Dokument zusammengefaltet transportiert wurde, möglicherweise in einer Brusttasche oder einem Soldbuch.
Aus historischer Perspektive sind solche Verleihungsurkunden wichtige Primärquellen für die Militärgeschichtsforschung. Sie ermöglichen die Rekonstruktion von Truppenstrukturen, Befehlsketten und individuellen Karriereverläufen. Die Unterschrift eines hochrangigen Offiziers wie Kreysing verleiht dem Dokument zusätzliche historische Bedeutung und ermöglicht Rückschlüsse auf die Kommandostrukturen der späten Kriegsphase.
Heute sind solche Dokumente Teil des kollektiven historischen Gedächtnisses und dienen als materielle Zeugnisse einer dunklen Epoche der deutschen Geschichte. Sie werden von Museen, Archiven und privaten Sammlern bewahrt und tragen zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs bei.