NSKK / DDAC - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Westfälische Winterfahrt 27.-28. Jan.1934 "
NSKK/DDAC Westfälische Winterfahrt 1934 - Historischer Kontext
Die vorliegende Teilnehmerplakette dokumentiert ein bedeutendes motorsportliches Ereignis der frühen NS-Zeit: die Westfälische Winterfahrt, die am 27. und 28. Januar 1934 stattfand. Diese Veranstaltung steht exemplarisch für die zunehmende Politisierung des Motorsports im nationalsozialistischen Deutschland und die Rolle der NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps) sowie des DDAC (Der Deutsche Automobil-Club).
Das NSKK wurde am 1. April 1931 als motorisierte Formation der SA gegründet und entwickelte sich zu einer der wichtigsten NS-Organisationen im Bereich des Kraftfahrwesens. Nach der Machtübernahme 1933 expandierte das NSKK rapide und übernahm eine zentrale Rolle in der vormilitärischen Ausbildung und der Förderung des Motorsports. Der DDAC, ursprünglich 1903 als unabhängiger Automobilclub gegründet, wurde 1933 gleichgeschaltet und unter die Kontrolle des NSKK gestellt. Adolf Hühnlein, der Korpsführer des NSKK, übernahm gleichzeitig die Führung des DDAC.
Winterfahrten waren in den 1920er und 1930er Jahren beliebte motorsportliche Veranstaltungen, die besondere Anforderungen an Fahrer und Material stellten. Sie dienten der Erprobung der Fahrzeuge unter extremen Witterungsbedingungen und waren gleichzeitig Zuverlässigkeitsprüfungen. Die Westfälische Winterfahrt von 1934 fand nur wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme statt und zeigt die schnelle Durchdringung des Motorsports durch NS-Organisationen.
Die Plakette wurde von der renommierten Firma Berg & Nolte aus Lüdenscheid hergestellt, einem der führenden Hersteller von Abzeichen, Plaketten und Orden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Unternehmen war bekannt für seine qualitativ hochwertige Arbeit und fertigte zahlreiche offizielle und inoffizielle Auszeichnungen für verschiedene Organisationen. Die Verwendung von vergoldetem Buntmetall war typisch für nichttragbare Erinnerungsplaketten dieser Zeit.
Solche Teilnehmerplaketten wurden nicht als offizielle Auszeichnungen am Uniformrock getragen, sondern dienten als Erinnerungsstücke an die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen. Sie wurden häufig in Vitrinen ausgestellt oder in Sammelalben aufbewahrt. Die Plaketten dokumentierten die aktive Beteiligung ihrer Besitzer am motorsportlichen und organisatorischen Leben der NS-Zeit.
Das Jahr 1934 war für das NSKK von besonderer Bedeutung. Nach der Entmachtung der SA im sogenannten “Röhm-Putsch” im Juni 1934 gewann das NSKK an Eigenständigkeit und Bedeutung. Die Organisation wurde zunehmend für die vormilitärische Ausbildung eingesetzt und spielte eine wichtige Rolle bei der Motorisierung der Wehrmacht. Motorsportveranstaltungen wie die Westfälische Winterfahrt dienten nicht nur dem sportlichen Wettbewerb, sondern auch der Kameradschaftspflege und der Demonstration technischer Fähigkeiten.
Die Region Westfalen hatte eine lange Tradition im Motorsport. Die winterlichen Straßenverhältnisse mit Schnee, Eis und Matsch stellten hohe Anforderungen an Fahrer und Fahrzeuge. Solche Veranstaltungen waren oft als Sternfahrten oder Rundfahrten organisiert, bei denen verschiedene Kontrollpunkte angefahren werden mussten. Die Bewertung erfolgte nach Kriterien wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und dem technischen Zustand der Fahrzeuge.
Die Herstellung von Erinnerungsplaketten für motorsportliche Veranstaltungen hatte in Deutschland eine lange Tradition, die bis in die Kaiserzeit zurückreichte. In der NS-Zeit wurden diese Traditionen fortgeführt, allerdings zunehmend unter ideologischer Kontrolle. Die Gestaltung solcher Plaketten folgte oft bestimmten ästhetischen Konventionen und inkorporierte NS-Symbolik wie Hakenkreuze, Adler oder andere Hoheitszeichen.
Heute sind solche historischen Objekte wichtige Zeugnisse der Alltags- und Organisationsgeschichte des Nationalsozialismus. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch NS-Organisationen und die Instrumentalisierung des Sports für politische Zwecke. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in die materielle Kultur und die Selbstdarstellung dieser Organisationen.
Die Erhaltung solcher Objekte in gutem Zustand ist für die historische Forschung von Bedeutung. Sie ermöglichen es, die Organisationsstrukturen, die regionale Verankerung von NS-Organisationen und die Praxis der Erinnerungskultur in dieser Zeit zu rekonstruieren und zu verstehen.