Ehrenzeichen vom Deutschen Roten Kreuz 1937-1939 2. Stufe Verdienstkreuz

Steckkreuz, typische Fertigung der Fa. Godet, jedoch ohne Herstellerbezeichnung, leicht gewölbt mit aufgelegtem Adler, rückseitig an Nadel. Die Emaille teils beschädigt.
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900,00

Ehrenzeichen vom Deutschen Roten Kreuz 1937-1939 2. Stufe Verdienstkreuz

Das Ehrenzeichen vom Deutschen Roten Kreuz 2. Stufe (Verdienstkreuz) stellt ein bedeutendes Sammlerstück aus der Zeit des Nationalsozialismus dar, das zwischen 1937 und 1939 verliehen wurde. Diese Auszeichnung dokumentiert die komplexe Verstrickung humanitärer Organisationen mit dem NS-Regime und verkörpert ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes.

Die Neuordnung des deutschen Auszeichnungswesens unter nationalsozialistischer Herrschaft erfasste auch das Deutsche Rote Kreuz vollständig. Am 1. Mai 1937 wurde das DRK gleichgeschaltet und seiner Unabhängigkeit beraubt. Der Reichsführer SS Heinrich Himmler übernahm die Schirmherrschaft, und die Organisation wurde zu einem Instrument der NS-Politik umfunktioniert. In diesem Kontext wurden die Ehrenzeichen des DRK neu gestaltet und erhielten das Hakenkreuz als zentrales Element.

Das hier beschriebene Stück repräsentiert die zweite Stufe im System der DRK-Ehrenzeichen, das Verdienstkreuz. Die Hierarchie umfasste mehrere Stufen, beginnend mit der Verdienstmedaille über das Verdienstkreuz bis hin zu höheren Auszeichnungen. Das Verdienstkreuz wurde für langjährige und verdienstvolle Tätigkeit im Deutschen Roten Kreuz verliehen, wobei die genauen Kriterien in den Satzungen der Organisation festgelegt waren.

Die typische Fertigung der Firma Godet weist auf eine der renommiertesten Hersteller von Orden und Ehrenzeichen im Dritten Reich hin. Das Berliner Unternehmen Godet & Co. war bekannt für die hohe Qualität seiner Produkte. Interessanterweise trägt dieses Exemplar keine Herstellerbezeichnung, was bei Godet-Produkten aus verschiedenen Gründen vorkommen konnte. Manche Serien wurden ohne Markierung gefertigt, oder die Kennzeichnung befand sich an Stellen, die im Laufe der Zeit verloren gingen.

Die technische Ausführung des Steckkreuzes entspricht den damaligen Standards: Eine leicht gewölbte Grundform mit aufgelegtem Adler, der das Hakenkreuz in seinen Fängen hält. Die Verwendung von Emaille in Rot und Weiß, den traditionellen Farben des Roten Kreuzes, verleiht der Auszeichnung ihre charakteristische Optik. Die rückseitige Nadel diente zur Befestigung an der Uniform oder Zivilkleidung.

Der Erhaltungszustand mit teilweise beschädigter Emaille ist typisch für Stücke, die tatsächlich getragen wurden. Emaillearbeiten aus dieser Zeit waren anfällig für Beschädigungen durch Stöße oder Temperaturwechsel. Solche Gebrauchsspuren erhöhen paradoxerweise oft den historischen Wert, da sie die authentische Verwendung dokumentieren.

Die Verleihungspraxis dieser Auszeichnungen folgte strengen Richtlinien. Empfänger mussten sich durch besondere Verdienste im Sanitätsdienst, in der Krankenbetreuung oder in der Organisation auszeichnen. Die Ehrenzeichen wurden in feierlichem Rahmen überreicht und im Besitzzeugnis dokumentiert. Träger waren verpflichtet, die Auszeichnung zu besonderen Anlässen und in Uniform anzulegen.

Das Jahr 1939 markiert das Ende dieser Verleihungsperiode, da mit Kriegsbeginn neue Regelungen in Kraft traten. Das DRK wurde vollständig in die Kriegsmaschinerie eingebunden, und die Verleihung von Auszeichnungen unterlag zunehmend militärischen Gesichtspunkten. Später wurden zusätzliche Kriegsverdienst-Varianten geschaffen.

Aus sammlungshistorischer Perspektive dokumentiert dieses Stück die Instrumentalisierung einer ursprünglich neutralen humanitären Organisation. Das Deutsche Rote Kreuz verlor unter NS-Herrschaft seine Unabhängigkeit und wurde zu einem Teil des totalitären Systems. Die Ehrenzeichen dieser Periode sind daher nicht nur militärhistorische Objekte, sondern auch Zeugnisse der systematischen Gleichschaltung der deutschen Gesellschaft.

Für die wissenschaftliche Bewertung solcher Objekte ist der historische Kontext entscheidend. Sie dokumentieren eine Zeit, in der selbst humanitäre Symbole politisch missbraucht wurden. Museen und Sammlungen bewahren diese Stücke auf, um die Geschichte in ihrer Gesamtheit zu dokumentieren und als Mahnung für zukünftige Generationen zu dienen.