Elastolin - 1. Weltkrieg Preussen, Soldat Marschfigur
Die Elastolin-Figur eines preußischen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Spielzeug- und Sammlertradition des 20. Jahrhunderts. Diese Marschfigur, mit einer Höhe von 10 cm auf grünem Massesockel, wurde von der Hausser-Firma hergestellt, die unter dem Markennamen Elastolin weltberühmt wurde.
Die O. & M. Hausser KG in Ludwigsburg gründete 1904 ihre Produktion und entwickelte um 1926 das revolutionäre Material Elastolin, eine Masse aus Kasein, Kreide, Glycerin, Leim und anderen Zusätzen, die auf Drahtgestelle modelliert wurde. Diese Technik ermöglichte die Herstellung detailreicher, aber dennoch robuster Figuren, die sich deutlich von den traditionellen Zinnfiguren unterschieden. Die Elastolin-Figuren waren leichter, farbenprächtiger und für Kinder sicherer im Spiel.
Die Darstellung preußischer Soldaten des Ersten Weltkrieges bildete einen Schwerpunkt der Elastolin-Produktion. Preußen, als dominierender Staat im Deutschen Kaiserreich, stellte den größten Teil der kaiserlichen Armee. Die preußische Uniform des Ersten Weltkrieges durchlief während des Konflikts bedeutende Veränderungen. Zu Kriegsbeginn 1914 trugen die Soldaten noch die traditionellen Uniformen mit der charakteristischen Pickelhaube, doch die Realität des modernen Krieges erzwang schnelle Anpassungen.
Ab 1915 wurde die feldgraue Uniform Standard, und die unpraktische Pickelhaube wurde zunehmend durch den Stahlhelm M1916 ersetzt, der zum ikonischen Symbol des deutschen Soldaten wurde. Die Marschausrüstung umfasste typischerweise das Gewehr 98, Tornister, Brotbeutel, Feldflasche und Patronentaschen. Diese Details wurden von Elastolin mit bemerkenswerter Genauigkeit in Miniatur nachgebildet.
Die Sammelleidenschaft für militärische Elastolin-Figuren entwickelte sich parallel zur Produktion. Während die Figuren ursprünglich als Kinderspielzeug konzipiert waren, erkannten bald auch Erwachsene ihren historischen und ästhetischen Wert. Die Firma Hausser produzierte umfangreiche Serien verschiedener Truppengattungen, Dienstgrade und Ausrüstungsvarianten, was das systematische Sammeln ermöglichte.
Der historische Kontext dieser Figuren ist vielschichtig. Sie entstanden in einer Zeit, in der militärische Themen einen hohen Stellenwert in der deutschen Gesellschaft hatten. Die Produktion militärischer Spielzeugfiguren diente nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der patriotischen Erziehung und der Vermittlung militärischer Traditionen. Nach dem Ersten Weltkrieg und besonders während der Weimarer Republik blieben diese Figuren populär, da sie eine Verbindung zur verlorenen kaiserlichen Vergangenheit darstellten.
Die Qualitätsbeurteilung von Elastolin-Figuren folgt einem etablierten System. Der angegebene “Zustand 2-” bedeutet, dass die Figur in sehr gutem bis gutem Erhaltungszustand ist, mit möglicherweise minimalen Gebrauchsspuren. Der grüne Massesockel ist charakteristisch für frühere Produktionsperioden und diente der Stabilität der Figur.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Hausser die Produktion wieder auf, konzentrierte sich jedoch zunehmend auf weniger militaristische Themen. Die Elastolin-Produktion wurde schließlich in den 1980er Jahren eingestellt, was die verbliebenen Figuren zu begehrten Sammlerobjekten machte. Heute werden originale Elastolin-Figuren des Ersten Weltkrieges von Sammlern weltweit geschätzt, nicht nur wegen ihrer handwerklichen Qualität, sondern auch als kulturhistorische Dokumente einer vergangenen Epoche.
Die kulturelle Bedeutung solcher Objekte liegt in ihrer Funktion als materielle Zeugnisse der Erinnerungskultur. Sie dokumentieren, wie vergangene Generationen Geschichte darstellten, vermittelten und kommerzialisierten. Für Militärhistoriker bieten sie Einblicke in die Uniformgeschichte und die zeitgenössische Wahrnehmung militärischer Einheiten.