Sturmabteilung ( SA ) Ärmelband "Schlageter", der SA-Standarte 39, SA-Gruppe Niederrhein
Das vorliegende SA-Ärmelband "Schlageter" der SA-Standarte 39 stellt ein historisches Dokument der nationalsozialistischen Bewegung dar, das eng mit der regionalen Organisation der Sturmabteilung am Niederrhein verbunden ist. Diese Armbinden waren nicht nur Uniformbestandteile, sondern trugen eine starke symbolische und propagandistische Bedeutung innerhalb der SA-Hierarchie.
Die Sturmabteilung (SA), auch bekannt als “Braunhemden”, wurde 1920/21 gegründet und entwickelte sich zur paramilitärischen Kampforganisation der NSDAP. Nach der Machtergreifung 1933 wuchs die SA auf über vier Millionen Mitglieder an, bevor ihre Macht durch die Ereignisse des sogenannten “Röhm-Putsches” im Juni 1934 drastisch beschnitten wurde.
Das Ärmelband trägt den Namen "Schlageter", der auf Albert Leo Schlageter (1894-1923) zurückgeht. Schlageter war ein Freikorps-Mitglied, das während der französischen Ruhrbesetzung 1923 wegen Sabotageakten von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und am 26. Mai 1923 auf der Golzheimer Heide bei Düsseldorf erschossen wurde. Die Nationalsozialisten stilisierten ihn zum Märtyrer und “ersten Soldaten des Dritten Reiches”. Sein Name wurde zur Bezeichnung verschiedener SA-Einheiten verwendet, besonders im Rheinland und am Niederrhein, wo sein Tod stattgefunden hatte.
Die SA-Standarte 39 gehörte zur SA-Gruppe Niederrhein, die ihren Sitz in Düsseldorf hatte. Die SA-Gruppen stellten die höchste territoriale Gliederungsebene der Sturmabteilung dar, wobei sie in der Regel mehrere Untergruppen umfassten, die wiederum aus Standarten, Sturmbännen, Stürmen und Scharen bestanden. Die SA-Gruppe Niederrhein war eine der bedeutenden regionalen Einheiten und spielte in der industriell geprägten Rhein-Ruhr-Region eine wichtige Rolle bei den Straßenkämpfen der Weimarer Republik.
Das beschriebene Exemplar ist in gewebter Ausführung im 2. Modell gefertigt. Die SA-Ärmelstreifen durchliefen verschiedene Entwicklungsstufen. Frühe Modelle waren oft handgestickt oder in einfacherer Ausführung gefertigt. Das zweite Modell, das ab etwa Mitte der 1930er Jahre eingeführt wurde, zeichnete sich durch maschinell gewebte Herstellung aus, was eine standardisierte Produktion ermöglichte. Die Schrift und Symbole wurden dabei direkt in den Stoff eingewebt, was eine höhere Haltbarkeit und einheitlicheres Erscheinungsbild gewährleistete.
Die typische Farbgebung dieser Ärmelstreifen folgte den SA-Richtlinien: weiße Schrift auf schwarzem oder rotem Grund. Der Schlageter-Ärmelstreifen wurde am linken Oberarm der SA-Uniform getragen und kennzeichnete die Zugehörigkeit zu einer besonderen traditionsreichen Einheit. Solche Traditionsnamen sollten den Korpsgeist stärken und eine Verbindung zu den angeblichen “Helden” der nationalsozialistischen Bewegung herstellen.
Die Verleihung von Traditionsärmelbändern war in der SA streng geregelt. Nicht jede Einheit durfte einen besonderen Namen führen. Die Verwendung des Namens “Schlageter” musste von höchster Stelle genehmigt werden und war Ausdruck besonderer “Verdienste” oder regionaler Verbundenheit. Im Falle der SA-Standarte 39 war die geografische Nähe zum Ort von Schlageters Hinrichtung sicherlich ein entscheidender Faktor.
Die Länge von etwa 22 cm entspricht den üblichen Maßen für SA-Ärmelstreifen, die so bemessen waren, dass sie gut sichtbar am Oberarm getragen werden konnten, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Die Befestigung erfolgte in der Regel durch Annähen an die Uniform.
Der beschädigte Zustand des vorliegenden Stückes ist nicht ungewöhnlich für Textilien aus dieser Zeit. Nach 1945 wurden viele SA-Uniformteile zerstört oder versteckt, da der Besitz solcher Gegenstände in den Besatzungszonen zunächst verboten war. Erhaltene Exemplare zeigen daher häufig Gebrauchsspuren, Beschädigungen oder Spuren der Lagerung unter ungünstigen Bedingungen.
Aus historischer Perspektive sind solche Objekte wichtige Zeugnisse der nationalsozialistischen Organisationsstruktur und Symbolpolitik. Sie dokumentieren die Instrumentalisierung historischer Personen für propagandistische Zwecke und die straffe hierarchische Organisation der SA. Für die militärhistorische Forschung bieten sie Einblicke in die regionale Gliederung der paramilitärischen Verbände und deren Selbstverständnis.
Es ist wichtig zu betonen, dass solche Objekte heute ausschließlich als historische Dokumente betrachtet werden sollten, die zur Aufarbeitung und zum Verständnis dieser dunklen Epoche der deutschen Geschichte beitragen.