SS Porzellanmanufaktur Allach - Tafelleuchter für 3 Kerzen

3-Kerzig, Nr. 87, grüne Allach Marke unter Glasur, C. Diebitsch. Unbeschädigt, Zustand 2+.
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950,00

SS Porzellanmanufaktur Allach - Tafelleuchter für 3 Kerzen

Der Porzellan-Tafelleuchter für drei Kerzen der SS-Porzellanmanufaktur Allach mit der Modellnummer 87 repräsentiert ein bedeutendes Beispiel der nationalsozialistischen Kulturpolitik und der wirtschaftlichen Unternehmungen der SS während des Dritten Reiches. Die unter der Glasur angebrachte grüne Allach-Marke kennzeichnet dieses Stück als authentisches Produkt der Manufaktur, während die Signatur C. Diebitsch auf den renommierten Designer Carl Diebitsch (1876-1942) verweist.

Die Porzellan-Manufaktur Allach wurde 1935 von dem Maler und Kunsthandwerker Franz Nagy in dem gleichnamigen Münchner Vorort gegründet. Bereits 1936 übernahm Heinrich Himmler persönlich die Schirmherrschaft über die Manufaktur, die anschließend in den Besitz der SS überging und Teil des SS-Wirtschaftsimperiums unter Oswald Pohl wurde. Die Manufaktur sollte der nationalsozialistischen Ästhetik entsprechende Kunstgegenstände produzieren und gleichzeitig wirtschaftliche Erträge für die SS generieren.

Die Produktion wurde 1940 in ein größeres Werk nach Dachau verlegt, wo die Nähe zum Konzentrationslager die Ausbeutung von Zwangsarbeitern ermöglichte. Dies stellt einen der dunkelsten Aspekte der Allach-Geschichte dar: Häftlinge des KZ Dachau wurden zur Arbeit in der Manufaktur gezwungen, wobei ihre Arbeitskraft unter unmenschlichen Bedingungen ausgebeutet wurde.

Carl Diebitsch, Professor und Grafiker, war eine zentrale Figur in der Gestaltung von SS-Symbolik und -Ästhetik. Als künstlerischer Leiter prägte er maßgeblich das Erscheinungsbild der Allach-Produkte. Diebitsch war auch an der Gestaltung von SS-Runen, Uniformen und anderen visuellen Elementen der SS-Organisation beteiligt. Seine Entwürfe für die Manufaktur Allach umfassten nicht nur Leuchter, sondern auch Figuren, Vasen und andere Dekorationsobjekte, die einer idealisierten germanischen und nordischen Ästhetik folgten.

Der dreiarmige Tafelleuchter Modell 87 verkörpert die typische Allach-Designsprache: klare, reduzierte Formen, die sich an klassizistischen und nordischen Vorbildern orientierten. Die Verwendung von drei Kerzenhaltern hatte sowohl praktische als auch symbolische Bedeutung im Kontext nationalsozialistischer Festkultur. Solche Leuchter wurden für repräsentative Zwecke, bei SS-Feierlichkeiten und als Geschenke innerhalb der SS-Hierarchie verwendet.

Die grüne Allach-Marke unter der Glasur ist ein wichtiges Authentizitätsmerkmal. Die Manufaktur verwendete verschiedene Markierungen während ihrer Produktionsperiode von 1936 bis 1945. Die grüne Marke, die das Allach-Symbol mit den SS-Runen kombinierte, wurde hauptsächlich in der mittleren Produktionsphase verwendet. Die Anbringung unter der Glasur stellte sicher, dass die Marke dauerhaft und unveränderlich war.

Die Produkte der Allach-Manufaktur waren nicht für den freien Markt bestimmt. Sie wurden hauptsächlich als Geschenke innerhalb der SS-Organisation, als Auszeichnungen oder für offizielle Anlässe produziert. Hochrangige SS-Führer erhielten Allach-Porzellan als Präsente zu besonderen Gelegenheiten. Dies verlieh den Objekten einen exklusiven Status innerhalb der nationalsozialistischen Elite.

Nach Kriegsende 1945 wurde die Produktion eingestellt und die Manufaktur aufgelöst. Die erhaltenen Stücke wurden zu historischen Zeugnissen einer verbrecherischen Organisation und ihrer Kulturpolitik. Heute befinden sich Allach-Porzellanstücke in Museen und Sammlungen, wo sie als Studienobjekte für die Erforschung der NS-Zeit dienen.

Der Umgang mit solchen Objekten ist bis heute kontrovers. Sie sind einerseits historische Dokumente, die Einblick in die Ästhetik und Selbstdarstellung der SS geben, andererseits Produkte einer verbrecherischen Organisation, die auf Zwangsarbeit und Ausbeutung beruhten. In Deutschland unterliegen Objekte mit SS-Symbolik besonderen gesetzlichen Regelungen bezüglich ihrer Zur-Schau-Stellung und ihres Handels, wobei wissenschaftliche, historische und aufklärerische Zwecke ausdrücklich erlaubt sind.

Die kunsthistorische Bewertung von Allach-Porzellan erfolgt heute unter Berücksichtigung seines historischen Kontexts. Die technische Qualität und handwerkliche Ausführung der Stücke war durchaus hochwertig, doch kann dies nicht losgelöst von den Umständen ihrer Herstellung betrachtet werden. Die Objekte dienen heute primär als Mahnmale und Lehrmittel für die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit.