Elastolin - 1. Weltkrieg Preussen, Soldat von Kugel getroffen,
Die vorliegende Elastolin-Figur stellt einen preußischen Soldaten des Ersten Weltkriegs dar, der von einem Geschoss getroffen wird. Mit einer Höhe von 10 cm gehört diese Figur zu den klassischen Massefiguren, die von der Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg hergestellt wurden und das Spielzeug- und Sammlermarkt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten.
Die Firma Hausser begann bereits im frühen 20. Jahrhundert mit der Produktion von Spielzeugfiguren und entwickelte das Material Elastolin, eine Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin und anderen Zusätzen, die auf einen Drahtgerüst aufgetragen wurde. Dieses Material war wesentlich bruchsicherer als die traditionellen Bleifiguren und ermöglichte eine detailliertere Modellierung. Die Produktionsmethode revolutionierte den Spielzeugmarkt und machte Hausser zu einem der führenden Hersteller militärischer Spielfiguren in Deutschland.
Die Darstellung eines getroffenen Soldaten ist ein bemerkenswertes Zeugnis der damaligen Spielzeugkultur. Während heute solche Darstellungen kritisch betrachtet werden, waren dramatische Kampfszenen in der Zwischenkriegszeit und selbst während des Ersten Weltkriegs übliche Motive. Die Figuren sollten nicht nur zum Spielen dienen, sondern auch die militärische Realität abbilden, was verschiedene Haltungen und Situationen einschloss - vom marschierenden Soldaten bis zum verwundeten Kämpfer.
Der dargestellte preußische Soldat trägt typischerweise die charakteristische Uniform der deutschen Armee des Ersten Weltkriegs. Die preußische Armee bildete das Rückgrat der kaiserlichen Streitkräfte und stellte den größten Anteil der deutschen Truppen. Die Uniformierung während des Krieges durchlief verschiedene Entwicklungen, von den anfänglichen bunten Uniformen hin zu feldgrauen, praktischeren Ausführungen.
Der Zustand 2 in der Sammlerwelt bezeichnet einen sehr guten Erhaltungszustand mit nur minimalen Gebrauchsspuren. Für Elastolin-Figuren, die oft als Kinderspielzeug intensive Nutzung erfuhren, ist dies bemerkenswert. Die Figuren waren zwar robuster als Bleifiguren, aber dennoch anfällig für Beschädigungen durch Abplatzen der Farbschicht oder Brüche an den Extremitäten.
Aus historischer Perspektive dokumentieren diese Figuren nicht nur die Militärgeschichte, sondern auch die Sozialgeschichte und Mentalität ihrer Entstehungszeit. Die Produktion militärischer Spielzeugfiguren spiegelte die Militarisierung der Gesellschaft im Kaiserreich und der Weimarer Republik wider. Gleichzeitig dienten sie der Verarbeitung der traumatischen Kriegserfahrungen und hielten die Erinnerung an den Krieg wach.
Heute sind Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte, die sowohl militärhistorisch als auch spielzeuggeschichtlich von Bedeutung sind. Sie dokumentieren die handwerkliche Qualität deutscher Spielzeugherstellung und bieten Einblicke in die Darstellung militärischer Themen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Firma Hausser produzierte bis in die 1970er Jahre, wobei die frühen Figuren aus der Zeit vor und zwischen den Weltkriegen besonders gesucht sind.