Schweden Infanterie Mannschaftssäbel M1856 .

Gekrümmte Keilklinge mit schmalen Hohlkehlen, im Bereich der Fehlschärfe und auf dem Rücken gestempelt, Messinggefäß mit einfachem Parierbügel, dieser am Knauf verschraubt, herzförmiges Stichblatt, Lederscheide mit Messingbeschlägen, leicht getragen, noch sehr gut erhalten. Zustand 2
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Schweden Infanterie Mannschaftssäbel M1856 .

Der schwedische Infanterie-Mannschaftssäbel M1856 repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt in der Entwicklung der schwedischen Militärbewaffnung während der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dieses Blankwaffe wurde zu einer Zeit eingeführt, als europäische Armeen begannen, ihre traditionellen Nahkampfwaffen zu modernisieren und zu standardisieren, obwohl die zunehmende Bedeutung von Feuerwaffen bereits absehbar war.

Historischer Kontext und Einführung

Das Jahr 1856 markiert eine wichtige Periode in der schwedischen Militärgeschichte. Nach den Napoleonischen Kriegen und dem Verlust Finnlands an Russland im Jahr 1809 hatte Schweden eine Phase der militärischen Neuorganisation durchlaufen. Die schwedische Armee, die auf dem traditionellen Indelningsverket (Einteilungssystem) basierte, modernisierte systematisch ihre Ausrüstung, um mit den europäischen Standards Schritt zu halten. Der M1856-Säbel war Teil dieser Modernisierungsbemühungen und ersetzte ältere Modelle aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Technische Merkmale und Konstruktion

Der Säbel zeichnet sich durch seine gekrümmte Keilklinge aus, ein charakteristisches Merkmal, das ihn für Hiebwaffen typisch macht. Die schmalen Hohlkehlen entlang der Klinge dienten der Gewichtsreduzierung ohne wesentliche Einbußen bei der Stabilität. Diese konstruktive Lösung war in der Mitte des 19. Jahrhunderts weit verbreitet und spiegelte das fortgeschrittene metallurgische Wissen der Zeit wider.

Das Messinggefäß mit seinem einfachen Parierbügel und dem herzförmigen Stichblatt bot grundlegenden Handschutz, war aber relativ spartanisch im Vergleich zu aufwendigeren Offizierssäbeln. Der am Knauf verschraubte Parierbügel ermöglichte eine robuste Konstruktion, die den Belastungen des militärischen Alltags standhielt. Die Verwendung von Messing war nicht nur aus ästhetischen Gründen gewählt, sondern auch wegen seiner Korrosionsbeständigkeit und relativ einfachen Bearbeitung.

Die mitgeführte Lederscheide mit Messingbeschlägen entsprach den militärischen Standards der Zeit. Leder war das bevorzugte Material für Scheiden, da es die Klinge schützte und gleichzeitig relativ leicht war. Die Messingbeschläge dienten sowohl der Verstärkung als auch der Befestigung am Koppel des Soldaten.

Verwendung und militärischer Kontext

Als Mannschaftssäbel war diese Waffe für die einfachen Infanteristen bestimmt, nicht für Offiziere oder Unteroffiziere, die in der Regel aufwendigere Seitenwaffen trugen. In den 1850er Jahren befand sich die Rolle der Blankwaffe im Wandel. Während Säbel und Bajonette jahrhundertelang primäre Nahkampfwaffen waren, machten Fortschritte in der Feuerwaffentechnologie – insbesondere die Einführung von gezogenen Läufen und Hinterladergewehren – die traditionelle Nahkampfwaffe zunehmend zu einem sekundären Element der Infanteriebewaffnung.

Dennoch behielt der Säbel symbolische und praktische Bedeutung. Er diente als Statussymbol, unterschied Soldaten von Zivilisten und war nützlich für verschiedene nicht-kämpferische Aufgaben im militärischen Alltag. Die schwedische Armee setzte solche Waffen bis weit ins späte 19. Jahrhundert ein, auch wenn ihre Kampfanwendung zunehmend seltener wurde.

Stempelungen und Markierungen

Die erwähnten Stempelungen im Bereich der Fehlschärfe und auf dem Rücken der Klinge sind charakteristisch für militärische Blankwaffen dieser Periode. Diese Markierungen umfassten typischerweise Herstellungsdaten, Inspektionsstempel, Regimentsbezeichnungen und manchmal auch Nummern zur Inventarisierung. Solche Stempelungen ermöglichen heute oft eine präzise Datierung und Zuordnung zu bestimmten Produktionschargen oder militärischen Einheiten.

Produktion und Herstellung

Schwedische Militärblankwaffen wurden sowohl in staatlichen Manufakturen als auch von privaten Vertragsherstellern produziert. Die Eskilstuna-Region war traditionell ein Zentrum der schwedischen Klingen- und Waffenproduktion. Die Qualität schwedischer Militärsäbel galt als solide und zweckmäßig, wenn auch nicht so raffiniert wie beispielsweise französische oder deutsche Prunkstücke.

Erhaltung und sammlerwert

Ein M1856-Säbel in sehr gutem Erhaltungszustand mit originaler Lederscheide ist heute ein begehrtes Sammlerstück. Die Überlebensrate solcher Waffen ist relativ hoch, da viele nie im Kampf eingesetzt wurden und später ordnungsgemäß eingelagert oder ausgemustert wurden. Der angegebene Zustand 2 (leicht getragen, aber sehr gut erhalten) deutet auf ein Exemplar hin, das minimale Gebrauchsspuren aufweist und seine ursprüngliche Integrität weitgehend bewahrt hat.

Bedeutung für die Militärgeschichte

Der schwedische Infanterie-Mannschaftssäbel M1856 steht exemplarisch für eine Übergangszeit in der Militärgeschichte. Er repräsentiert die letzten Jahrzehnte, in denen Blankwaffen noch fester Bestandteil der Standardausrüstung europäischer Infanteristen waren, bevor sie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert weitgehend durch moderne Feuerwaffen und Bajonette verdrängt wurden. Für Sammler und Historiker bietet er wichtige Einblicke in die materielle Kultur der schwedischen Armee und die allgemeine Entwicklung militärischer Ausrüstung im 19. Jahrhundert.