Mecklenburg-Schwerin schwarzer Paradebusch für die Pickelhaube Mannschaften im Grenadier-Regiment Nr. 89, I. und III. Bataillon oder Dragoner-Regiment Nr. 17

Um 1900. Der Paradebusch aus schwarzem Rosshaar mit kanneliertem Messingtrichter, Länge des Trichters 16 cm, Durchmesser der Öffnung 5 cm. Im originalen Karton. Zustand 2.
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Mecklenburg-Schwerin schwarzer Paradebusch für die Pickelhaube Mannschaften im Grenadier-Regiment Nr. 89, I. und III. Bataillon oder Dragoner-Regiment Nr. 17

Der schwarze Paradebusch für die Pickelhaube stellt ein bedeutendes Element der preußischen und mecklenburgischen Militärtradition um die Jahrhundertwende dar. Dieses spezifische Exemplar wurde für Mannschaften des Grenadier-Regiments Nr. 89 (I. und III. Bataillon) oder des Dragoner-Regiments Nr. 17 im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin gefertigt.

Das Grenadier-Regiment Nr. 89 war eine Einheit der preußischen Armee, die eng mit Mecklenburg-Schwerin verbunden war. Nach der Heeresreform und den Einigungskriegen des 19. Jahrhunderts wurden die mecklenburgischen Kontingente in die preußische Armee integriert, behielten jedoch bestimmte regionale Besonderheiten in ihrer Uniformierung bei. Das Regiment trug die Tradition der Grenadiere weiter, jener Elite-Infanteristen, die ursprünglich mit dem Werfen von Handgranaten betraut waren.

Das Dragoner-Regiment Nr. 17, ebenfalls aus Mecklenburg-Schwerin stammend, repräsentierte die berittene Kavallerie. Dragoner waren ursprünglich berittene Infanterie, entwickelten sich aber im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer vollwertigen Kavalleriegattung. Die Uniformierung dieser beiden Regimentstypen unterschied sich erheblich, doch der schwarze Paradebusch war ein verbindendes Element für bestimmte Anlässe.

Der hier beschriebene Paradebusch besteht aus schwarzem Rosshaar, dem traditionellen Material für solche militärischen Verzierungen. Das Rosshaar wurde sorgfältig ausgewählt, gefärbt und zu einem dichten Busch gebunden, der auf der Spitze der Pickelhaube befestigt wurde. Der kannelierte Messingtrichter mit seinen charakteristischen Rillen diente nicht nur der Befestigung, sondern auch der ästhetischen Gestaltung. Mit einer Länge von 16 Zentimetern und einem Öffnungsdurchmesser von 5 Zentimetern entspricht dieser Trichter den standardisierten Maßen der wilhelminischen Ära.

Die Verwendung von schwarzem Rosshaar hatte sowohl praktische als auch symbolische Gründe. Schwarz war die traditionelle Farbe für Infanterie- und Dragoner-Regimenter in vielen deutschen Staaten. Im Gegensatz zu den weißen Paradebüschen, die beispielsweise bei Kürassier-Regimentern verwendet wurden, signalisierte der schwarze Busch die Zugehörigkeit zu spezifischen Truppengattungen. Die Farbe war zudem weniger anfällig für sichtbare Verschmutzung als hellere Varianten.

Die Pickelhaube selbst, der charakteristische Helm mit der Spitze, wurde 1842 in Preußen eingeführt und verbreitete sich rasch in den deutschen Staaten sowie darüber hinaus. Ursprünglich aus Leder gefertigt, bot sie einen gewissen Schutz und war vor allem ein Erkennungszeichen. Die Spitze konnte bei Paraden durch den Paradebusch ersetzt werden, was dem Helm ein deutlich imposanteres und festlicheres Aussehen verlieh.

Um 1900, der Datierung dieses Exemplars, befand sich das Deutsche Kaiserreich in der Hochphase der wilhelminischen Ära unter Kaiser Wilhelm II. Dies war eine Zeit intensiver militärischer Tradition und Prachtentfaltung. Paraden und militärische Zeremonien spielten eine zentrale Rolle im öffentlichen Leben, und die entsprechende Ausrüstung musste höchsten ästhetischen Ansprüchen genügen.

Die Tatsache, dass dieser Paradebusch im originalen Karton erhalten ist, unterstreicht seine historische Bedeutung. Solche Aufbewahrungskartons waren standardisiert und trugen häufig Herstellerangaben oder militärische Kennzeichnungen. Sie dienten dem Schutz des empfindlichen Rosshaarschmucks während der Lagerung und des Transports.

Die Unterscheidung zwischen dem I. und III. Bataillon des Grenadier-Regiments ist bemerkenswert. Regimenter waren üblicherweise in mehrere Bataillone gegliedert, die an verschiedenen Standorten stationiert sein konnten. Jedes Bataillon konnte geringfügige Unterschiede in der Ausrüstung aufweisen, obwohl die Grunduniformierung einheitlich war.

Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine sehr gute Erhaltung hin, was bei organischen Materialien wie Rosshaar und bei über hundert Jahre alten Objekten bemerkenswert ist. Rosshaar ist anfällig für Mottenfraß, Austrocknung und mechanische Beschädigung, sodass gut erhaltene Exemplare heute selten sind.

Solche Paradebüsche wurden nach dem Ersten Weltkrieg obsolet, als die Pickelhaube als Kopfbedeckung der deutschen Streitkräfte verschwand. Sie wurden durch praktischere Stahlhelme ersetzt, die den Anforderungen des modernen Krieges besser entsprachen. Heute sind diese Objekte wichtige Zeugnisse einer vergangenen militärischen Kultur und werden von Sammlern und Museen gleichermaßen geschätzt.