Elastolin - Heer 2 Tenorhornbläser marschierend
Die vorliegende Elastolin-Figur zweier marschierender Tenorhornbläser des deutschen Heeres aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 repräsentiert ein faszinierendes Beispiel der deutschen Spielzeugherstellung und Militaria-Produktion der Vorkriegs- und Kriegszeit. Mit einer Höhe von 7,5 cm gehört diese Figur zur klassischen Standardgröße der Elastolin-Massefiguren, die durch die Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg hergestellt wurden.
Die Firma Hausser begann bereits in den 1920er Jahren mit der Produktion von Massefiguren unter dem Markennamen Elastolin. Das Material bestand aus einer Mischung aus Kasein, Kreide, Glycerin und weiteren Bestandteilen, die auf einen Drahtkern aufgebracht und anschließend handbemalt wurde. Diese Technik ermöglichte eine detailgetreue Darstellung militärischer Uniformen und Ausrüstungsgegenstände bei gleichzeitig relativ günstigen Produktionskosten.
Militärmusiker, insbesondere Tenorhornbläser, spielten eine wichtige Rolle in der Tradition der deutschen Militärkapellen. Das Tenorhorn gehörte zur Standardbesetzung der Regimentskapellen und wurde bei Paraden, Aufmärschen und offiziellen Anlässen eingesetzt. Die marschierende Haltung der Figuren spiegelt die militärische Praxis wider, bei der Musikerformationen im Gleichschritt auftraten und dabei ihre Instrumente spielten.
In der Wehrmacht und den anderen Wehrmachtsteilen war die militärmusikalische Ausbildung fest verankert. Jedes Regiment verfügte über eine eigene Kapelle, deren Aufgabe es war, bei militärischen Zeremonien, Truppenparaden und Durchmärschen für musikalische Untermalung zu sorgen. Die Uniformierung der Musiker entsprach grundsätzlich der der jeweiligen Truppengattung, wobei sie durch besondere Schwalbennester an den Schultern und spezielle Abzeichen gekennzeichnet waren.
Die Firma Hausser produzierte während der 1930er und frühen 1940er Jahre ein umfangreiches Sortiment an Heer-, Marine- und Luftwaffenfiguren. Die Qualität der Bemalung und die Detailtreue der Uniformdarstellung machten Elastolin-Figuren zu begehrten Spielzeugen, die gleichzeitig auch von erwachsenen Sammlern geschätzt wurden. Die Figuren wurden in verschiedenen Serien und Sets angeboten, wobei Musikerzüge eine beliebte Kategorie darstellten.
Der Erhaltungszustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das vermutlich nur geringe Gebrauchsspuren aufweist. Bei Elastolin-Figuren aus dieser Zeit sind Beschädigungen wie abgeplatzte Farbe, Risse in der Masse oder verbogene Drahtgestelle häufige Alterungserscheinungen. Gut erhaltene Exemplare mit intakter Bemalung und vollständiger Ausstattung sind heute relativ selten.
Die Produktion bei Hausser wurde während des Zweiten Weltkriegs zunehmend eingeschränkt, da Rohstoffe knapp wurden und die Produktionskapazitäten für kriegswichtige Güter benötigt wurden. Nach 1945 wurde die Produktion wieder aufgenommen, allerdings unter veränderten Bedingungen und mit anderen thematischen Schwerpunkten. Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit sind daher heute besonders gesucht und werden von Sammlern als historische Zeitzeugnisse geschätzt.
Aus sammlertechnischer Sicht sind Elastolin-Musikerfiguren besonders interessant, da sie oft in kleineren Stückzahlen produziert wurden als kämpfende Truppen. Die Darstellung von zwei Tenorhornbläsern auf einer gemeinsamen Basis ist typisch für die Bemühungen der Firma, dynamische Szenen und geschlossene Formationen darzustellen. Die marschierende Haltung vermittelt Bewegung und militärische Disziplin.
Heute sind solche Figuren wichtige Studienobjekte für die Erforschung der deutschen Militärgeschichte, der Uniformkunde und der Spielzeugherstellung. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Realität ihrer Entstehungszeit, sondern auch die zeitgenössische Wahrnehmung und Darstellung des Militärs in der Gesellschaft. Die handwerkliche Qualität und die historische Bedeutung machen sie zu wertvollen Sammlerstücken, die einen Einblick in eine vergangene Epoche der deutschen Geschichte bieten.