Preußen Schirmmütze aus dem persönlichen Besitz des Kronprinzen Wilhelm von Preußen als Oberst à la Suite im 1. Garde-Regiment zu Fuß

Um 1910. Elegante, besonders hohe elegante Sattelform, die der Kronprinz besonders gern trug. Das Tuch in dunkelblau mit rotem Mützenbund und Vorstoß, beide Kokarden in feiner Offiziersausführung, kurzer , schwarzer geprägter Lederschirm. Innen mit hellbraunem Schweißband und rotem Seidenfutter, im Futter eingeprägt die Initialen Königskrone über "W" für Kronprinz Wilhelm, Größe ca. 56. HInten im Schweißleder die alten Inventarstempel aus dem "Kostümfundus Kassel". Leicht getragen in gutem Zustand.

Der Kronprinz war auch Oberst à la Suite im Grenadier-Regiment Kronpinz (1. Ostpreußisches) Nr. 1, zu der diese Schirmmütze ebenfalls getragen wurde.


445861
6.500,00

Preußen Schirmmütze aus dem persönlichen Besitz des Kronprinzen Wilhelm von Preußen als Oberst à la Suite im 1. Garde-Regiment zu Fuß

Die preußische Schirmmütze (Peaked Cap) stellte um 1910 einen wesentlichen Bestandteil der Offiziersuniform des Deutschen Kaiserreichs dar. Das hier beschriebene Exemplar verkörpert nicht nur die militärische Tradition Preußens, sondern auch die persönliche Stilvorliebe des Kronprinzen Wilhelm von Preußen (1882-1951), des ältesten Sohnes Kaiser Wilhelms II. und letzten deutschen Kronprinzen.

Die charakteristische Sattelform dieser Mütze, besonders hoch ausgeführt, entsprach der persönlichen Präferenz des Kronprinzen und unterschied sich von den standardisierten Modellen. Solche individuellen Anfertigungen waren bei hochrangigen Mitgliedern des preußischen Königshauses üblich und wurden von spezialisierten Hoflieferanten gefertigt. Die dunkelblaue Grundfarbe mit rotem Mützenbund kennzeichnete die Garde-Regimenter, die Elite der preußischen Armee.

Das 1. Garde-Regiment zu Fuß, dem der Kronprinz als Oberst à la Suite angehörte, war eines der prestigeträchtigsten Infanterieregimenter der preußischen Armee. Gegründet 1806 als Gardegrenadiere, trug das Regiment eine ruhmreiche Geschichte durch die Befreiungskriege, die Einigungskriege und bis zum Ersten Weltkrieg. Der Rang eines Oberst à la Suite war ein Ehrentitel, der Mitgliedern des Königshauses oder besonders verdienten Persönlichkeiten verliehen wurde, ohne dass damit eine aktive Truppenführung verbunden war.

Die Ausführung mit zwei Kokarden in feiner Offiziersqualität entsprach den preußischen Uniformvorschriften. Die größere schwarzweiße Kokarde symbolisierte Preußen, während die kleinere schwarz-weiß-rote Kokarde das Deutsche Reich repräsentierte. Diese doppelte Symbolik verdeutlichte die Dualität zwischen preußischer Tradition und deutscher Reichseinheit, die das Kaiserreich prägte.

Der schwarze geprägte Lederschirm war typisch für Offiziersausführungen und unterschied sich von den lackierten Schirmen der Mannschaftsdienstgrade. Das innere Arrangement mit hellbraunem Schweißband und rotem Seidenfutter entsprach höchsten Qualitätsstandards. Besonders bemerkenswert ist die eingebrannte Königskrone über dem Initial “W”, die die Mütze eindeutig als persönliches Eigentum des Kronprinzen ausweist.

Der Kronprinz Wilhelm diente nicht nur im 1. Garde-Regiment zu Fuß, sondern auch als Oberst à la Suite im Grenadier-Regiment Kronprinz (1. Ostpreußisches) Nr. 1. Dieses Regiment, stationiert in Königsberg, trug seinen Namen und gehörte ebenfalls zu den traditionsreichsten Verbänden der preußischen Armee. Die Uniform beider Regimenter war ähnlich gestaltet, sodass diese Schirmmütze zu beiden getragen werden konnte.

Die Provenienz über den Kostümfundus Kassel ist historisch bedeutsam. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie 1918 gelangten zahlreiche militärische Uniformstücke und Ausrüstungsgegenstände des ehemaligen Königshauses in verschiedene Sammlungen und Archive. Der Kostümfundus Kassel bewahrte solche historischen Textilien für Theater- und Filmproduktionen auf, diente aber auch als Archiv für kulturhistorisch bedeutsame Kleidungsstücke.

Die Zeit um 1910 markierte den Höhepunkt des wilhelminischen Deutschlands. Das Kaiserreich befand sich auf dem Zenit seiner Macht, die Armee genoss höchstes Ansehen, und die Uniformkultur erreichte einen Grad an Prunk und Detailversessenheit, der später nie wieder erreicht wurde. Der Kronprinz Wilhelm, damals in seinen späten Zwanzigern, galt als modebewusst und stilsicher, was sich in der eleganten Ausführung seiner Uniformstücke widerspiegelte.

Die militärische Karriere des Kronprinzen war eng mit der preußisch-deutschen Militärtradition verwoben. Im Ersten Weltkrieg kommandierte er die 5. Armee und später die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nach der Abdankung seines Vaters im November 1918 verzichtete auch er auf seine Thronansprüche und lebte bis zu seinem Tod 1951 im niederländischen und später im deutschen Exil.

Solche persönlichen Uniformstücke hochrangiger Persönlichkeiten sind heute rare Zeugnisse einer untergegangenen Epoche. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität der damaligen Hoflieferanten, sondern auch die strikte Hierarchie und Symbolsprache des preußischen Militärwesens. Die sorgfältige Kennzeichnung mit königlichen Insignien und die präzise Ausführung nach Rang und Regiment machen jeden dieser Gegenstände zu einem Lehrstück preußischer Ordnung und Tradition.